Rohstoffhändler
Hoffen auf den Mangel

Über die Wirkung der Öl-Förderkürzung wird gestritten. Klar ist nur: Sie hat im den ersten drei Monaten des Jahres für stabile Preise gesorgt. Das sind schlechte Nachrichten für Händler, die von Schwankungen profitieren.
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LausanneWie viel schwieriger die Geschäfte durch die stabilen Preise tatsächlich sind, dazu möchte sich keiner der Ölhändler genau äußern. Allenfalls generelle Erklärungen waren auf dem Branchentreffen „Commodities Summit“ der Zeitung Financial Times im Schweizerischen Lausanne zu hören. Der Chef-Rohstoffstratege von BPs Handelsgeschäft, James Foster, spricht von einem „flauen Markt“, in dem es „nicht viele Optionen gebe“. Russel Hardy, Leiter des Handels bei Vitol in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika, wird etwas konkreter: „Wenn der Preis weniger schwankt, fällt es uns schwerer, Profite zu machen.“

Doch die Händler haben einen Hoffnungsschimmer: Aufgrund der anhaltend niedrigen Ölpreise halten sich die großen Ölproduzenten derzeit mit Investitionen in neue große Langfristprojekte zurück. Bis 2022 könnte das zu einem Angebotsengpasse führen, warnte die Internationale Energieagentur (IEA) Anfang März in ihrem mittelfristigen Marktausblick „Oil 2017“. Demzufolge sind die jährlichen Investitionsausgaben der Ölproduzenten von knapp 800 Milliarden Dollar im Jahr 2014 auf nur noch 433 Milliarden Dollar 2016 gefallen.

Da die Ölmultis in ihren Budgets auch in diesem Jahr mit weiteren Investitionskürzungen planen, wächst die Sorge vor einem mittelfristigen Engpass. Mike Muller, der Vizepräsident des Ölhandelsgeschäfts bei Shell, erklärt, dass all die Tiefseeprojekte, die heute auf den Markt kommen, bereits vor acht bis zehn Jahren angeschoben wurden, als der Ölpreis noch um die 100 Dollar lag. „Während jeder der großen Ölkonzerne damals noch ein bis zwei Projekte jährlich neu startete, lässt sich die Zahl über die gesamte Branche heute an einer Hand abzählen“, sagt Muller. Einen ähnlichen Zustand habe er in seinen dreißig Jahren in der Branche noch nicht erlebt, blickt der Fondsmanager Shawn Reynolds von VanEck ernüchtert auf die mangelnde Investitionsfreudigkeit der Unternehmen.

Selbst wenn die Multis heute in konventionelle Großprojekte investieren würden, kämen sie kaum rechtzeitig, um den möglichen Engpass abzuwenden. Während die flexiblen, vor allem US-amerikanischen Schieferölunternehmen nur wenige Monate von der Erschließung bis zur Ausbeutung eines neuen Ölbohrlochs benötigen, kann sich dieser Prozess bei Ölbohrplattformen auf den Ozeanen zwischen fünf und zehn Jahren hinziehen.

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Viel Einsatz, wenig Gewinn

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