Starker Euro
Draghi muss liefern

Mario Draghi will den Euro drücken. Kann er das überhaupt? Die schärfste Waffe wird nicht zum Einsatz kommen. Die anderen Instrumente dürften wenig bewirken. Umso größer könnte die Enttäuschung sein.
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DüsseldorfDie Währungshüter haben ganze Arbeit geleistet: Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, und seine Kollegen haben in den vergangenen Tagen mehr als deutlich gemacht, dass ihnen der Euro zu stark ist. Die Botschaft ist an den Märkten angekommen. Inzwischen zweifelt kaum noch jemand daran, dass die Notenbank den Wechselkurs drücken wird.

Doch darin liegt genau das Problem: Draghi wird seine Versprechen nicht einlösen können. Die Instrumente, die dazu in Frage kommen, werden wenig bewirken. Und seine schärfste Waffe darf Draghi nicht nutzen. Umso größer könnte die Enttäuschung sein.

Auf der Pressekonferenz nach der jüngsten EZB-Ratssitzung wurde Draghi sehr deutlich: Der starke Euro sei verantwortlich für die „bedrückend niedrige“ Inflation. Das Problem: Ein starker Euro gepaart mit sinkenden Preisen gefährdet die Erholung der Euro-Krisenländer. Im schlimmsten Fall führt der Weg zurück in die Rezession. Es droht eine Dauerkrise wie sie Japan seit Jahren durchlebt. Damit es nicht so weit kommt, will die EZB schon bald aktiv werden. Die Notenbank „fühle sich wohl damit, beim nächsten Mal zu handeln“, so Draghi. Beim nächsten Mal heißt konkret: Wenn die nächste Zinsentscheidung ansteht, also am 5. Juni.

Als wären Draghis Aussagen noch nicht klar genug gewesen, meldeten sich in den nächsten Tagen weitere führende Köpfe der EZB zu Wort. So erklärte etwa der Luxemburger Yves Mersch, man arbeite an einer breiten Palette von Instrumenten, „die sogar die blühende Fantasie von Journalisten und Analysten übertreffen könnten“.

Damit war die Fantasie erst recht angeregt, oder besser gesagt: eine gewisse Erwartungshaltung geweckt. Immer häufiger hört man von den Akteuren am Finanzmarkt den Satz: „Draghi muss liefern.“ Nach einer aktuellen Umfrage des Datenanbieters Bloomberg rechnen 47 von 52 befragten Experten damit, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung eine Lockerung der Geldpolitik beschließen wird.

Auch bei den Spekulanten ist die Stimmung seit der vergangenen Woche gekippt. Die Wetten auf einen steigenden Euro haben sich innerhalb kurzer Zeit aufgelöst, stattdessen setzen Investoren jetzt mehrheitlich auf einen fallenden Euro. Das lässt sich an den sogenannten Netto-Long-Positionen an den Terminmärkten ablesen. Zuletzt gab es einen so deutlichen Stimmungsumschwung im November 2013 als Reaktion auf die letzte Zinssenkung.

Dass es eigentlich nicht im Auftrag der Europäischen Zentralbank liegt, eine aktive Wechselkurspolitik zu betreiben, scheint nur noch ein paar Vertreter der reinen Lehre zu interessieren.

Kommentare zu " Starker Euro: Draghi muss liefern"

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  • Das Problem Europas ist der Beschluß von 1988, seine Länder über eine Einheitswährung zusammen zu schweißen: Größtes Währungsabenteuer aller Zeiten, wie Giscard d´Estaing oder Jaques Chirac mit düsterer Ahnung sagte und wie man heute sieht, hat sie ihn nicht getrogen. Weil es sich für jeden logisch denkenden Menschen eben zusammenreimt, daß eine Währung in einem Wirtschaftsraum mit unterschiedlichen Kosten-, Finanz- und Sozialstrukturen und der festen Absicht, sie auch nicht anzugleichen, nicht gut bekommen kann. Der Euro hat außer einer kleinen Finanzclique, an erster Stelle Goldman Sachs und der Deutschen Bank(HB, niemandem Wohlstand gebracht, wie man sich ohne viel Mühe klar machen kann, oder die Weltbank befragt,nach der Europa in den letzten 10 Jahren in der Wohlstandsstatistik auf den 17.Platz „abgesackt“ ist. Es betrifft also nicht nur die mediterranen Staaten, die es besonders schlimm erwischt hat, sondern auch die mitteleuropäischen Staaten. Angefangen nach dem Ende von Jaques Delors Erprobungsphase, etwa 2005, haben sich die Staaten auf ein „Wachstum“ auf Pump eingerichtet und ihre Politiker haben großzügig Geschenke an ihre Klientel verteilt, bis auf Deutschland, daß ab 2003 mit der Agenda 2010 seinen Leuten einen Sparkurs aufgedrückt hat. Die Lohnstückkosten im Währungsgebiet sind von 2000 bis 2013 in den südlichen Ländern und Frankreich um 30-40%, in Deutschland um 10% gestiegen, also real gesunken. Und was haben wir jetzt? Eine Depression zeichnet sich aus durch sinkende BIP und steigende Arbeitslosigkeit, steigen jetzt auch noch die Preise, dann nennt man das Stagflation. Und eines steigt mit absoluter Sicherheit: Die Schulden, dafür sorgt dann Draghi mit seinen "Flutungen" – künftige Generationen werden uns dankbar sein für diese Hinterlassenschaft.So,und vom totalen Verlust anständiger demokratischer Umgangsformen wäre noch viel zu sagen, dafür reicht der Raum hier aber nicht mehr - Wer könnte denn noch so ein Europa wollen? Ein poitischer Sadist?

  • Eine noch expansivere Geldpolitik der EZB wird nichts ändern am Verhältnis der Preise zwischen den Mitgliedsländern. Was nützt es denn Waren und Dienstleistungen anzubieten, wenn trotz vorhandener Liquidität diese beim Nachbarn gekauft werden?

  • Manche Kommentare sind schon kurzsichtig.
    Differenzieren wir lieber zwischen Wissen und Un- bzw. Halbwissen, welches noch schlimmer ist.
    Das macht nämlich letztendlich den Unterschied zwischen Sklave und Freiem aus.
    Der Sklave denkt bloß er besitzt etwas, der Freie hat echten Besitz.

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