Sorgen vor Verknappung
Spekulation treibt Platinpreis

Nach einer fulminanten Rekordjagd hat sich die Lage am Platinmarkt wieder etwas beruhigt. Spekulationen über die Markteinführung eines neuen Platin-Fonds (ETF) hatten den Preis des Edelmetalls in der vergangenen Woche mit rasantem Tempo bis auf ein Rekordhoch von rund 1 400 Dollar je Feinunze getrieben.

KAPSTADT. Ebenso schnell ging es dann wieder bergab: Gestern notierte Platin bei 1 180 Dollar – und damit nur knapp 20 Dollar über dem Stand der Vorwoche. Mittel- bis langfristig rechnen Experten allerdings mit weiteren Aufschlägen.

Im Vergleich mit der Preisentwicklung anderer Metalle und mit Blick auf die Wachstumsaussichten sehen Analysten zurzeit bei Platin kaum negative Faktoren. „Wir können uns auf absehbare Zeit durchaus einen Preisschub auf 1 650 oder 1 700 Dollar je Feinunze vorstellen“, sagt daher der in London ansässige technische Analyst Robin Wilkin von JP Morgan. Auch Merrill Lynch hat kürzlich in einer Forschungsstudie die Ausnahmestellung des Platinsektors unter den Rohstoffsparten herausgehoben. Feste Unterstützung findet Platin aktuell bei 1 200 Dollar. Seit dem Tief bei 433 Dollar im September 2001 hat sich sein Preis fast verdreifacht. Allein 2006 hat sich Platin um rund 20 Prozent verteuert.

Einen zusätzlichen Schub könnte die Ausgabe eines Exchange-Traded Fund (ETF) bei Platin bringen. Denn ein solcher börsennotierter Platin-Fonds würde zusätzliches Kaufinteresse bedeuten. Dies erklärt auch die plötzlichen Preissprünge in der vergangenen Woche. Ein ETF kauft und lagert das erworbene Metall, was es Investoren ermöglicht, in dem jeweiligen Rohstoff zu handeln, ohne ihn physisch zu besitzen. ETFs gibt es bereits seit einiger Zeit im Gold- und Silbersektor. Dort sind diese Anlageinstrumente vor allem bei US-Investoren auf große Resonanz gestoßen und haben zum Preisanstieg der Edelmetalle beigetragen.

Anders als bei Gold und Silber gibt es jedoch bei Platin Verknappungsbefürchtungen. „Sollte es zur Ausgabe eines Platin ETF kommen, könnte dies den Preis zwischen fünf und 15 Prozent steigen lassen“, glaubt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach vom Edelmetallverarbeiter Heräus in Hanau. Es gebe einfach nicht ausreichend Platin; erheblich leichter sei es, an Gold heranzukommen. Ähnlich sieht dies der Schweizer Fondsmanager Bernard Loriol, Managing Partner von Best Asset Class (BAC): Platin sei zwanzigmal seltener als Gold. Die bisher geförderten Unzen reichten gerade, um ein Olympia-Schwimmbecken zu füllen. Gleichzeitig habe die Weltnachfrage nach Platin seit 1983 um jährlich 5,5 Prozent zugenommen, sagt Loriol. Dies habe zur Folge, dass das Angebot nur knapp ausreiche, um den steigenden Bedarf zu decken.

Auch die beiden weltgrößten Platinproduzenten, Anglo Platinum und Impala Platinum aus Südafrika, haben sich bereits wenig begeistert über die mögliche Ausgabe eines Platin-ETF geäußert. Dagegen stehe zum einen die geringe Liquidität des Platinmarkts, zum anderen die Sorge, die Ausgabe eines ETF könne zu einer Überhitzung des sehr engen Marktes beitragen. Obwohl Platin sich derzeit großer Beliebtheit erfreut, treibt einige Produzenten offenbar die Sorge, das Metall könnte am Ende – bei allzu kühnen Preissprüngen – ähnlich spektakulär abstürzen wie zuvor sein Schwestermetall Palladium. Dessen Preis war vor fünf Jahren binnen kurzer Zeit von 150 Dollar auf über 1 000 Dollar pro Unze explodiert und wenig später total eingebrochen – ein Absturz, von dem es sich nie richtig erholt hat.

Ein Indiz dafür, dass die Sorge vor einem überzogenen Preisanstieg nicht unbegründet ist, findet sich in den hohen spekulativen Zukäufen am Platinmarkt in der letzten Woche. Neben Gerüchten über die Lancierung eines Platin-ETF wurden diese Käufe auch von der Sorge vor einem leichten Angebotsdefizit angefacht. Angesichts der in diesem Jahr um rund fünf Prozent gestiegenen Nachfrage rechnet der britische Edelmetallverarbeiter Johnson Matthey (JM) für 2006 mit einem Defizit von rund 20 000 Unzen. Damit ist die Lücke am Markt jedoch nur halb so groß wie noch im vergangenen Jahr.

Verantwortlich für das kleinere Defizit ist vor allem der Ausbau der südafrikanischen Minen, deren Produktion dieses Jahr um etwa 300 000 Unzen gestiegen ist. Südafrika, das inzwischen fast 80 Prozent allen Platins fördert, dürfte auch 2007 die höhere Nachfrage mit einem Produktionsausbau seiner Minen kompensieren. Johnson Matthey hat in seinem jüngsten Bericht zum Platinmarkt zur Monatsmitte jedenfalls prophezeit, dass Angebot und Nachfrage in diesem und dem nächsten Jahr zwar auf ein neues Rekordniveau steigen würden, aber der Markt sich insgesamt die Waage halten werde.

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