Unruhen in Libyen
„Der Ölpreis belastet die Weltkonjunktur“

In Libyen regiert die Gewalt. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Leon Leschus, Rohstoffexperte des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, was das für die weltweite Ölversorgung und für Deutschland bedeutet.
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FrankfurtHandelsblatt: Die Situation in Libyen droht zu eskalieren. Welchen Einfluss haben die Unruhen auf den Ölpreis?

Leon Leschus: Die Unruhen in Libyen haben eine andere Dimension als die Ereignisse in Ägypten. Bei Ägypten waren die Anleger besorgt, dass über eine Schließung des Suez-Kanals der Öltransport behindert werden könnte. Mit Libyen ist jedoch jetzt ein direktes Ölförderland der Opec betroffen.

Werden die Preise für Öl weiter steigen?

Das hängt sehr stark davon ab, wie sich die Situation im Nahen Osten weiterentwickeln wird. Falls Libyen als Ölexporteur vollständig ausfallen würde, ist zu erwarten, dass die Ölpreise weiter steigen. Jedoch gibt es auch noch andere Faktoren, die auf die weitere Preisentwicklung bei Öl Einfluss nehmen werden. So könnte die Opec die Märkte etwas beruhigen, indem sie ihre Ölförderung erhöht. Ihr nächstes reguläres Treffen ist erst im Juni. Jedoch kann es nicht in ihrem Interesse sein, dass ein zu hoher Ölpreis die weltweite Konjunkturentwicklung senkt, da sich dadurch die internationale Ölnachfrage reduzieren würde. Ein Ölpreis von über 100 Dollar pro Barrel wirkt sich jetzt schon belastend auf die Weltkonjunktur aus.

Welche Rolle spielt Libyen für die Ölversorgung der Welt?

Libyen fördert pro Tag 1,6 Millionen Barrel am Tag. Im Vergleich dazu werden weltweit pro Tag etwa 89 Millionen Barrel nachgefragt. Damit gehört Libyen nicht zu den Schwergewichten unter den Ölproduzenten.

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