Um fast zehn Dollar
Ölpreis bricht drastisch ein

Erleichterung am Ölmarkt: Die schwindenden Gefahren durch den Tropensturm "Gustav" für die Ölindustrie in den USA haben den Ölpreis am Dienstag im Vortagesvergleich um fast zehn Dollar auf den tiefsten Stand seit Mitte April fallen lassen. Einige Analysten warnen aber vor übertriebenen Marktreaktionen.

HB DÜSSELDORF. Nachdem der Wirbelsturm "Gustav" nicht so starken Schäden an den Ölförderplattformen anrichtete wie viele befürchtet hatten, verbilligte sich Öl der US-Sorte WTI um bis zu zehn Dollar und war damit so günstig wie seit Monaten nicht mehr. Auch ein Barrel (159 Liter) der Ölsorte Light Crude kostete mit knapp 106 Dollar im Vergleich zu Montagmorgen etwa zehn Dollar weniger und fiel allein seit Dienstagmorgen um etwa fünf Dollar je Barrel gefallen. Der Spotpreis für die Nordseesorte Brent gab bis zum Mittag auf 104,80 Dollar nach, nachdem er am Montag zeitweise noch deutlich über 114 Dollar notiert und bei 107,89 Dollar geschlossen hatte.

Nach Angaben des Gouverneurs von Louisiana, Bobby Jindal, kann ein Fünftel der Öl- und Gasproduktion im Golf von Mexiko bis zum Wochenende wieder anlaufen. Die gesamte Ölproduktion und 95 Prozent der Gasförderung waren vorsichtshalber eingestellt, die Besatzungen der rund 4 000 Förderanlagen im Golf evakuiert worden.

Der Ölmarkt hatte von Anfang an relativ gelassen reagiert, die Herabstufung des Hurrikans sorgte für weitere Entspannung. Zudem hatte die US-Regierung angekündigt, im Zweifelsfall die nationalen Ölreserven freizugeben. Bereits am Montag waren die Preise leicht gefallen.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern befindet sich der ganze Markt auf einem starken Entspannungskurs, den Gustav nicht weiter beeinträchtigen konnte. Noch in der vergangenen Woche lag der WTI-Preis zeitweise über 120 Dollar. Seit seinem Höhepunkt von 147 Dollar im Juli ist der Preis je Barrel bereits um 24 Prozent gesunken.

"Die Preisreaktion zeigt, wie angeschlagen die Marktstimmung ist", sagte Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Ohne "Gustav" hätte es am Montag wohl einen noch stärkeren Rückgang des Ölpreises gegeben. Dennoch zeigten sich einige Analysten über die gelassene Reaktion der Ölmärkte überrascht. "Es ist absurd, dass die Preise nicht reagieren", sagt Frank Schallenberger, Leiter des Rohstoff-Researchs der Landesbank Baden-Württemberg. "Der Markt unterschätzt die Entwicklung extrem", warnte er, zumal sich vor Kuba bereits der nächste Hurrikan zusammenbraue.

Sollte die Öl-Produktion bedingt durch weitere herannahende Hurrikans allerdings über einen längeren Zeitraum ruhen, erwarten Analysten einen Preisschub, weil die Raffinerien in Louisiana einen Großteil der US-Südstaaten mit Benzin und Diesel versorgen. Betroffen sind Anlagen von Exxon Mobil und Shell sowie das größte Raffinerie-Unternehmen in Nordamerika, Valero Energy. Die Sorge der Energiebranche gilt auch dem großen Ölhafen vor der Küste von Louisiana, der zehn Prozent aller US-Ölimporte abwickelt.

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