Wenig Hoffnung auf Preisverfall
Preise für Öl, Heizöl und Diesel auf neuen Höchstständen

Das teure Rohöl hat die Preise für Diesel und Heizöl in Deutschland auf neue Höchststände getrieben. Mit einem Durchschnittspreis von 1,21 Euro für einen Liter Diesel wurde am Freitag Rekordwert erzielt.

ap HAMBURG. Superbenzin kostete etwa 1,37 Euro pro Liter. Auch Heizöl erreichte laut Fachdienst EID mit knapp 66 Cent pro Liter (Abnahme 3.000 Liter) ein neues Jahreshoch. Am Ölmarkt in Rotterdam ist Diesel laut EID inzwischen teurer als Benzin. Diesel und Heizöl sind sehr ähnliche Produkte. Zu Beginn der kalten Jahreszeit steigt oft die Nachfrage nach Heizöl, was auch den Dieselpreis mit in die Höhe zieht. Die Verbraucherpreise bei Ölprodukten würden noch deutlich höher ausfallen, wenn sie nicht durch den starken Euro im Verhältnis zum Dollar gebremst würden.

Der Ölpreis ist unterdessen am Donnerstag erstmals über 83 Dollar pro Barrel geklettert. US-Leichtöl zur Lieferung im Oktober notierte zum Handelsschluss an der New Yorker Rohstoffbörse bei 83,18 Dollar pro 159-Liter-Fass. Dies ist eine Steigerung gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch um 1,25 Dollar. Im Verlauf des Tages kletterte der Preis zwischenzeitlich sogar auf den Rekordstand von 83,42 Dollar pro Barrel. Am Freitag wurden dagegen niedrigere Preise notiert: Das Barrel zur Lieferung im November kostete 81,53 Euro.

Doch der Rückgang ist nach Ansicht von Experten kein Grund zur Hoffnung: Ein Schlechtwettergebiet zieht im Golf von Mexiko in Richtung US-Küste. Falls sich daraus ein Sturm entwickelt, könnten die Förderanlagen und Raffinerien dort in Gefahr geraten. Mehrere Förderanlagen auf See wurden evakuiert.

Auch längerfristig werde der Preisdruck beim Öl anhalten, schätzen Experten: „Die Faktoren, die den Ölpreis in die Höhe treiben, sind in der Überzahl“, sagte Ölmarktexperte Klaus Matthies vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). In den USA beginne die Heizöl-Saison und die angekündigte Fördererhöhung der OPEC von 500.000 Tonnen zum 1. November sei viel zu wenig, um die Preise zu drücken. Die Internationale Energieagentur erwartet für 2007 eine weltweite Verbrauchszunahme um 1,7 Prozent beim Öl, um 2,4 Prozent für 2008.

Ölproduzenten wollen ihre Kaufkraft schützen

Der schwache Dollarkurs schützt die Verbraucher in Deutschland zwar etwa vor dem hohen Ölpreises - und doch hat er den starken Preisanstieg erst mit ausgelöst. Grund: Viele Rohstoffe, darunter in allererster Linie Öl, werden in Dollar abgerechnet. Wenn aber der Dollarkurs fällt, sinkt auch die Kaufkraft der Produzenten. Sie versuchen, das Loch über höhere Preise zu schließen. „Wenn der Dollar fällt, steigen die Rohstoffpreise, das ist einen alte Erfahrung“, erklärte Ölmarktexperte Matthies vom (HWWI). „Die Produzenten wollen keine Verluste erleiden“, sagte er.

Gerade die mächtigen Ölförderländer am Golf bestreiten den größten Teil ihrer Haushalte über die Einnahmen aus der Ölförderung. Wenn sie aber etwa im Euro-Raum einkaufen gehen, bekommen sie bei gesunkenem Dollarkurs weniger für ihr Geld.

Noch ein Effekt des schwachen Dollars treibt nach Einschätzung von Experten den Ölpreis: Für Spekulanten aus dem Nicht-Dollarraum wird es günstiger, Geld in Ölpapieren anzulegen. Wenn die Investoren aber billiger an Öl-Futures kommen, wird die Investition interessanter. Diese steigende Nachfrage treibt den Preis nach oben. Nach Ansicht von Fachleuten ist genau dieser Effekt zur Zeit im Gang, nachdem der Dollar auf einen historischen Tiefstand gegenüber dem Euro gefallen ist, aber auch gegenüber anderen Währungen schwach ist. Ölexperte Matthies hat keine statistischen beweise für diesen Effekt, hält den Ablauf aber für logisch.

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