Syrien
Investoren fürchten den Krieg

Der Militärschlag gegen Syrien steht offenbar unmittelbar bevor. Sollte der Konflikt eskalieren, könnte dies die Erholung der Weltwirtschaft gefährden. Der Ölpreis zieht kräftig an. Investoren und Ökonomen sind besorgt.
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DüsseldorfDer drohende Militärschlag gegen Syrien beunruhigt Ökonomen und Investoren. Sollte der Konflikt eskalieren, könnte dies die Erholung der Weltwirtschaft und die Versorgung mit Öl gefährden.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, erwartet zwar nicht, dass die Krise in Syrien unmittelbare Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur haben wird. „Dafür ist die syrische Wirtschaft einfach zu klein“, sagte er am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Falls sich der Konflikt allerdings auf den gesamten Nahen Osten ausbreite, seien negative Effekte möglich, wie etwa steigende Öl- und Gaspreise.

Der Ölpreis ist seit Anfang der Woche bereits kräftig gestiegen. Der Preis für die in New York gehandelte Sorte „Light Sweet Crude“ stieg am Mittwoch um rund 1,50 Dollar auf 110,50 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die Nordseesorte Brent wurde zwischenzeitlich für 117,42 Dollar pro Barrel gehandelt – das waren rund sieben Dollar mehr als noch zu Beginn der Woche.

Bei einem Flächenbrand im Nahen Osten halten die Analysten der französischen Bank Société Générale einen Ölpreisanstieg bis auf den Rekordwert von 150 Dollar für möglich. "Wir glauben, dass in den nächsten Tagen der Preis für Nordseeöl um weitere fünf bis zehn Dollar auf 120 bis 125 Dollar je Barrel steigen kann - entweder in der Annahme eines bevorstehenden Angriffs oder in Reaktion auf Schlagzeilen, wonach der Angriff begonnen hat", erklärte Analyst Michael Wittner. Sollte der Krieg sich auf Ölproduzenten wie den Irak ausweiten oder es zu Nachschub-Engpässen kommen, könnte der Preis bis auf 150 Dollar schnellen. Allerdings wären solche Preisbewegungen eher von kurzer Dauer.

Syrien ist zwar kein großer Ölproduzent. Die Förderanlangen stehen weitgehend still, seit die Europäische Union (EU) vor zwei Jahren ein Embargo verhängt hat. Ein Militäreinsatz in Syrien könnte jedoch die Nachbarländer destabilisieren und den Transport des Rohstoffs stören. In der Region werden 35 Prozent des weltweit produzierten Öls gefördert. Analysten sehen besonders Pipelines durch Angriffe gefährdet.
Vieles deutet darauf hin, dass ein Militäreinsatz mehrerer Staaten gegen Syrien unmittelbar bevorsteht. Es gebe keinen Zweifel daran, dass Damaskus chemische Waffen eingesetzt habe, sagte US-Vizepräsident Joe Biden. „Der Präsident denkt und ich denke, dass diejenigen, die chemische Waffen gegen wehrlose Männer, Frauen und Kinder einsetzen, dafür zur Rechenschaft gezogen werden sollten und müssen.“ US-Präsident Barack Obama telefonierte mit Staats- und Regierungschefs in Großbritannien, Australien, Kanada und Frankreich.

„Der globale Rohölmarkt bekommt aktuell wieder einmal vorgeführt, welche Auswirkungen politische Instabilität in der Region auf die Angebotsseite haben kann“, kommentierte Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. „Wir weisen schon seit einigen Monaten darauf hin, dass die geopolitischen Risiken vom Kapitalmarkt unterschätzt werden. Das wird sich nun durch den Syrienkonflikt schlagartig ändern.“

„Für sich betrachtet haben die Ereignisse in Syrien nur geringen Einfluss auf den Ölpreis“, schrieben die Analysten der ANZ Bank in einem Kommentar. Entscheidend sei die Furcht vor einem Übergreifen der Spannungen auf andere Staaten der Region. Die Analysten der Société Générale prophezeiten, der Brent-Preis könne im Falle weiterer Lieferengpässe bis auf 150 Dollar je Barrel steigen.

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  • Massenvernichtungswaffen sind nicht hinnehmbar. Die Frage ist, falls sie eingesetzt wurden, und es sieht ganz danach aus, wer sie eingesetzt hat. Dass irgendeine Bestrafungsaktion laufen muß, ist klar, oder will "die Welt" die Schultern zucken? Diplomatisches Gesäusel erscheint mir auch reichlich zynisch angesichts von Giftgas. Das Problem einer solchen Aktion ist, weil sie ja kein einziges problem in der Region löst, dass aus dem bisherigen Stellvertreterkrieg ein richtiger Flächenbrand in der Region entsteht (deshalb bastelt ja Iran auch so eifrig an seiner Atombombe). Das alles kann Israel überhaupt nicht recht sein. Wer durchschlägt den gordischen Knoten und hat eine zündende Idee? Warum entführt man nicht einfach Herrn Assad (Rußland soll sehr schön sein), um zu sehen, ob der Terror ohne ihn weiterläuft oder aber erlischt?

  • Es geht nicht um Syrien, sondern um den Iran.
    Wenn 100.000 Menschen durch Kugeln und Bomben umgebracht werden, schaut die Welt zu. Dagegen stehen 350 Menschen die durch Giftgas umgebracht worden sind. Was ist der Unterschied, denn getötet ist getötet. Der Verursacher für den Giftgasanschlag wird nicht feststellbar sein. Alle Beweise der Amerikaner wurden schon im Irak-Krieg verbraucht.
    Aber es kann der Auslöser für einen Angriff der Amerikaner und Israelis auf den Iran werden, was letztlich auch das Ziel ist. Dazu müssen sie in Sysrien nur die Iraner provozieren, um Gelegenheit zu bekommen, die Atomanlagen im Iran zu bombadieren.
    Deshalb lassen wir uns nicht blenden. Isreal und USA werden ihr Ziel erreichen.

    Bleiben Sie sicher und lassen sich nicht von verbaler amerikanischer Menschlichkeit blenden.

  • Banksterbasher schreibt :

    "Die Amis verteidigen wenigstens ihre Freiheit, ..."

    Wo ? In Syrien ? Oder im Kosovo ? Oder im Irak ?

    Ach ja, doch: Die Amerikaner nehmen sich die "Freiheit", sämtliche Erdöl- und Erdgasquellen der Welt unter ihre Kontrolle zu bringen und verteidigen diese dann auch ...

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