Rohstoffmärkte
China treibt den Kupferpreis von allen Seiten in die Höhe

Der chinesische Händler Liu Qibing bewegt die Märkte. Seine Fehlspekulationen haben Kupfer so teuer wie nie zuvor werden lassen. Die Notierungen sind erstmals über die Rekordmarke von zwei Dollar je Pfund gestiegen. Vor zwei Jahren noch kostete das Metall weniger als 80 Cent.

SANTIAGO. Und die verzweifelten Gegenmaßnahmen Chinas werden skeptisch gesehen. Bei der staatlichen Kupferkommission Chiles – das Land ist der wichtigste Kupferproduzent weltweit – heißt es, der Preis dürfte in den nächsten Wochen hoch bleiben – zumindest bis zum Abrechnungstermin der Liu’schen Leerverkäufe am 21. Dezember. „Erst wenn die 200 000 Tonnen Kupfer wirklich vor Weihnachten in die asiatischen Lager der Londoner Metallbörse eingeliefert werden, wird der Preis sinken können“, heißt es in Santiago.

Der mit Abstand größte Kupferkonzern der Welt, der chilenische Staatsbetrieb Codelco, rechnet allerdings damit, dass der Kupferpreis bald nachgeben könnte. Wegen der seit zwei Jahren anhaltend hohen Notierungen seien weltweit wieder Minen aktiviert oder erweitert worden. Diese zusätzliche Produktion werde ab Mitte nächsten Jahres preissenkend wirken. Diese Schwächungstendenzen durch das kurzfristig aktivierte Kupferangebot waren ursprünglich schon für Ende dieses Jahres prognostiziert worden – ein Fehleinschätzung, welche vor allem China jetzt teuer bezahlen muss. Denn entgegen aller Erwartungen hatten dieses Jahr fast alle Großproduzenten Probleme mit der Produktion, etwa durch Streiks oder Erdbeben. Ein Durchschnittspreis zwischen 1,30 bis 1,50 Dollar das Pfund für 2006 sei realistisch, heißt es bei Codelco. Aber Preise unter einem Dollar, die werde es nicht mehr geben, denn das Angebot sei mittel- bis langfristig zu gering. Fast alle Produzenten haben die langfristigen Preise von 0,85 auf über ein Dollar das Pfund angehoben.

Die Konzerne brauchen lange, bis sie von einem stabil hohen Preis überzeugt sind. Sie zögern daher, gigantische Investitionen in Gang zu setzen mit dem Risiko, dass die Konkurrenz das auch macht und der Angebotsüberhang zu einem Preiskollaps führt.

Inzwischen haben jedoch die größten Betreiber von Kupferminen wie Coldelco, BHP Billiton und Phelps Dodge neue Projekte angekündigt. Weil Kupferminen jedoch einen langen Vorlauf haben, bis die erste Tonne Konzentrat gefördert werden kann, kommt diese zusätzliche Produktion aber frühestens in vier Jahren auf den Markt.

Auslöser für den Anstieg des Kupferpreises seit zwei Jahren ist vor allem die Nachfrage Chinas: Denn in der Europäischen Union, Japan und den USA, die traditionell gemeinsam rund 80 Prozent des weltweiten Kupferverbrauchs stemmten, ist der Konsum in den letzten zehn Jahren stabil geblieben. China dagegen braucht das Metall für den Ausbau seiner Infrastruktur und Industrie, baut gleichzeitig im rasanten Tempo eine eigene Hüttenindustrie auf und importiert dafür Konzentrat. Während der Kupferverbrauch in den letzten fünf Jahren weltweit um 2,6 Prozent stieg, wuchs Chinas Nachfrage um 15 Prozent jährlich. Doch die konjunkturelle Erholung Japans und auch Teilen Europas werde zu einer zusätzlichen Nachfrage führen, erwartet die chilenische Kupferkommission.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%