Rohstoffe
Opec-Öl erstmals deutlich über 90-Dollar-Marke

Der US-Ölpreis ist am Donnerstag weiter gesunken, nachdem seine Rekordjagd bereits am Vortag durch besser als erwartet ausgefallene Öllagerbestände aus den USA zunächst gestoppt worden war.

HB SINGAPUR/HAMBURG. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Dezember 95,71 Dollar. Das waren 66 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Händler verwiesen auf die Lagerbestandsdaten der USA vom Vortag, die die Ölpreise merklich gedrückt hätten. Die Vorräte an Rohöl in den USA waren in der abgelaufenen Woche nicht so stark gefallen wie von Experten erwartet. Gleichwohl verwiesen Analysten auf das nach wie vor geringe Niveau der Rohölvorräte. Ein Ende der Rekordjagd der Ölpreise in Richtung 100 Dollar sei auch aufgrund eines anhaltend schwachen Dollars nicht wahrscheinlich. Eine schwache US-Währung verbilligt die in Dollar gehandelten Rohstoffe, was die Nachfrage nach Ölprodukten stützt und mithin die Preise hoch hält.

DIW erwartet Preisanstieg bei Superbenzin auf über 1,50 Euro

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet mit weiter steigenden Benzinpreisen. Bei Superbenzin sei in den nächsten Wochen mit einem Anstieg auf über 1,50 Euro je Liter zu rechnen, sagte die Energieexpertin des Instituts, Claudia Kemfert, der "Bild"-Zeitung (Donnerstag). Auch für Dieselkraftstoff erwarte sie neue Rekordstände. "Der Dieselpreis wird in den nächsten Wochen bis auf 1,40 Euro pro Liter steigen", sagte Kemfert. Sollte der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verlieren, sei ein noch deutlicherer Anstieg zu erwarten. Nach DIW-Berechnungen könnte das Preisplus bis zu 40 Cent pro Liter betragen. "Bei einem Eurokurs von 1,20 Dollar würde der Liter Diesel 1,75 Euro kosten, der Liter Super 1,87 Euro", sagte Kemfert.

Fundamentaldaten sprechen für Normalisierung

Die Fundamentaldaten am Rohölmarkt sprechen nach Einschätzung der Dekabank für eine Normalisierung am Ölmarkt. "Als Rohölanalystin wird man das Gefühl nicht los, dass die Märkte die 100 Dollar beim WTI-Ölpreis herbeireden wollen", schreibt die Dekabank- Analytin Dora Borbély in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. "Dabei sind die Nachrichten von der fundamentalen Seite am Ölmarkt nicht so schlecht."

So hätten die US-Rohöllagerbestände in der vergangenen Woche mit einer leicht positiven Überraschung aufgewartet, schreibt die Expertin. Die Rohölvorräte seien mit 0,8 Mill. Barrel schwächer als erwartet abgebaut worden. Die für die Jahreszeit wichtigen Heizöl- und Dieselvorräte verzeichneten ein leichtes Plus von 0,1 Mill. Barrel und befinden sich laut Borbély auf einem immer noch hohen Niveau. Die Vorhersagen für den Winter in den USA stimmten zudem optimistisch, da ein überdurchschnittlich warmer Winter erwartet werde.

Zudem habe sich die Opec-Produktion im Oktober den fünften Monat in Folge erhöht, schreibt die Expertin. Ab November greife zudem die offizielle Förderquotenerhöhung um 0,5 Mill. Barrel täglich. Der spekulative Einfluss am Ölmarkt nehme zwar zu, aber nicht in einem Ausmaß, der die starken Ölpreisanstiege auch nur ansatzweise erklären könnte.

Die Benzinpreise haben die starken Ölpreisanstiege der vergangenen Wochen weder in Deutschland noch in den USA komplett nachvollzogen, schreibt Borbély. Wir rechnen zwar mit einer bevorstehenden kräftigen Abwärtskorrektur des Rohölpreises, kurzfristig sei jedoch bei den Benzinpreisen noch Platz nach oben.

Opec-Öl erstmals deutlich über 90-Dollar-Marke

Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder hat am Mittwoch erstmals die Marke von 90 Dollar deutlich übersprungen. Wie das Opec-Sekretariat am Donnerstag mitteilte, kostete ein Barrel (159 Liter) aus den Fördergebieten der zwölf Länder im Durchschnitt 90,71 $ im Vergleich zu 89,13 Dollar am Dienstag. Nach Angaben von OpecAnalysten in Wien gibt es bisher keinerlei Anzeichen, dass das Öl-Kartell eine Erhöhung seiner Förderquoten über die beschlossene Steigerung um 500 000 Barrel hinaus plant. Die Opec-Führung geht davon aus, dass ein beträchtlicher Teil der jüngsten Preissteigerungen bei Öl auf das Konto von Spekulanten geht.

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