Unruhe auf dem Devisenmarkt
Griechenland gerettet, zerbröselt der Euro?

Kaum sprechen die Gläubiger und Griechenland wieder miteinander, stürzt der Euro ab. Verkommt er zur Weichwährung und erreicht bald die Parität zum US-Dollar? Der Fall der Gemeinschaftswährung hat wohl andere Gründe.
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DüsseldorfDie Gläubiger hatten gerade erst nach einer Marathonsitzung in Brüssel beschlossen, wieder mit der griechischen Regierung über ein drittes Rettungspaket zu verhandeln, da fiel die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar um fast vier Cent - von knapp 1,12 auf 1,08 US-Dollar. Auf diesem Niveau steht er auch aktuell.

Dieser schnelle Absturz wirft Fragen auf: Verkommt der Euro zur Weichwährung? Wird Europa nun zu einer Transferunion mit schwachem Wirtschaftswachstum aller Mitgliedsländer und einer Währung, die kontinuierlich schwächelt? Griechenland gerettet, Euro tot - dieser Eindruck drängt sich auf.

Bereits bevor der Streit mit Griechenland eskalierte und offen über einen Grexit, also den Abschied des Landes aus der Euro-Zone, geredet wurde, prognostizierten viele Experten einen Sinkflug des Euros. Experten wie der Chefökonom der US-Investmentbank Goldman Sachs, Jan Hatzius, rechneten bereits im April dieses Jahres fest damit, dass die Euro-Dollar-Parität noch 2015 erreicht wird. Auch Andrew Bosomworth, Ökonom bei der Allianz-Tochter Pimco, hielt im Juni einen Wechselkurs Euro/Dollar im Verhältnis 1:1 noch dieses Jahr für möglich.

Deren Begründung damals: Die Unterschiede in der Geldpolitik zwischen den USA und dem Euro-Raum stärkten den Greenback. Die US-Notenbank Fed dürfte bereits im September die Zinswende einläuten. Dagegen hält die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldschleusen weiter offen. Sie pumpt über das sogenannte Quantitative Easing (QE) monatlich rund 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte.

Auch Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, erwartet aktuell die Euro-Dollar-Parität bis zum Jahresende. Seine Begründung: „Ich rechne mit den ersten zwei Zinsschritten (der US-Notenbank) schon im September und Dezember“, schrieb er im Deutsche-Bank-Newsletter „Perspektiven am Morgen“. Die langfristigen Zinsen dürften seiner Meinung nach allerdings nicht mit nach oben gehen. Für ihn kein Wunder: Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg sei das nominale Wachstum bei einer Zinserhöhung der Fed so schwach gewesen.

Doch auch die Gegenseite, die auf eine Erholung der Gemeinschaftswährung setzt, hat gewichtige Gründe. „Für einen weiteren Kursrückgang gibt es kaum neue Argumente, daher dürfte sich der Euro-Dollar-Kurs mittelfristig wieder erholen“, meint beispielsweise Devisen-Experte Christian Apelt von der Helaba.

Schließlich preise der Devisenmarkt die Zinswende der Fed bereits seit einem Jahr ein. Und der Renditevorteil von zwei- beziehungsweise zehnjährigen US-Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen als Gradmesser für eine wachsende Zinsdifferenz habe sich kaum geändert. Der Helaba-Analyst erwartet sogar, dass die Gemeinschaftswährung in Richtung 1,20 Dollar ansteigen könnte.

Kommentare zu " Unruhe auf dem Devisenmarkt: Griechenland gerettet, zerbröselt der Euro?"

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  • Der Euro ist doch sowieso nur noch Banana-Money dank Draghi und der Bundesregierung.
    Und wir alle sind um unsere Ersparnisse und Renteneinzahlungen über Jahrzehnte betrogen, d.h. um unsere Lebensarbeit. Und der deutsche Michel buckelt und buckelt und buckelt....!

  • Alle Achtung....
    so einen langen Kommentar morgens zu schreiben schaffe nicht mal ich....Ihnen scheint das Thema sehr wichtig zu sein...Respekt

  • Abwertungsdynamik!
    -----------------------------
    Mit den bisherigen erfolglosen Programmen der EZB von STEP über LTRO,
    SMP, OMT, Target II, ABS, ELA und dem finalen 'QE' hat doch die EZB die
    Abwertungsdynamik der EUROsion eingeleitet, welches auf dem Niveau
    von Drachmen, Lira und Peseten landen wird. So werden wir gespannt
    sein, wann das eigentliche Schuldenmoratorium für die EZB eingelei-
    tet wird, denn mit einem endlosen Gelddrucken mußte schon 1923
    ein Albert Havenstein die Segel streichen,, wobei auch ein Mario Draghi
    keine Ausnahme machen dürfte, auch wenn er weiterhin versichern
    wird: 'whatever it takes', was bisher mit keinerlei Bilanzzahlen der EZB
    unterlegt werden konnte!

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