Trotz des Siegeszuges der Caféketten sinkt der Verbrauch in den Industrieländern - Rekordernte in Brasilien
Hohe Vorräte lasten auf dem Kaffeepreis

Wer Starbucks-Chef Howard Schultz zuhört, könnte glauben, die ganze Welt sei dem Kaffeedurst verfallen. Im Jahr 2005 will er bereits in 15 000 Lokalen weltweit seinen Kaffee servieren und die Zahl seiner Coffee-Shops damit mehr als verdoppeln. Auch die Konkurrenz ist rührig. Sie setzt insbesondere in Europa und Asien auf ein wachsendes Heer von Kaffeetrinkern.

LONDON. Doch Matthew Parry vom Londoner Marktanalyseinstitut Economist Intelligence Unit (EIU) bremst allzu großen Kaffee-Optimismus. „Trotz der stürmischen Expansion der großen Kaffeebar-Ketten – in Großbritannien um gar 30 % in den letzten drei Jahren – stagniert der weltweite Kaffeedurst“, schreibt Parry in seiner jüngsten Analyse des Welt-Rohkaffemarktes. Die Briten beispielsweise hätten 2002 weniger Kaffee getrunken als noch vor 30 Jahren.

In Deutschland verderbe die wirtschaftliche Lage manchem Kaffeefreund ebenfalls den Genuss. Der Verbrauch dürfte 2002/03 (per Ende März) um etwa 1 % abgenommen haben – trotz Preissenkungen in den Supermärkten.

Selbst in den USA – der Hochburg von Starbucks, des 32 Jahre alten Konzerns aus Seattle – ging der Kaffeeverbrauch 2001/02 erstmals seit Mitte der 90er-Jahre wieder zurück.

Weltweit wird der Kaffeekonsum laut EIU nach den schwachen Vorjahren im laufenden Wirtschaftsjahr 2003/04 um gerade einmal 0,7 % zunehmen. Der Verbrauchsrückgang in den großen Industriestaaten wird dabei allerdings von dem wachsenden Kaffeedurst in den neuen Märkten für Kaffee wie Japan, Russland und China abgemildert.

Derart reichlich ist der Weltmarkt derzeit mit Rohkaffee versorgt, dass sich die Spekulanten an den Terminmärkten in New York und London zu langweilen beginnen. An der New Yorker Kaffeebörse dümpelt der Preis für „Arabicas“ bereits seit Anfang 2002 um die 65 Cent je Pfund – mit nur geringfügigen Abweichungen.

Selbst im Juli und August, wenn die Preise in der Regel nach oben ausbrechen, weil Fröste die Ernte in Brasilien schädigen könnten, herrschte in New York das große Gähnen.

Das reichhaltige Angebot geht vor allem auf Brasilien zurück. Das lateinamerikanische Land hatte erst 2002/03 eine Rekordernte von von über 51 Mill. Sack (je 60 Kilogramm) eingefahren. Die exportfähige Menge betrug 28,5 Mill. Sack. Für 2003/04 rechnen Londoner Analysten mit einer durchschnittlicheren Ernte von etwa 40 Mill. Sack.

Mittlerweile lohnt sich der Kaffeeanbau in Ländern mit hohen Produktionskosten immer weniger. Das liegt an den seit Jahren auf dem nierigsten Niveau seit 30 Jahren verharrenden Rohkaffeepreisen. Die Lieferungen aus Mittelamerika nehmen bereits ab. Nicht einmal die vorzügliche Qualität ihrer „Milds“ schützt die Produzenten Kolumbiens und Boliviens vor dem Auszehrungsprozess.

Auf der anderen Seite des Qualitätsspektrums hat sich die Ernte in Vietnam, das seit drei Jahren der größte Anbieter von „Robustas“ ist, zuletzt zum Teil wetterbedingt um etwa ein Viertel auf nur noch knapp 11 Mill. Sack verringert. Eine Erholung der Weltmarktmarktpreise ergab sich daraus dennoch nicht. Denn Brasilien steigerte sein Angebot auf dem Weltmarkt um 40 bis 50 %.

Zwar rechnet die EIU jetzt für 2003/04 mit einen Rückgang der weltweit Exportangebots um 6 % auf 81,6 Mill. Sack. Wegen der hohen Vorräte in Höhe von fast 70 % der jährlichen Ernteaufkommens würde das jedoch kaum den Preisen helfen.

Denn schon jetzt lasse sich für 2004/05 eine neue Rekordernte Brasiliens von möglicherweise bis zu 60 Mill. Sack absehen, schätzt der US-Kaffeespezialist James Cordier. „Bis Sommer 2005 werden die Preise damit wohl um nochmals 15 bis 20 % fallen“, sagt die Londoner EIU voraus. EIU-Vertreter Parry fügt hinzu, „der Rückzug der Spekulanten aus den Märkten wird sich damit wohl noch beschleunigen“.

Wie die Internationale Kaffeeorganisation (ICO) errechnet hat, liegen die Kaffeepreise real, also bereinigt um die Geldentwertung, heute auf dem niedrigsten Stand seit 100 Jahren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%