Rohstoffe
Ölpreis fällt unter 29 Dollar

Die mögliche Rückkehr des Iran an den Ölmarkt drückt die Preise. Für die beiden maßgeblichen Sorten, WTI und Brent, geht es steil bergab. Norwegen ruft die Krise in seiner Ölindustrie aus.

Frankfurt/DüsseldorfDer Verfall der Ölpreise nimmt immer mehr Tempo auf: Am Freitagabend stürzte die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee um 6,7 Prozent auf 28,82 Dollar ab und notierte damit so niedrig wie zuletzt im Februar 2004. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 6,6 Prozent auf 29,13 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit November 2003. Maßgeblich für den erneuten Negativtrend ist die Aussicht auf ein steigendes Ölangebot. Schon am 18. Januar könnten die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden, lauten die Spekulationen. Damit könnten sie ihr Öl an den Weltmärkten anbieten.

Seit Jahresbeginn sind die Preise bereits um jeweils fast ein Fünftel Prozent eingebrochen. Händlern zufolge spekulieren die Anleger darauf, dass die Internationale Atombehörde dem Iran in ihrem Abschlussbericht bescheinigen dürfte, die Bedingungen des Atomabkommens vom Sommer letzten Jahres erfüllt zu haben. Eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran dürfte dann schon bald folgen – die Strafmaßnahmen des Westens hatten die iranischen Ölexporte mehr als halbiert. Der Iran hat bereits angekündigt, seine Ölexporte rasch und deutlich ausweiten zu wollen.

„Die Aufhebung der Sanktionen kommt für den Ölmarkt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt und hat somit das Potenzial, die Preise weiter nach unten zu drücken“, kommentiert Eugen Weinberg, Analyst bei der Commerzbank. Indes kündigte Russland an, unvermindert weiter Öl zu fördern. 2015 hatte das Land mit 534 Millionen Tonnen so viel Öl aus den Böden gepumpt, wie seit dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr.

Einige Opec-Länder fordern nun schon eine Sondersitzung der Vereinigung erdölexportierender Länder im März. Der Wunsch bleibt ihnen bislang verwehrt. Die nächste Sitzung der Ölförderländer ist erst im Juni angesetzt.

Längst hat der Preisverfall die großen Ölförderländer unter Druck gesetzt: Saudi-Arabien erwägt wegen der Haushaltslücken einen Börsengang des bislang staatlichen Ölförderers Saudi Aramco. In Russland grassiert die Angst vor einem neuen Staatsbankrott und auch Norwegen bekommt die Folgen der anhaltenden Baisse immer stärker zu spüren.

„Norwegens Ölindustrie befindet sich in einer Krise. Das können wir nicht leugnen“, sagt Bente Nyland, Chef des Norwegischen Öldirektorats, das zum Öl- und Energieministerium des Landes gehört. Die Ölunternehmen tendieren derzeit, kurzfristige Gewinne einzufahren, statt langfristig Werte zu schaffen, erklärt Nyland.

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