Währungs-Chaos
Griechenland-Pleite hilft dem Euro

Die Politik schließt eine Pleite Griechenlands nicht mehr aus. Der Euro legte daraufhin in den vergangenen Tagen deutlich zu. Doch die Spekulanten werden nicht locker lassen und lauern schon auf den nächsten Einbruch.
  • 35

DüsseldorfDie Pleite Griechenlands steht unmittelbar bevor. Das geben erstmals auch die Politiker zu, mehr oder weniger. Sie nehmen das Wort Pleite bzw. Schuldenschnitt zwar nicht in den Mund, aber die Andeutungen sind eindeutig. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker spricht von „anderen Schritten“, über die man jetzt nachdenken müsse. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt, es spreche viel dafür, dass die Schulden „auf Dauer nicht tragfähig“ seien. Das sind ganz neue Töne.

Schadet das dem Euro? Ganz und gar nicht. Seitdem die Politik einen Schuldenschnitt nicht mehr ausschließt, legt die europäische Währung unerwartet kräftig zu. Ein Schuldenschnitt in Griechenland würde sich für den Euro positiv auswirken, weil es "das Krisentheater beenden" und die kurzfristige Volatilität abnehmen würde, meint Manfred J.M. Neumann, Wirtschaftsprofessor in Bonn und Experte für Währungen.

Am Donnerstag kletterte der Eurokurs zeitweise über 1,38 Dollar, im Laufe des Tages fiel er wieder auf 1,37 Dollar. Das ist aber immer noch deutlich höher als Anfang des Monats. Da sah es so aus, als stürze der Euro geradewegs unter 1,30 Dollar. „Der Markt setzt darauf, dass es einen großen Wurf zur Lösung der Euro-Krise geben wird“, erklärt Sandra Striffler, Devisenanalystin der DZ Bank. „Aber das bewegt sich auf dünnem Eis, da ist noch nichts in trockenen Tüchern.“

Bei einem Schuldenschnitt von Griechenland müssten Gläubiger wohl mehr als 60 Prozent ihrer Ansprüche abschreiben. Wobei die Banken glimpflich davon kommen und erneut mit Steuergeld gerettet werden dürften. Das kommt an den Märkten erst einmal gut an. Weniger gut kam am Donnerstag der Monatsbericht der EZB an, in dem die Notenbank warnte, eine Beteiligung des privaten Sektors könnte den Ruf des Euro international schädigen.

Dass sich die Lage beruhigen wird, erwarten die Experten nicht. „Ich glaube nicht, dass alles schon gegessen ist, aber der Markt war sehr stark gegen den Euro positioniert, und wir sehen jetzt eine Art Bereinigung“, erklärt Jesper Bargmann, Währungsstratege bei der RBS in Singapur. Allerdings seien einige Marktteilnehmer inzwischen wieder so weit, ihre Euro zu verkaufen. Schlechte Nachrichten könnten jederzeit wieder eine stärkere Reaktion auslösen.

Seite 1:

Griechenland-Pleite hilft dem Euro

Seite 2:

Die Unsicherheit war noch nie höher

Kommentare zu " Währungs-Chaos: Griechenland-Pleite hilft dem Euro"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • >wieso gbt's eigentlich noch Beamte?<
    Also, wenn ich mir vorstelle, dass ein Polizist aus dem Privatsektor käme, und von dort aus bezahlt würde, wäre mir sehr mulmig zumute!- Was würde dann aus unserem eh schon stark rampunierten Rechtswesen? Wäre dieser Polizist nicht sehr käuflich?
    Ich denke, man muss da doch etwas differenzieren.

  • Nein. Es wird Papiergeld in unvorstellbaren Mengen gedruckt. Ganz wie bei der FED auch!!!!

  • Zecke
    So mancher Europäer ahnt oder weiß das. Aber er sitzt gelähmt wie das Kaninchen vor der Schlange und hat nicht den Mut, aufzustehen und dem Geldwurm den Kopf zu zertreten.

    Genau darum aber geht es.

    Dem ist NICHTS mehr hinzuzufügen. Das Ergebnis Jahrzehtelanger Umerziehung!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%