Rohstoffe
Ölbörsen werden stärker überwacht

Britische und amerikansiche Aufsichtsbehörden wollen bei der Kontrolle von Ölbörsen zukünftig stärker kooperieren. Damit wollen sie aggressive Spekulationen in den Griff kriegen. Warum vor allem US-Politiker den Schritt befürworten.

NEW YORK. Mit besserer internationaler Abstimmung wollen die USA und Großbritannien mutmaßlichen Ölmarktspekulanten das Leben schwer machen. Die Aufsichtsbehörden beider Länder, CTFC und FSA, vereinbarten gestern eine engere, neuartige Kooperation. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Behörden die Energebörsen auch im jeweiligen anderen Land inspizieren können. "Ich bin der Ansicht, dass alle bestehenden Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen, um das Funktionieren der Futuremärkte frei von Manipulationen, Betrügereien und anderen Missbräuchen sicherzustellen", erklärte CFTC-Chef Gary Gensler gestern.

Vor allem Politiker in den USA machen Spekulanten an den Derivatemärkten für die starken Schwankungen des Ölpreises verantwortlich. Im vergangenen Sommer war der Preis für ein Fass (159 Liter) auf mehr als 140 Dollar gestiegen. Seither hat die CFTC einige Maßnahmen zur Verbesserung der Aufsicht eingeleitet. FSA-Chairman Lord Turner hatte dagegen die Meinung vertreten, Angebot und Nachfrage regelten den Preis. Die nun vereinbarte Kooperation dürfte nun auf eine Harmonisierung der Aufsichtbemühungen der Länder mit den wichtigsten Terminbörsen für Rohstoffe hinauslaufen. Die CFTC gab gestern zudem bekannt, dass der britische Ableger der US-Derivatebörse ICE der Behörde in Zukunft Einsicht in die Handelsdaten von Kontrakten gewähren muss, deren Wert sich an in den USA gehandelten Rohstoffen bemisst.

Vor allem die US-Politik begrüßt solche Eingriffe in den komplexen und zuweilen undurchsichtigen Derivatemarkt. Dem hält die Finanzbrache entgegen, solche Maßnahmen hätten sich bereits in der Vergangenheit als nutzlos oder sogar kontraproduktiv erwiesen. Als Beispiel nennt Rohstoff-Analyst Michael Lewis von der Deutschen Bank den 1958 verbotenen Zwiebelfuture. Einige Studien ließen den Schluss zu, dass das Verbot für das Finanzprodukt den Preis für das Gemüse sogar schwankungsanfälliger gemacht hätten. Er rechnet jedoch damit, dass die CFTC unter dem öffentlichen Druck die Größe der Positionen, die einzelne Händler halten dürften, gesetzlich beschränken und den Börsen höhere Transparenzauflagen machen wird. Die Vorschläge dürften im Oktober auf dem Tisch liegen.

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