Südafrikanischer Rand
Höchst riskante Anlagen

Viele Anleger suchen in Schwellenländern nach attraktiven Renditen. In den letzten zwölf Monaten hat auch der südafrikanische Rand massiv von Investorengeldern profitiert. Da aber die Wirtschaft unter der Aufwertung der Währung leidet, will die Regierung nun gegensteuern.
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KAPSTADT. Der jüngste Anlagetrend hat dem südafrikanischen Anleihemarkt in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits einen Rekordzufluss von fast 80 Mrd. Rand (8,5 Mrd. Euro) beschert.

Allerdings sind Anlagen in Rand gerade wegen der starken Aufwertung inzwischen riskant. Die Luft für weitere Gewinne wird zunehmend dünner. Kaum eine andere Währung zeigte sich in den letzten Jahren zudem derart sprunghaft wie der Rand, den die Südafrikaner deshalb auch gerne den „random“ (englisch für „willkürlich“) nennen. Lag der Wechselkurs auf dem Höhepunkt der Lehman-Krise vor zwei Jahren zeitweise bei 14 Rand pro Euro, erhalten Anleger für einen Euro derzeit nur noch 9,5 Rand – eine Aufwertung der südafrikanischen Lokalwährung um rund 30 Prozent. Allerdings gilt der Rand nach Ansicht vieler Beobachter wie etwa Colin Garrow von der Investmentbank Brait inzwischen als stark überbewertet – und könnte bei einer Abkühlung der Weltwirtschaft entsprechend schnell wieder absacken.

Erschwerend kommt hinzu, dass Südafrika zunehmend unter der Aufwertung des Rands leidet – und dieser Entwicklung entgegensteuert. Allerdings hat Finanzminister Pravin Gordhan wiederholt davor gewarnt, den Rand, wie etwa von den Gewerkschaften gefordert, mit einer Sondersteuer auf Kapitalzuflüsse zu manipulieren und damit die Wettbewerbsnachteile des Landes auszugleichen.

Gordhan hat nun einen Mittelweg eingeschlagen: Er lockerte die aus der Apartheidzeit verbliebenen Kapitalexportkontrollen und stellte darüberhinaus eine weitere Aufstockung der Gold- und Devisenreserven des Landes in Aussicht. Die Zentralbank hat damit bereits begonnen. Die Stärke des Rands in diesem Jahr hat auch den Druck auf die Zentralbank verstärkt, den Leitzins weiter zu senken, was sie zuletzt in der vergangenen Woche tat. Dennoch dürfte die Zentralbank populistischen Forderungen nach einer weiteren Senkung künftig schon deshalb nicht nachkommen, weil dadurch nach Ansicht von Nedbank-Analyst Nicky Weimar die Sorge vor einem drastischen Einbruch des Rands immer wahrscheinlicher wird. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit, als der Rand mehrfach drastisch abstürzte, verheißen jedenfalls nichts Gutes – und Anleger täten gut daran, diese Lehren nicht zu vergessen.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent

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