Rocket Internet
Warum die Rocket-Aktien nicht zünden

Der Start-up-Inkubator hat einen Millionenverlust bekanntgegeben. Auch für die Aktie läuft es nicht rund – obwohl Rocket Internet höher bewertet ist als einige Dax-Konzerne. Warum Anleger bislang kaum verdient haben.
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DüsseldorfAls Rocket Internet im Oktober an die Börse ging, waren die Erwartungen groß. Doch schon am ersten Handelstag vermochte die Start-up-Schmiede die Anleger nicht zu überzeugen. Zwischenzeitlich sank der Aktienwert vom Einstiegspreis um fast 13 Prozent auf unter 37 Euro. Die gute Nachricht für den Konzern, der am Dienstag seine Jahreszahlen für 2014 vorlegte: Das Papier hat sich inzwischen wieder erholt. Die schlechte: Vom Börsenboom konnte es kaum profitieren.

Am Dienstag wurde das Papier bei gut 45 Euro gehandelt. Seit dem ersten Börsentag hat die Rocket-Aktie damit um insgesamt fast sechs Prozent zugelegt. Das wäre ein beachtlicher Wert – hätten die deutschen Börsen seit Oktober keine Rekordrally erlebt. Der Dax notierte am 2. Oktober – also am Tag von Rockets Börsendebüt – bei 9195 Punkten und verzeichnete seitdem ein Plus von 26 Prozent. Damit legte der Indizes mehr als vier Mal so viel zu wie die Aktie von Rocket Internet. Das zeigt: Zwar investierten die Anleger verstärkt in Aktien, aber selten in die des Start-up-Inkubators.

Richtig profitiert haben so auch die Aktionäre nicht. Und das, obwohl Rocket Internet gemessen an der Marktkapitalisierung einen höheren Wert vorweisen kann als einige Dax-Konzerne. Mit einem Summe von 7,9 Milliarden Euro rangiert der Konzern beispielsweise vor der Lufthansa, die derzeit auf eine Summe von 6,4 Milliarden Euro kommt, oder auch dem K+S-Konzern, dessen Marktkapitalisierung bei 4,4 Milliarden Euro liegt. Die beiden Unternehmen gelten als Wackelkandidaten im Dax, könnten als nächstes ausscheiden.

Dass die Rocket-Aktien nicht richtig zünden wollen, hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Anders als bei Zalando, dem Schuhhändler, den die Samwers mit aufgebaut haben, ist Rocket Internet nicht im Prime Standard der Frankfurter Börse notiert, sondern im Entry Standard. Der ist nicht nur weniger reguliert, sondern auch nicht so transparent wie der Prime Standard. Beispielsweise müssen Firmen hier statt quartalsweise nur halbjährlich und nicht so ausführlich berichten. „Das sollte allen Anlegern eine Warnung sein“, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) noch vor dem Börsenstart von Rocket Internet gegenüber der „Welt“.

Ein weiterer Faktor für die Skepsis der Anleger dürfte das nach wie vor schwer durchschaubare Netz an Firmengründungen sein – und die Geschäftsmodelle dahinter. Rocket Internet vereint unter seinem Dach derzeit etwa 50 Start-ups. Die Masche ist stets dieselbe: ein gut laufendes Geschäftsmodell, zumeist aus den USA, kopieren und in Europa oder in Schwellenländern implementieren. Dort wird das Start-up zumeist mit viel Marketing beworben und soll so Investoren und Kunden anziehen.

In welchem Markt das Start-up aktiv ist, spielt dabei kaum eine Rolle – gemein haben die vielen Gründungen lediglich, dass sie auf digitale Geschäftsmodelle setzen. Von Putzportalen bis hin zu Lebensmittellieferdiensten, vom Online-Optiker bis zum digitalen Möbelhaus ist alles dabei. Das Versprechen: Die jeweiligen Start-ups werden schnell Marktführer in ihrem Segment in den verschiedenen Ländern. Doch mit seiner aggressiven Wachstumsmethode macht sich Rocket nicht nur Freunde. Experten halten viele der Unternehmen für überbewertet. Zudem gibt es immer wieder Fragen danach, ob die Firmen tatsächlich so viele Nutzer haben, wie sie vorgeben, und ob die Qualität tatsächlich so hoch ist wie gerne behauptet – zuletzt kam die Frage beim Start-up Nestpick auf, das im Februar nach Deutschland gekommen ist.

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