Spritpreise
Autofahrer wollen vom Gas gehen

Die Politik regt sich über streigende Benzinpreise aus. Eine diskutierte Erhöhung der Pendlerpauschale würde die Preissteigerung aber nicht wettmachen. Das Kartellamt kündigt derweil eine Untersuchung an.
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BerlinViele Bürger in Deutschland suchen wegen der Rekordpreise an den Tankstellen verstärkt nach Alternativen zum eigenen Auto. Anbieter von Mitfahrgelegenheiten verzeichnen eigenen Angaben zufolge ein Plus von bis zu 25 Prozent seit Dezember, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

2011 gab es zudem mit 10,9 Milliarden so viele Fahrten wie nie zuvor bei Bussen und Bahnen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Allerdings muss dies nicht primär mit den seit Monaten hohen Spritpreisen zusammenhängen, sondern sei auch besseren Angeboten und einem schnelleren Fortkommen in Großstädten geschuldet, betonen Verkehrsexperten. Jeder Bürger ist damit im vergangenen Jahr im Schnitt 134 mal mit Bussen und Bahnen unterwegs gewesen.

Wegen der Rekordstände an den Zapfsäulen achten inzwischen zwei Drittel der Autofahrer auf einen möglichst spritsparenden Fahrstil, wie aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ hervorgeht. Vier von zehn Befragten erklärten zudem, derzeit auch öfter das Auto stehen zu lassen. 28 Prozent steigen demnach aufs Rad um oder nutzen stärker als bislang Bus und Bahn (15 Prozent).

Das Bundeskartellamt hat eine Untersuchung der Benzin-Branche eingeleitet, berichtet die Frankfurt Allgemeine Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe. Dabei soll vor allem den Verkaufspreisen nachgegangenen werden, die Ölkonzerne von den Tankstellen für Treibstoff verlangen. Die Bonner Wettbewerbsbehörde gehe Hinweisen nach, dass die großen Lieferanten an bestimmten Tankstellen deb Sprit systematisch unter Einstandspreis verkauft haben, um unabhängige Anbieter auszubooten.

Unterdessen bekommen in der schwarz-gelben Koalition die Befürworter einer höheren Pendlerpauschale durch eine aktuelle Studie des Bundestags Auftrieb. Demnach müsste die Pauschale heute bei 74 statt bei 30 Cent liegen, um eine Entlastung wie noch 1991 zu erreichen. Als Grundlage diente ein Arbeitsweg von 17 Kilometern.

Die Berechnung des Wissenschaftlichen Dienstes wurde im Auftrag der Linken-Fraktion erstellt. Vor 20 Jahren konnten die Bürger mit der von der Steuer abzusetzenden Pauschale noch 61 Prozent der Fahrtkosten zurückbekommen, 2004 waren es nur noch 40 Prozent. Um zumindest die gleiche Entlastungswirkung bei den Fahrtkosten wie 2004 zu erreichen, müsste die Pendlerpauschale eigentlich bei 49 Cent liegen, heißt es in der Expertise.

Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) trotz der derzeit höchsten Benzinpreise aller Zeiten die seit 2004 geltende Pauschale von 30 Cent nicht anheben will, ist Wirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) dafür. Auch CDU-Vize Norbert Röttgen, der sich in Nordrhein-Westfalen im Wahlkampf befindet, kann sich eine Anhebung vorstellen, auch aus der CSU wächst der Druck hierfür. Den Staat kostete die Pendlerpauschale im vergangenen Jahr 4,4 Milliarden Euro. Eine Erhöhung um zehn Cent dürfte mindestens weitere 1,5 Milliarden Euro kosten. Sie wird unabhängig vom Verkehrsmittel gezahlt.

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  • ...wie wäre es da mal mit einem Panzer als Dienstwagen?

    ...mit dem könnte man dann vielleicht noch Off-Road durch Vorgärten fahren... ...freie Fahrt für freie Bürger...

  • "2. Dienstwagen sollten nur bis zu einem Anschaffungspreis von 30.000 Euro bzw den entsprechenden Leasingraten steuerlich geltend gemacht werden dürfen." ... Das ist ja wohl ein Witz. Wer einen größeren Dienstwagen hat, hat dies für gewöhnlich, weil er lange Strecken und dies häufig fährt. Hier ist ein sicheres Auto angebracht, welches a) sämtliche zur Verfügung stehenden Sicherheitssysteme haben sollte, b) möglichst komfortabel sein sollte und c) genau Leistungsreserven, um auch in schwierign Sitatutionen gut reagieren zu können. Ein solches Auto liegt heutzutage eher bei 60.000 € als bei 30.000 €. Der geldwerte Vorteil bei solche einem Auto liegt schnell größer 500 €. Allein schon bei diesem BEtrag sind das bei einem Privatanteil von 10.000 km pro Jahr 0,60 € pro km. Der geldwerte Vorteil bezieht sich ja schließlich auf den privaten Nutzen!!! Für den Preis kann sich locker eine zwei drei Jahre S-Klasse z.B. 500er privat kaufen und der Kilometerpreis wäre der gleiche. Also, Argumentation mit 30.000 € absoluter Schwachsinn! Würde so etwas eingeführt wäre vermutlich das Resultat, dass die Dienstwagen reine Dienstwagen wären und privat quasi nicht genutzt würden! Dies würde wiederum letzlich nur der Automobilindustrie und damit dem Standort Deutschland starten ... ??? War das Ihr Ziel oder ist es nur der Neid auf diejenigen, die beruflich auf ein hochwertiges Auto angewiesen sind und ein Golf hier halt nicht zweckmäßig ist ... ;-)

  • Ein großer Teil der Oberklassefahrzeuge sind Dienstwagen.
    Die 1%-Regelung zur Besteuerung eines Dienstwagens führt zu einer zu geringen Besteuerung des Geldwertevorteils.
    1. Die Besteuerung muss sich an den tatsächlichen Kosten orientieren.
    2. Dienstwagen sollten nur bis zu einem Anschaffungspreis von 30.000 Euro bzw den entsprechenden Leasingraten steuerlich geltend gemacht werden dürfen. Darüber hinausgehende Beträge sind der privaten Lebensführung zuzurechnenund stellen keine Betreinsausgabe bzw. betriebliche Notwendigkeit dar.

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