Vergessene Scheine
Die alte D-Mark lauert noch überall

Zehn Jahre gibt es den Euro, seit 2002 ist er alleiniges Zahlungsmittel in Deutschland. Doch bei den Bürgern ist die D-Mark noch omnipräsent. Nicht nur, dass jeder Zweite noch in Mark rechnet - in deutschen Haushalten liegen noch Mark-Münzen und-Scheine im Milliardenwert verborgen.

HB FRANKFURT. Im Tabletten-Röhrchen, unterm Reserverad oder eingenäht in den edlen Vorhängen taucht sie plötzlich auf - die alte D-Mark. Ganze 14 Mrd. Mark in Scheinen oder Münzen sind noch im Umlauf. Rund 230 Mio. Mark wurden in diesem Jahr bei der Bundesbank in Euro umgetauscht, wie ein Sprecher der Zentrale in Frankfurt/Main zu berichten weiß. "Täglich kommen 1 600 bis 1 800 Kunden in unsere Filialen - meist wird das Geld beim Aufräumen, bei Wohnungsauflösungen, bei Umzügen oder in alten Reisetaschen entdeckt." Schlichte Vergesslichkeit sorgt oft dafür, dass D-Mark jahrelang verschollen bleibt. Einige kuriose Fundorte:

Im vergammelten Sofa: Ein Student staubte im Ruhrgebiet eine alte Couch ab, die illegal am Waldrand abgeladen worden war. Der Bezug war zwar ziemlich abgewetzt, doch das Möbelstück noch intakt. Um es neu zu beziehen, nahm der junge Mann den Stoff ab - und fand darunter mehrere tausend Mark.

Im Vorhang: Eine Frau wunderte sich über die arg schweren Vorhänge ihrer gestorbenen Mutter. Dem wollte sie auf den Grund gehen und untersuchte eine der Stoffbahnen. Das Ergebnis: In den ganzen Vorhang waren von oben bis unten 1000-DM-Scheine eingenäht worden.

Hinter Tapeten und in Tabletten-Röhrchen: Beim Tapezieren des Wohnzimmers der gestorbenen Großeltern entdeckte ein Enkel hinter den Bahnen Geldscheine im Wert von einigen Tausend Mark. Ein Arzneimittelschrank galt einem anderen Paar lange als sicheres Versteck für das Ersparte. Zufällig öffneten die Hinterbliebenen eines der zahllosen Röhrchen und fanden darin fein säuberlich eingerollte Banknoten.

In Büchern: Beim Schmökern in einem seiner vielen Bücher flog einem Freiburger Bibliothekar eine 100 DM-Banknote entgegen. Dabei fiel ihm ein, dass er einst 2000 Mark in seiner Lektüre versteckt hatte. Er konnte sich (bisher) aber nicht daran erinnern, nach welchem System er die Scheine verteilt hatte, so die Bundesbank.

Auch im Aschenfach eines alten Ofens oder unter dem Reserverad des Autos sind schon D-Mark aufgetaucht. Nicht selten wurde Bargeld über Jahrzehnte schlicht vergessen: So kam ein älteres Ehepaar mit Scheinen der früheren Bank deutscher Länder (BdL) - sie wurde 1957 mit den Landeszentralbanken zur Deutschen Bundesbank verschmolzen - an den Schalter. Anlässlich der Goldenen Hochzeit hatten die Eheleute festgestellt, dass die einst zur Vermählung geschickten Karten noch mit Geldgeschenken gefüllt waren.

Aber keine Sorge: Wo auch immer und wann auch immer D-Mark auftaucht, sie kann umsonst und ohne Umtauschfrist zu einer Bundesbank-Filiale gebracht werden, betont Albrecht Sommer, Leiter des Stabes des Präsidenten bei der Hauptverwaltung Berlin. "D-Mark darf in jeder erdenklichen Form angeschleppt werden." So kamen schon Kunden mit Kofferladungen voll oder - wie die Bundesbank ebenfalls erlebt hat - ein Bauer mit einer Regentonne. Sie war prall gefüllt mit D-Mark-Münzen. Der Mann erzählte, er habe früher jeden Morgen, wenn er zum Markt fuhr, seine Geldbörse um die Münzen erleichtert. Die Geldbörse hätte schlicht zu stark aufgetragen. Und so wanderten die Münzen in die Regentonne - bis sie voll war. (Internet: www.bundesbank.de/bargeld/bargeld_faq_banknotendm.

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