Rohstoffe
Öl kostet so wenig wie seit 2003 nicht mehr

Nach dem angekündigten Ende der Iran-Sanktionen fällt der Preis für ein Barrel Brent zeitweise unter 28 Dollar. Beim Fall des Ölpreises ist kein Ende in Sicht. Einer bleibt trotzdem gelassen.

New York/WienNach der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen das wichtige Förderland Iran hat sich die Talfahrt der Ölpreise fortgesetzt. In der Nacht zum Montag erreichten der Preis für Nordsee-Öl bei 27,70 US-Dollar je Barrel (159 Liter) und der Preis für US-Öl bei 28,36 Dollar je Fass den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren. Damit sind die beiden wichtigen Ölpreise für die Weltwirtschaft seit Jahresbeginn um etwa ein Viertel eingebrochen.

Im Vormittagshandel wurde zwar ein kleiner Teil der frühen Verluste wieder ausgleichen. Zuletzt kostete ein Fass Nordsee-Öl der Sorte Brent mit Lieferung im März aber nur 28,52 Dollar und damit 42 Cent weniger als am Freitag. Ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar verbilligte sich um 38 Cent auf 29,04 Dollar.

Zum Wochenauftakt kommt der entscheidende Impuls für den Handel am Ölmarkt durch das Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. Wegen der deutlichen Verringerung seines Atomprogramms hat das wichtige Mitgliedsland der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) den Weg für ein Ende der Wirtschaftssanktionen frei gemacht. Mit der Aufhebung der Sanktionen darf das islamische Land wieder Öl und Gas in die EU exportieren. Für den Markt hat das Ende der Sanktionen gegen den Iran eine große Bedeutung, weil das ölreiche Land bereits angekündigt hat, seine Rohölausfuhren um etwa 500.000 Barrel pro Tag hochzufahren.

Schon jetzt lastet ein zu hohes Angebot auf den Ölpreisen. Vor allem die Opec hat zur Talfahrt der Notierungen beigetragen. Saudi-Arabien verfolgt als führendes Mitglied des Kartells die Strategie, Marktanteile zu verteidigen und Konkurrenten in den USA und Russland durch immer niedrigere Ölpreise aus dem Markt zu drängen.

„Momentan fördert die Opec gut eine Million Barrel pro Tag mehr Rohöl als vom Markt benötigt wird“, schätzte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Außerdem verschärfen sowohl die Schieferölproduktion in den USA als auch eine Ausweitung der russischen Fördermengen auf das höchste Niveau seit dem Ende der Sowjetunion die Lage auf dem Ölmarkt.

Zuletzt hatte auch die Furcht der Anleger vor einem Abflauen der Konjunktur in China die Ölpreise belastet. Nach einer Reihe von schwachen Wirtschaftsdaten und heftigen Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten habe sich die Sorge vor einer schwächeren Rohöl-Nachfrage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verstärkt, sagte Weinberg. „China war in den vergangenen Jahren immerhin für etwa ein Drittel des Anstiegs der weltweiten Ölnachfrage verantwortlich“, so der Commerzbank-Experte.

Der Preis für Opec-Rohöl fällt ebenfalls immer weiter. Am Montag teilte das Opec-Sekretariat mit, dass der Korbpreis am Freitag 24,74 US-Dollar pro Barrel betragen habe. Das waren 26 Cent weniger als am Vortag. Opec-Rohöl ist damit ebenfalls so günstig wie seit mehr als zwölf Jahren nicht mehr. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.
Der Ölminister Saudi-Arabiens, Ali al-Naimi, zeigte sich indes stoisch ruhig über die Entwicklung des Ölpreises: „Ich bin optimistisch, was die Zukunft angeht – die globalen Ölmärkte werden sich stabilisieren, Preise anziehen und die größten Ölförderländer miteinander kooperieren“, sagte al-Naimi der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er räumte jedoch ein: „Das wird allerdings einige Zeit dauern“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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