Währungskrise am Kap
Kapitalflucht stürzt Südafrikas Rand in Turbulenzen

Der südafrikanische Rand erlebt einen noch nie erlebten Absturz. Binnen einer Woche ist der Wert der Kap-Währung im Vergleich zum Dollar um fast ein Drittel gesunken. Die Unsicherheit im Zuge der Finanzkrise verschreckt die Investoren. Die Krise ist aber auch hausgemacht.

KAPSTADT. Südafrika hat in den letzten Jahren manche schwere Währungskrise durchlebt. Doch nie zuvor hat der Rand einen derart heftigen Niedergang erlebt wie in den vergangenen Tagen. Binnen einer Woche ist die südafrikanische Währung um fast 30 Prozent gegenüber dem Dollar gefallen - und fast ebenso stark gegenüber Euro und Franken. Wer am Donnerstag Geld umtauschte, erhielt für einen Dollar zeitweise 12 Rand, für einen Euro waren es sogar mehr als 15 Rand. Insgesamt belaufen sich die Verluste des Rands gegenüber Dollar und Euro damit in diesem Jahr nun bereits auf rund 40 Prozent.

Der dramatische Niedergang der heimischen Währung weckt am Kap ungute Erinnerungen an die letzte schwere Randkrise vor sieben Jahren. Ende 2001 war der Rand dabei sogar kurzzeitig auf 13,85 Rand je Dollar abgestürzt, um sich dann aber schnell wieder zu erholen. Gegenüber Euro und Franken befindet sich der Rand jedoch bereits jetzt auf neuen Allzeittiefs. Dies ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil Europa der mit Abstand grösste Handelspartner Südafrikas ist - und sich die Einfuhren von dort gerade im Vorfeld der am Kap ausgetragenen Fußball WM 2010 massiv erhöhen dürften.

Beobachter sehen in dem beispiellosen Niedergang der südafrikanischen Währung eine direkte Folge der von der Finanzmarktkrise geschürten weltweiten Anlegerpanik - und der damit verbundenen Flucht internationaler Anlegergelder in die vermeintliche Sicherheit ihrer Heimatmärkte oder amerikanischer Schatzbriefe. Die Sorge, dass sich Südafrikas Rohstoffexporte im Zuge einer weltweiten Rezession stark reduzieren und sich dies wiederum negativ auf das Wachstum am Kap auswirkt, hat viele Anleger zur Auflösung ihrer Randanlagen bewogen. Daran können auch die vergleichsweise hohen Zinsen am Kap nun nichts mehr ändern, die zuvor die gleichen Anleger zu einem Engagement bewogen hatten.

Als Hochzinswährung hatte der Rand lange Zeit von dem Renditehunger ausländischer Anleger im Rahmen der sogenannten Carry Trades profitiert. Carry Trades sind Transaktionen, bei denen institutionelle Anleger in den USA, Europa und vor allem in Japan Kapital aufnehmen und dieses an Märkten mit höheren Zinsen investieren, vor allem in Schwellenländern. In Südafrik liegt der Zinssatz aktuell bei rund 15 Prozent. Diese Engagements werden in Zeiten wachsender Unsicherheit jedoch aufgelöst, weil die vom allgemeinen Geldabzug bedingten Währungsverluste die zuvor erzielten Zinsgewinne zunichte machen. Denn was helfen die besten Zinserträge, wenn eben diese Gewinne von den hohen Wechselkursverlusten gleich wieder zerstört werden? Nachdem der Rand während der nun zu Ende gegangenen Liquiditätsschwemme lange Zeit vom Zinsvorteil Südafrikas und dem hohen Risikoappetit der Anleger profitiert hatte, ist nun das Gegenteil der Fall.

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