Belastungen drücken Kurse
Europas Börsen rutschen ab

Die europäischen Börsen folgen den asiatischen in den roten Bereich. Es sind die gleichen Belastungen: schlechte Unternehmensdaten, trübe Konjunkturaussichten. Doch die Werte einiger Branchen sind ins Plus gedreht.

HB FRANKFURT. Der Euro-Stoxx-50 verliert gegen 12.25 Uhr 0,6 Prozent oder 21 auf 3 347 Punkte, der Stoxx-50 verliert 0,3 Prozent oder 8 auf 2 873 Punkte. Nach einer Gewinnwarnung von BMW stehen vor allem die Automobilwerte und konjunktursensible Titel unter Druck. Allerdings haben sich die Kurse nach einer schwachen Eröffnung europaweit etwas erholt. "Die Vorgaben dürften eingepreist sein", vermutet ein Händler. Die Sektoren Einzelhandel, Medien, Versicherer und Versorger sind ins Plus gedreht. "Bis zum US-Arbeitsmarktbericht dürften die Kurse auf diesem Niveau seitwärts laufen", prognostiziert der Händler.

Pessimistisch äußert sich ein weiterer Händler mit Blick auf die bisherigen Aussagen der Berichtssaison: "Die Finanzmarktkrise schlägt immer mehr auf die Realwirtschaft durch. Die Ausblicke der Unternehmen werden immer vorsichtiger." Die Gewinnwarnungen häuften sich, die Rezessionsängste nähmen zu.

Am Nachmittag dürften dann der US-Arbeitsmarktbericht und der ISM-Index für das Produzierende Gewerbe über den Wochenausgang entscheiden. Die überraschend schlecht ausgefallenen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe vom Donnerstag seien aber kein Indikator für die Arbeitsmarktdaten für den Juli. Sie bezogen sich auf die Woche per 26. Juli, die in dem am Nachmittag anstehenden Arbeitsmarktbericht nicht mehr berücksichtigt seien, betonen Marktexperten.

Der Blick dürfte sich einmal mehr zuvorderst auf die Zahl der neu geschaffenen Stellen richten. Die Konsensprognosen liegen recht eng beieinander: Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen rechnen im Schnitt mit einem Rückgang der US-Beschäftigung um 65 000 Stellen im Juli. Weitere Konsensprognosen lauten auf minus 73 000 bzw minus 68 000. Technische Analysten sehen den Euro-Stoxx-50 unterstützt bei 3 200 Punkten.

Neue Hiobsbotschaften drücken den Automobilsektor im Schnitt um 2,9 Prozent nach unten. Eine Gewinnwarnung nun auch von BMW erschüttert das Vertrauen in den Sektor. "Nach Ford hat es mit Daimler und BMW nun selbst die wenig finanzierungsabhängigen Hersteller getroffen", sagt ein Händler: "Und dann steht am Nachmittag noch General Motors an".

BMW waren am Morgen mit minus zehn Prozent in den Handel gestartet und notieren nun acht Prozent tiefer bei 26,58 Euro. Zudem belasten schwache Quartalszahlen von Nissan Motors-Hauptaktionär Renault. Der operative Gewinn bei Nissan ist im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres um 46 Prozent eingebrochen. Renault ist mit 44 Prozent an Nissan beteiligt. Renault geben um drei Prozent auf 52,10 Euro nach. Auch VW, Fiat, Daimler und Peugeot-Citroen liegen bis zu drei Prozent im Minus.

Bauwerte weisen hingegen eine völlig gemischte Performance auf. Während Vinci nach guten Quartalszahlen um zwei Prozent auf 37,23 Euro zulegen, brechen Lafarge um 6,7 Prozent auf 81,85 Euro ein. Lafarge sind nach BMW die größten Verlierer unter Europas Blue-Chips. "Bei Lafarge liegt der Nettogewinn deutlich unter der Konsensprognose", sagt ein Marktteilnehmer. Lafarge hat im ersten Halbjahr einen Nettogewinn von 773 Millionen Euro ausgewiesen, Analysten hatten im Konsens mit 879 Millionen Euro gerechnet.

Auch die Aussicht auf zusätzliche Beteiligungsverkäufe stützen den Aktienkurs nicht, denn das Umfeld sei für Verkäufe "denkbar schlecht". Vinci konnten dagegen von guten Auftragseingängen profitieren. "Hierauf liegt der Fokus am Markt", sagt der Händler. Mit einem Orderbuch von 22,7 Milliarden Euro liege das Unternehmen über der Markterwartung. Der Bau-Sektorindex fällt um 0,8 Prozent.

Leicht im Plus liegen die Versorger. Enel steigen um 3,5 Prozent auf 6,16 Euro. Hier liegt der Nettogewinn mit 2,85 Milliarden Euro im ersten Halbjahr deutlich über der Konsensprognose von 2,22 Milliarden Euro. Electricite de France (EdF) verlieren 0,9 Prozent auf 55,45 Euro, nachdem das Unternehmen den Kauf von British Energy abgesagt hat. EdF ließ wissen, die Bedingungen für eine Übernahme seien "nicht gegeben".

Umsatz und Nettogewinn von EdF lagen über den Erwartungen. Das Kursminus erklären Händler mit dem vorsichtigen Blick auf das Gesamtjahr. Der Nettogewinn könne möglicherweise stagnieren, teilte EdF mit. Zudem belastet etwas die Vermutung, nach der Absage an British Energy könnte sich EdF einfach anderen Übernahmezielen zuwenden. "Es geht nun darum, wen EdF stattdessen kauft. Iberdrola, Scottish & Southern - es gibt reichlich Möglichkeiten", so ein Londoner Analyst.

Einheitlich unter Druck stehen die Energiewerte. Der Sektor-Index fällt um 1,1 Prozent, nachdem der Ölpreis erneut gefallen ist. Zudem belasten die "gemischten" Quartalszahlen bei Total. "Leicht positiv ist, dass die Produktion in allen Bereichen über den Prognosen liegt", so ein Händler. Allerdings sei der Anstieg in der Summe mit einem Plus von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geringer als erwartet. Total geben 0,7 Prozent auf 49,05 Euro ab. Sämtliche Sektorwerte liegen im Minus.

Gute Nachrichten gibt es beim niederländischen Einzelhändler Ahold. Die Umsatzzahlen liegen in allen bedeutenden Segmenten leicht über den Erwartungen, sagt ein Händler. Das Unternehmen hat den Margenausblick eines Anstiegs im laufenden Jahr von 4,8 Prozent bis 5,3 Prozent bestätigt. "Die soliden Absatzzahlen auch in den USA lassen darauf schließen, dass der Druck auf die Margen nicht so stark ist wie angenommen", sagt der Händler. Ahold springen um 6,6 Prozent auf 7,81 Euro, der Index der Einzelhandelswerte steigt nur um 0,5 Prozent.

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