Rohstoffe
Heißer Kaffeemarkt

Für die Kaffeeproduzenten war der März einer der unruhigsten Monate der vergangenen Jahre: Der Preis brach um über 20 Prozent ein, der Handel kam zum Erliegen. Spekulanten machen Brasiliens Produzenten das Leben schwer.

SÃO PAULO. Eine der wichtigsten Exportbranchen Brasiliens ist in den Sog der internationalen Marktturbulenzen geraten. Für die Kaffeeproduzenten und -händler war der März einer der unruhigsten Monate der vergangenen Jahre: Der Kaffeepreis brach in New York um 24 Prozent ein; der größte Kursverlust seit acht Jahren.

Investmentfonds, die zuvor Rohstoffpositionen aufgebaut hatten, verließen diese wieder fluchtartig. Von zeitweise mehr als 160 Dollar-Cents pro Pfund stürzte der Kaffeepreis auf fast 122 Cents ab. Der Markt kam zeitweise sogar zum Erliegen, weil Händler zu diesen Tiefstpreisen kein Kaffee mehr anboten. Mit der Erholung auf über 130 Cents in New York haben sich die Geschäfte wieder halbwegs normalisiert. Aber die Spannung bleibt: „Viele rechnen damit, dass jederzeit wieder spekulatives Kapital in Rohstoffe fließen kann“, sagt Rodrigo Costa vom Trader Newedge in New York, „erst wenn diese Bedrohung vorbei ist, werden wieder die Fundamentaldaten die Preise auf dem Kaffeemarkt bestimmen.“ Doch welche sind das?

In Brasilien, dem weltgrößten Produzent, auf dessen Plantagen dieses Jahr je nach Schätzung zwischen 35 und 43 Prozent der weltweiten Ernte gepflückt werden, herrscht wieder einmal kurz vor Beginn der Kaffee-Ernte ein heilloses Durcheinander über die Prognosen. Das staatliche Versorgungsinstitut Conab gibt die Ernteschätzung 2008/09 mit maximal 44 Mill. Sack (60 Kg) an. Doch unter den Händlern werden die regelmäßig zu niedrig ausfallenden Schätzungen des Instituts nicht richtig Ernst genommen: Viele vermuten dahinter das Interesse des staatlichen Instituts, den Preis in der Zwischenerntezeit hoch zu halten. So meldete Conab auch, dass Brasilien die eigene und ausländische Nachfrage bereits in den letzten sechs Erntejahren aus Lagern decken musste, weil die Produktion zu gering ausfiel und deshalb die Lagervorräte jetzt auf historische Tiefststände gefallen seien.

Die Märkte beeindruckte die „Alarmmeldung“ wenig. In Brasilien wird eine Produktion von April bis März 2009 zwischen 48 und 50 Mill. Sack erwartet. Der Trader Mercon dagegen rechnet die Menge sogar schon auf 54 Mill. Sack hoch, 22 Prozent mehr als die offiziellen Stellen prognostizieren. Für den Weltmarkt ist entscheidend, wie die Ernte in Brasilien ausfällt: Im vergangenen Erntejahr lieferte Brasilien 29 Prozent des weltweit gehandelten Kaffees. Mit 34 Mill. Sack war das Land vor Vietnam (16 Mill.) und Kolumbien (12,4 Mill.) der mit Abstand größte Produzent.

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