Asien und der Grexit
Sorgen, aber noch keine Angst

Erst kracht der Nikkei ein, dann erholt sich der Index wieder. Es stellt sich relative Gelassenheit ein. Die asiatischen Länder scheinen besser vorbereitet zu sein - mit mehr Währungsreserven als Puffer.
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TokioAsiens Finanzmärkte mussten als erste die Angst vor eine Pleite Griechenlands ausbaden. Am frühesten begann der Tag in Tokio: Binnen Minuten krachte der Nikkei-Index um mehr als 500 Yen nach unten. Doch bald schon zogen die Kurse wieder an. Denn offenbar glauben die Aktionäre den Volkswirten, die bisher keinen Grund für eine Panik in Asien sehen. Zwar wird es negative Auswirkungen geben, meint Frederic Neumann, Volkswirt der HSBC in Hongkong. „Aber es schwer vorstellbar, dass die Tumulte in Griechenland akuten finanzielle Stress auslösen würden.“

Der Grund für die relative Gelassenheit: Zwar trifft das jüngste Spektakel in Europa just zu einem Zeitpunkt, als die Exporte nach Europa endlich wieder zu steigen beginnen. Zudem verlangsamt sich auch Chinas Wachstum, so dass das Reich der Mitte die Region anders als nach dem Lehman-Schock nicht allein aus einem Schlamassel ziehen könnte. „Aber im Gegensatz zu früheren Episoden, in denen die Angst vor Ansteckung in Asiens aufstrebende Märkte um sich griff, besitzen die meisten asiatischen Länder komfortable Währungsreserven als Puffer“, meint Neumann.

Selbst im Falle eines Grexit und Ansteckungserscheinung auf Europas Peripherie rechnet Rajiv Biswas, Chefvolkswirt von IHS Global Insight daher nur mit Wachstumseinbußen von 0,3 Prozentpunkten – im Jahr 2016. Und das Hauptproblem wäre für sie weniger die Angst der Anleger um ihre finanzielle Gesundheit oder die Nachfrage aus Europa, sondern der Einfluss der Wechselkurse. Wenn die Anleger risikoscheuer werden und ihre Gelder aus Europa und schwachen Ländern abziehen und in den vermeintlich sicheren Hafen USA und Japan verschieben würden, könnte der Euro und andere betroffene Währungen abrutschen und Dollar und Yen steigen.

Ein Großteil der Länder wäre vielleicht kaum betroffen. Indien beispielsweise hat höhere Reserven als 2013, dem Jahr, als die US-Notenbank Fed eine Drosselung ihrer ultraexpansiven Geldpolitik ankündigte und damit für Kapriolen in Asien sorgte. Auch Korea, Taiwan, Thailand und die Philippinen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Am anfälligsten sind Indonesien und Malaysia, meinen die Volkswirte.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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