Währungen
Misstrauen gegenüber dem Euro bleibt

Die Anleger am Devisen- und Rentenmarkt bleiben misstrauisch. Die im nächsten Jahr anstehenden Anleihenemissionen werfen ihre Schatten voraus. Der Forint gerät nach der Herabstufung Ungarns unter Druck.
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HB FRANKFURT. Angesichts der weiterschwelenden Schuldenkrise haben Anleger im vorweihnachtlichen Geschäft Abstand von Euro-Käufen genommen. Die Gemeinschaftswährung fiel in einem dünnen Handel auf 1,3064 Dollar nach 1,3095 Dollar im späten US-Vortagesgeschäft. Damit lag der Euro in etwa in der Mitte zwischen seinem Jahreshoch und-tief. "Das Geschehen in der Euro-Peripherie bestimmt weiter das Geschehen", sagte Analyst Mario Mattera vom Bankhaus Metzler.

Während am Markt Ruhe einkehrte, richteten sich bereits bange Blicke über den Jahreswechsel hinaus. Dann müssen mehrere hochverschuldete Euro-Staaten Anleihen refinanzieren. "Es gibt darum herum bereits eine gewisse Nervosität", sagte Stratege Orlando Green von der Credit Agricole. Unerwartet für viele Investoren kamen auch schlechte Nachrichten über Slowenien. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit des seit 2007 zur Euro-Zone gehörenden Landes auf "negativ" gesenkt. Sie begründete dies mit der fehlenden Strukturmaßnahmen zur Senkung des Haushaltsdefizits. Zur Beruhigung der Investorennerven trug allerdings bei, dass das griechische Parlament den Sparhaushalt 2011 absegnete.

Unterstützung erhielt der Euro auch aus China. "Wir sind bereit, die Euro-Länder dabei zu unterstützen, die Krise zu meistern, um eine Konjunkturerholung und gesunde Staatsfinanzen zu erreichen", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Ihr Land unterstütze den Rettungsschirm der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds.

Außerhalb der Euro-Zone geriet der ungarische Forint unter Druck, nachdem die Ratingagentur Fitch ihren Daumen gesenkt hatte. Die Agentur stufte die Bonitätsnote für Staatsanleihen mit längerer Laufzeit um eine Stufe auf "BBB-" zurück. Damit ist das Land jetzt bei allen drei großen Ratingagenturen nur einen Schritt vom Ramschstatus entfernt. Ein Euro kostete bis zu 278,75 Forint nach rund 275,5 Forint vor Bekanntgabe der Herabstufung.

Der Rentenmarkt zeigte sich richtungslos. Der Bund-Future schwankte zwischen Gewinn- und Verlustzone hin und her lag am Nachmittag 29 Ticks tiefer bei 125,19 Zählern. Die dem Terminkontrakt zugrundeliegende zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 2,975 Prozent.

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  • Wir könnten heute überall auf dem Weltmarkt billigeres LNG-Gas beziehen, doch wir kaufen statt dessen teures russisches Gas. Wäre es nicht weiser, die deutsche Wirtschaft zu subventionieren anstatt der russischen? Mit den hier völlig unnötig vergeudeten Milliarden könnten wir beginnen, unseren riesigen Schuldenberg abzutragen.

  • "Die dem Terminkontrakt zugrundeliegende zehnjährige bundesanleihe rentierte mit 2,975 Prozent." Vor Kurzem rentierten sie noch mit nur 2,2%, und es wird weiter gehen. Das sind circa 30% mehr. Schlaf, Kindlein, schlaf.
    Schadenfreude ist auch eine Freude, die Eurobonds wurden gerade deswegen von unserer "iron Maiden" abgelehnt, weil Deutschland dadurch den Vorteil der niedrigeren Zinsen verlieren würde.
    Jetzt haben wir es, und China ante Porta dazu.
    Die Pisa-Studie lügt nicht, wir werden heute von der Generation der schlechten Pisa-Note regiert.

  • @[1] Peter Scholz,
    es würde auch reichen wenn wir uns von den Deutschen unabhängig machen würde.
    Das Problem: Mit jedem Überschussjahr steigen die Forderungen von deutschen Unternehmen, Privatpersonen und banken gegen das Ausland. Laut bundesbankstatistik haben die Deutschen zu Ende September 2009 ein Netto-Auslandsvermögen von 808,9 Mrd. Euro angesammelt. im Jahr 2000 waren es erst 67 Mrd. Euro - und damit weniger als ein Zehntel.

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