Börse Frankfurt
Anleger lassen spektakuläre Woche ruhig ausklingen

Kaum Bewegung am Freitag, doch der Dax geht mit einem dicken Wochenplus aus einer denkwürdigen Woche. Der letzte Handelstag hat zwar einige Überraschungen parat, Anleger allerdings erteilen der Euphorie eine Absage.
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Frankfurt/DüsseldorfEin neues Allzeithoch zu Beginn der Woche, ein unspektakulärer Handelstag am Freitag: Von der anfänglichen Euphorie an den Aktienmärkten ist zum Wochenende hin wenig zu spüren. Der Dax beendete den Handelstag mit leichten Abschlägen von 0,1 Prozent bei 12.438 Punkten. „Neue Anleger kommen auf dem aktuellen Kursniveau nicht in den Markt. Der Optimismus geht langsam wieder zurück“, sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners zu den weiteren Entwicklungen des deutschen Leitindex.

Und doch: Unterm Strich bleibt ein dickes Wochenplus von mehr als drei Prozent. Der Montag hatte den Leitindex auch auf Monatssicht mit mehr als ein Prozent ins Plus gehievt. Der MDax sank leicht um 0,2 Prozent, für den SDax ging es um moderate 0,1 Prozent nach oben.

Kopfzerbrechen bereitete Investoren am Freitag dagegen die Nordkorea-Krise. „Es besteht die Möglichkeit, dass wir am Ende einen großen, großen Konflikt mit Nordkorea haben“, warnte US-Präsident Donald Trump in einem Reuters-Interview unmittelbar vor Ablauf seiner ersten 100 Tage im Amt. Bei der Umsetzung seiner Wahlversprechen habe Trump nichts vorzuweisen, sagte Anlagestratege Kiran Kowshik. Die Gesundheitsreform des US-Präsidenten war im März an überparteilichem Widerstand gescheitert. Details seiner am Mittwoch vorgestellten Steuerreform sind immer noch unklar.

Plus: Das Bruttoinlandprodukt stieg im ersten Quartal des Jahres und der Präsidentschaft Trumps nur um 0,7 Prozent – statt der von Ökonomen erwarteten 1,2 Prozent. Auch der Konsum in den USA nahm nur minimal zu.„Wir erwarten eine Verbesserung im zweiten Quartal“, sagte jedoch Jim O'Sullivan, der Chef-Ökonom von High Frequency Economics in New York. Der Dow Jones reagierte ebenfalls mit Abschlägen.

Auf die Veröffentlichung der neuesten Inflationsschätzungen für die Eurozone reagierte Anleger kaum. Mit 1,9 Prozent lag sie nahe am EZB-Ziel von knapp zwei Prozent und nährte Spekulationen auf eine raschere Reduzierung der Konjunkturhilfen durch die Notenbank. „Und das kaum 24 Stunden nachdem EZB-Chef Mario Draghi gesagt, dass die Preise voraussichtlich nur langsam steigen werden“, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Der Euro wurde durch die hohe Inflation angekurbelt und legte zuletzt um 0,29 Prozent zum Dollar zu und lag so bei 1,0904.

Darüber hinaus hatten Investoren erneut eine Fülle von Firmenbilanzen zu verdauen. Die Saison verlaufe bisher sehr gut, lobten die Analysten der Bank of America Merrill Lynch. Prognosen würden meist angehoben und der Aufwärtstrend stehe auf breiter Basis. In der vergangenen Woche seien daher 21 Milliarden Dollar frisches Geld in europäische Aktien geflossen – so viel wie zuletzt im Dezember 2015.

Positiv überraschte am Freitag unter anderem die UBS, deren Aktien sich in Zürich dank eines Milliardengewinns um 2,1 Prozent verteuerten. Das Geschäft der Royal Bank of Scotland (RBS) entwickelte zum Jahresauftakt ebenfalls besser als erwartet. RBS-Titel stiegen um 4,7 Prozent auf 265,4 Pence und waren damit Spitzenreiter im Londoner Auswahlindex FTSE.

Im Dax waren Linde mit einem Kursplus von 2,3 Prozent Top-Favoriten. Der Industriegasekonzern steigerte das operative Ergebnis um drei Prozent auf gut eine Milliarden Euro und übertraf damit die Markterwartungen leicht.

Zudem bestätigte die Deutsche Bank Citigroup-Manager James von Moltke als neuen Finanzvorstand. Moltke, bislang auf einem Top-Posten in der Finanzabteilung des US-Instituts, werde im Juli nach Frankfurt kommen, verkündete die Deutsche Bank am Freitag. Damit bestätigten sich Informationen des Handelsblatts. Trotzdem gehörte die Aktie der Bank mit Verlust von 1,3 Prozent zu den größten Verlierern.

Amazon, Microsoft und die Google-Mutter Alphabet überzeugten Investoren dagegen mit ihren Geschäftszahlen. Den beiden ersteren verhalf vor allem ein starkes Cloud-Geschäft zu überraschend starken Gewinn-Zuwächsen. Letztere profitierten vom boomenden Werbegeschäft auf Smartphones und Tablets. Die Aktien der drei Nasdaq-Schwergewichte waren mit 949,59 Dollar, 69,14 Dollar und 916,85 Dollar jeweils so teuer wie nie zuvor.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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