US-Internetkonzern Yahoo
Seid umschlungen, Milliarden!

Yahoo profitiert vom Börsengang des Onlinehändlers Alibaba: Zehn Milliarden Dollar dürfte der Verkauf des Aktienpakets bringen – aber wie lange? Die Umsätze des einstigen Internetpioniers gehen kontinuierlich zurück.
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DortmundAuf den ersten Blick stimmt die Kursentwicklung der Yahoo-Aktie optimistisch: Mit aktuell knapp 39 Dollar liegen die Titel des einstigen Internetpioniers wieder auf einem Niveau, das sie zuletzt vor rund neun Jahren erreicht hatten. Binnen zwölf Monaten hat Yahoo mehr als ein Drittel an Börsenwert gewonnen. Dennoch sehen die Experten noch immer keine Anzeichen für die lang erhoffte Trendwende und raten zur Vorsicht.

Mit großer Spannung erwartet die Finanzwelt den größten Börsengang aller Zeiten - den US-Markteintritt der chinesischen Handelsplattform Alibaba. Da Yahoo an Alibaba einen Anteil von rund 23 Prozent hält, sollte auch Yahoo in den kommenden Wochen auf kurze Sicht profitieren, sagen Analysten und auch die Nutzer der Social- Trading-Plattform Wikifolio. „Der Börsengang soll am 16. September stattfinden. Damit ist noch genügend Zeit für Spekulationen, welche die Yahoo-Aktie weiter nach oben befördern dürften“, erwartet etwa Händler „Scheid“. Nutzer „Katzenpfote“ rechnet damit, dass die Titel kurzfristig zulegen: „Es gibt sogar Fondsmanager, die davon ausgehen, dass Yahoo sich verdoppeln könnte, aber ich sehe die 40-Dollar-Marke als realistisch an.“

Vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen nutzen Alibabas Plattform für den Handel in asiatischen Ländern. Im jüngsten Quartal meldete der Konzern eine Verdreifachung des Gewinns. „Die Margen sinken zwar etwas, und das ist nicht so gut“, sagte Analyst Jeff Papp von Oberweis Asset Management der Agentur Bloomberg. „Allerdings waren die Margen von Anfang an vergleichsweise hoch, und sind das auch immer noch.“ Das Gesamtvolumen des Online-Einzelhandels allein in China könnte im kommenden Jahr 395 Milliarden Dollar erreichen und hätte sich damit in vier Jahren verdreifacht, errechnete der Unternehmensberater McKinsey.

Nach dem Börsengang will Yahoo offenbar 140 Millionen Alibaba-Aktien auf den Markt werfen, was Schätzungen zufolge einen Erlös von mindestens zehn Milliarden Dollar einbringen könnte.

Doch wie geht es für Yahoo nach dem Alibaba-Börsengang weiter? Seit Jahren kämpft der Konzern darum, seine frühere Vorreiterstellung im Web zurückzugewinnen. „Im vergangenen Jahr hatte die Aktie noch einen Lauf, weil die Anleger hofften, dass Marissa Mayer als neue Chefin das Ruder herumreißen würde“, sagt die Aktienstrategin Tracey Ryniec vom Investmentberater Zacks. „Aber in diesem Jahr bewegen sich die Titel nur seitwärts - und sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 35 auch nicht gerade günstig.“

Sie empfiehlt den Anlegern daher, Yahoo-Aktien zu verkaufen. Die durchschnittlichen Analystenschätzungen der von Thomson First Call befragten Banken deuten ebenfalls auf nur minimales Aufwärtspotenzial hin. Auch nach der Ankündigung, Yahoo werde den Datenanalyse- und Werbespezialisten Flurry für geschätzte 200 Millionen Dollar übernehmen, blieb der Markt zurückhaltend.

Denn Yahoos eigene Zahlen sehen weiterhin mau aus. Bei der jüngsten Bilanz musste Vorstandschefin Mayer zum vierten Mal binnen fünf Quartalen einen Umsatzrückgang verkünden und konnte damit die eigenen Prognosen nicht erfüllen. „Yahoo bringt es momentan einfach nicht“, resümiert der Börsenexperte Jim Cramer vom Finanzportal TheStreet.com.

Enttäuscht sind die Analysten vor allem darüber, dass auch die Neustrukturierung in der Chefetage offenbar noch nicht die erhoffte Wende gebracht hat - und dass Yahoo noch immer keinen neuen Chef der Werbeanzeigensparte benannt hat. „Es ist bemerkenswert“, sagt Analyst Brian Wieser von Pivotal Research, „wie schlecht der Anzeigenumsatz im vergangenen Quartal ausgefallen ist.“

Die Verlagsgruppe Handelsblatt ist an Wikifolio beteiligt.

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