Zahl des Tages
Silber verliert den Glanz

30 Prozent Wertverlust haben Anleger mit Silber in der vergangenen Woche erlitten. Doch es gibt auch Profiteure des Crashs.
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Bis vergangenen Freitag war die Welt für Silber-Anleger noch in Ordnung. Sie jubelten über das Rekordhoch des Edelmetallpreises. Eine Feinunze, also 31 Gramm, wurde am Londoner Spotmarkt für 49,51 US-Dollar gehandelt und übersprang damit sogar die magische Marke aus dem Jahr 1980. Damals hatten die US-amerikanischen Brüder Hunt ihr Vermögen, das sie mit Ölgeschäften gemacht hatten, in Silber investiert. Der Preis des edlen Metalls erreichte daraufhin ein Allzeithoch.

Heute, mehr als 30 Jahre später, währte die Freude über den historischen Höchststand des Silberpreises nicht lange. Innerhalb der vergangenen Woche stürzte der Preis des Metalls um 30 Prozent ab - auf gerade einmal noch 34,58 US-Dollar pro Feinunze.

Was Anleger in Panik versetzt, freut die Industrie, zum Beispiel die Automobilkonzerne. Jedes Jahr verbauen die Unternehmen der Branche nämlich rund 700 Tonnen Silber allein in Katalysatoren. Dafür hätten die Konzerne vor einer Woche noch über 112 Millionen US-Dollar berappen müssen. Heute sind es nur noch günstige 79 Millionen. Auf diesem Weg können Auto-Nationen wie Deutschland sogar darauf hoffen, dass der Silber-Crash die Konjunktur weiter ankurbelt. Gleiches gilt für den Mobiltelefon-Markt. Auch in modernen Smartphones wie dem I-Phone kommt allerlei Silber zum Einsatz. Die Hersteller benötigen jährlich rund 325 Tonnen Silber für ihre Produktion.

All das wird Anleger nicht trösten, die in den vergangenen Tagen große Summen mit Silber versenkt haben. Zumal andere Rohstoffe weit weniger geprügelt wurden: Der Preis für ein Barrel amerikanisches Öl der Sorte WTI sank um rund zwölf Prozent. Eine Feinunze Gold kostet heute 3,3 Prozent weniger als vergangene Woche. Vielleicht besänftigt Silber-Investoren aber die Erinnerung an andere böse Ereignisse an den weltweiten Kapitalmärkten: Am so genannten Schwarzen Montag im Oktober 1987 fiel der Aktienindex Dow Jones innerhalb eines Tages um fast 23 Prozent. Und als im sechzehnten Jahrhundert die Blase am Tulpenmarkt platzte, war der florale Rohstoffe von einem Tag auf den anderen praktisch wertlos.

Glücklich schätzen können sich indes die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Dass sie im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft nur den dritten Platz belegten, erweist sich heute als Glücksfall. Hätten sie es ins Endspiel geschafft und wären erst dort gescheitert, wäre der Wert ihrer Silbermedaillen in den vergangenen Tagen deutlich gesunken.

Kommentare zu " Zahl des Tages: Silber verliert den Glanz"

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  • Liebe Frau Sibylle Schikora,

    Äpfel mit Birnen zu vergleichen hat noch nie Funktioniert...wir haben noch kein Silberhoch gehabt... auch wenn das mancher, einschl. des Handelsblattes auch so hören und verkaufen wollen...

    Spotmarkt und Fixing ist und bleibt immer noch zweierlei...aber erstens spielt das vermutlich bei der Klientel des Handelsblattes keine Rolle und zweitens wird es hier auch keiner bemerken...

    Grüsse von einem Silberbug

  • Ich habe keinen Wertverlust, mein Silber glänzt nach wie vor !
    Es findet dann wieder in den Kreislauf zurück, wenn die Fiat-Money Währungen zusammengebrochen sind.
    Also sehr bald.....

  • Eine sehr naive Denkweise des Autors! In einem Auto sind ca. 2 Unzen Silber verarbeitet und in einem IPhone wofür man sowieso schon über 600 € zahlt noch nichtmal eine Unze. Für die industrie ist es kein großes Sparpotenzial zumahl ja laut Ihrem Artikel angenommen werden muss, das die unternehmen jetzt wo der Preis günstig ist sofort ihren gesamten jahreseinkauf an Silber machen. Die Lagerkosten würde bei weitem das nicht rechtfertigen, zumahl ja meistens auch Just in Time gekauft wird. Vielleicht wäre die Schmuckindustrie ein Gewinner aber selbst dort ist es auch weniger relevant da dort direkt der Preis auf den Kunden umgelegt wird. Der Silberpreis erholt sich i nden nächsten monaten und wird die 100 Dollar Marke überschreiten!

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