Verflüssigung
Kohlekraftstoff ist konkurrenzfähig

Der hohe Ölpreis macht die Kohleverflüssigung rentabel. Ölarme Länder treiben die Entwicklung voran.

HB LONDON: Autofahrer und Wirtschaft leiden unter der Ölpreisexplosion der vergangenen Jahre. Die Kosten für den Transport von Kraftstoff - das betrifft derzeit vor allem USA und China - sind der wichtigste Nachfragetreiber im Energiesektor. Billigeres Öl ist wegen verbreiteter Kapazitätsengpässe und politischer Turbulenzen im Nahen und Mittleren Osten, Nigeria und Venezuela nicht in Sicht. Rund zwei Drittel ihres Ölbedarfs müssen die USA, Europa und Indien heute importieren, China knapp die Hälfte. Nur alternative Kraftstoffe könnten diese fatale Abhängigkeit vom schwarzen Gold verringern. Benzin aus nachwachsenden Rohstoffen ist bislang der größte Hoffnungsträger, doch auch Kohle wird als Ölalternative wiederentdeckt.

Ganz neu ist die Benzinherstellung aus Kohle nicht: Schon während des Zweiten Weltkriegs besann sich das mit Ölvorkommen nicht gesegnete Deutschland auf die heimische Kohle und stellte daraus Flüssigkraftstoffe her. Ähnlich verfuhr später das durch ein Wirtschaftsembargo an der Öleinfuhr gehinderte Apartheid-Regime in Südafrika. Noch heute stammt ein Drittel des von südafrikanischen Autofahrern getankten Kraftstoffs aus Kohle.

In vielen ölarmen Ländern wird die Entwicklung von Techniken zur Kohlenutzung vorangetrieben. In den USA etwa wurden in den vergangenen Monaten mehrere Fördergesetze verabschiedet. Das Pentagon will Flugzeugkraftstoff aus Kohle gewinnen und eine Gruppe von 16 südlichen US-Bundesstaaten strebt die Produktion von 5,6 Mill. Barrel Kohlekraftstoff täglich an. In China sind 15 Mrd. US-Dollar für den Aufbau von Kohleverflüssigungsanlagen bereitgestellt worden, dort werden mehr Anlagen geplant als in den USA.

Die Wiederentdeckung der Kohle ist überfällig. Die weltweiten Vorkommen übertreffen energetisch gesehen die Ölressourcen um das Zweieinhalbfache, und gerade einige der ernergiehungrigsten Länder verfügen über große Vorräte: Allein in den Böden der USA lagert mehr als ein Viertel des globalen Kohlebestandes; Russland, China und Indien verfügen jeweils über mehr als zehn Prozent.

Kraftstoff aus Kohle hat also Potenzial, zumal er billig ist. Der US-Kohlekonzern Peabody schätzt, dass Kohletreibstoff für 35 bis 40 US-Dollar pro Barrel herzustellen ist, andere Quellen halten Preise um 45 US-Dollar für realistisch. Verglichen mit dem um die 70-Dollar-Marke pro Barrel schwankenden Ölpreis ist das günstig. Kohlekraftstoff ist zudem sehr umweltfreundlich und ermöglicht im Vergleich zu Diesel eine deutliche Reduktion der Kohlenmonoxid-, Kohlenwasserstoff-, Feinstaub- und Stickstoffdioxidemissionen.

Die Kohleverflüssigung erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird aus Kohle und Sauerstoff synthetisches Gas erzeugt. Anschließend wird im so genannten Fischer-Tropsch-Verfahren mit Hilfe von Katalysatoren Synthesegas in flüssige Kohlewasserstoffe umgewandelt und in Leichtgase, Wachs sowie Wasser aufgespalten. Während das Wachs zur Herstellung von Kerzen und Verpackungen genutzt wird, können aus dem abgekühlten und mit Wasserstoff versetzten Leichtgas Benzin und andere leichte Petrochemikalien hergestellt werden.

Unternehmen, die an dieser Technologie partizipieren, finden sich vorrangig in Südafrika, China, Indien und den USA. Weltmarktführer im Bereich Kohleverflüssigung ist das südafrikanische Unternehmen Sasol. Darüber hinaus gibt es einige technologiestarke US-Firmen wie Rentech, Headwaters und Syntroleum, die zum Teil schon über 25 Jahre Erfahrung vorweisen. Bei der Kohlevergasung sind General Electric und ConocoPhillips aus den USA sowie die niederländisch-britische Shell-Gruppe tätig.

Robin Batchelor und Poppy Allonby sind Co-Fondsmanager des MLIIF New Energy Fund bei Merrill Lynch Investment Managers.

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