Autowerte stehen im Mittelpunkt
Dämpfer für Tokios Börse

Der Höhenflug der Tokioter Aktienbörse der vergangenen Tage wurde gebremst. Die Indizies drehten im Schlussgeschäft deutlich ins Minus. Auch der Yen notierte schwächer, nachdem die Bank von Japan nach Angaben von Händlern im Auftrag der Regierung interveniert hatte.

HB SINGAPUR. Der Euro behauptete in Fernost sein in New York erreichtes Niveau von Kursen deutlich über 1,08 Dollar. Die japanischen Anleihemärkte erholten sich von der Talfahrt der vergangenen Tage etwas. Die US-Aktien hatten am Vorabend von positiven Analystenkommentaren zu Technologiewerten profitiert und im Schnitt ein gutes halbes Prozent zugelegt. Dies entsprach etwa dem Niveau, dass die US-Aktien schon beim deutschen Handelsschluss erreicht hatten.

Der Nikkei-Index, der zum Ende des Vormittagshandels noch 0,4 Prozent im Plus gelegen hatte, fiel bis Handelsschluss aber um 0,6 Prozent auf 10.646,95 Zähler. Seit Tagen war Asiens wichtigstes Börsenbarometer gestiegen. Händler sprachen daher von einer überfälligen technischen Reaktion. Einige Investoren hätten nun erst einmal ihre Gewinn realisieren wollen. „Aber es sieht nicht nach einer großen Korrektur aus. Die Investoren sind immer noch scharf darauf, bei Kursrückgängen gleich wieder einzusteigen“, erklärte Hiroyuki Nakai von Tokai Tokyo Securities.

Japans Autoaktien standen im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Donnerstagssitzung standen die Autoaktien. So legten Toyota 2,7 Prozent auf 3440 Yen zu, nachdem der Konzern einen Anstieg seines Absatzes in den USA von elf Prozent bekannt gegeben hatte. Die Aktien von Japans drittgrößtem Autokonzern, Nissan, erreichten zeitweise ein 13-Jahreshoch. Das Unternehmen hatte im August über 14 Prozent mehr Autos in den USA verkauft als im Vorjahr, was die Investmentbank Goldman Sachs zu einer Heraufstufung ihrer Empfehlung veranlasste.

Händler sagten, auch die Erholung des Dollar habe sich positiv auf den Aktienmarkt ausgewirkt. Der Höhenflug des Yen belastet ansonsten die auf Export ausgerichtete japanische Wirtschaft. Zeitweise fiel die US-Währung in Tokio auf 115,75 Yen, dem niedrigsten Kurs seit Mitte Mai.

Der Euro konnte sich auf Kurse um 1,0840 Dollar, dem New Yorker Schlussniveau gut behaupten. Damit notierte die Gemeinschaftswährung deutlich über dem EZB-Referenzkurs von 1,0783 Dollar.

Das Finanzministerium bestätigte zwar die Interventionen nicht, doch waren Händler sich sicher, dass die japanische Zentralbank zu Gunsten des Dollar eingegriffen hatte. So kletterte die US-Währung auf 116,80 Yen. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat die japanische Regierung neun Trillionen Yen (umgerechnet 77,65 Milliarden Dollar) ausgegeben, um den Höhenflug der Landeswährung zu bremsen. „Die japanische Wirtschaft ist wie ein bettlägeriger Mann, der sich endlich erholt hat, aber gerade erst wieder ein bisschen laufen kann“, sagte Seiya Nakajima, Chefvolkswirt von Itochu Corp. „Es ist klar, dass die Regierung die allmähliche Erholung nicht abwürgen will.“ Mit ihren Interventionen habe die Regierung signalisieren wollen, dass sich der Dollar bei dem Niveau halten sollte.

US-Finanzminister John Snow wirbt auf seiner Asienreise derzeit für eine Minimierung der Interventionen. Zwar richtet sich Snows Kritik vor allem an die Adresse Chinas, deren Landeswährung nicht frei schwankt. Doch waren Händler sich sicher, dass Snow auch Japan meint. Die US-Industrie hatte den Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen dem Wettbewerbsdruck aus Asien zugeschrieben. Einige Händler bezweifeln aber, dass nunmehr der Höhenflug der japanischen Währung endgültig vorbei ist. Tatsächlich fließ derzeit einfach viel ausländisches Kapital nach Japan.

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