Börse Frankfurt
Dax bleibt in seiner Baisse gefangen

Solange in den USA nicht gehandelt wurde, lag der Dax knapp im Plus. Doch die schwachen US-Börsen nahmen auch dem Leitindex die Kraft. Die Angst vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA lähmt die Akteure.
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FrankfurtDie Schlinge um die USA wird immer enger – die Angst an den Börsen wird gleichzeitig immer größer. Der Dax zeigte am Mittwoch eine unbeständige Performance. Bei insgesamt niedrigem Handelsvolumen dürften vor allem Großaktionäre das Sagen gehabt und die Märkte hauptsächlich bewegt haben. Der Dax schloss heute 0,5 Prozent im Minus auf 8517 Punkten.

Zuvor durchlief der Leitindex eine Berg- und Talfahrt. Schwach gestartet, arbeitete sich der Dax kontinuierlich nach oben. Mit Eröffnung der US-Börsen verpuffte das Plus allerdings schnell wieder. Kurz vor Börsenschluss erlitt der Deutsche Aktienindex dann einen plötzlichen Schwächeanfall, bei dem er um bis zu 0,8 Prozent ins Minus fiel. Einen Grund für die augenblickliche Schwäche des Dax, außer den bereits bekannten Gründen, konnte nicht ausgemacht werden.

In der zweiten deutschen Börsenliga sah es noch schlechter aus. Der MDax verzeichnete ein Minus von 0,8 Prozent auf 14.967 Punkte. Der TecDax notierte ein Prozent leichter auf 1069 Zähler.

Wie in den Tagen zuvor fährt der US-Haushaltsstreit den Börsianern in die Parade. Selbst die Nominierung Janet Yellen als neue Fed-Präsidentin konnte die dunklen Wolken nicht wegschieben, die die drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA über die Börsen zieht. „Die Berufung Yellens zur Fed-Präsidentin ist ein Signal für Kontinuität in der Geldpolitik“, sagte Michael Hewson, Marktanalyst des Brokerhauses CMC Markets. „Darauf reagieren die Märkte positiv.“ Dieser Effekt sei aber nur kurzfristig, warnte wiederum Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank. Schließlich sei eine ultra-lockere Geldpolitik kein Ersatz für tiefgreifende Reformen.

An den Devisenmärkten waren die Auswirkungen der Personalentscheidung deutlicher zu erkennen. Der Euro verlor im Vergleich zum Dollar deutlich an Wert. Am Abend wurde die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,3510 Dollar bewertet und lag damit 0,5 Prozent im Minus.

Weil sich Republikaner und Demokraten im US-Kongress bislang nicht auf einen neuen Etat und die Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar einigen konnten, steuert die weltgrößte Volkswirtschaft auf die Zahlungsunfähigkeit zu. „Alle hatten gedacht, dass die US-Politiker am Ende erwachsen werden“, sagte Tohru Yamamoto, Chef-Rentenstratege bei Daiwa Securities. „Einige Leute gehen aber inzwischen davon aus, dass sie zu kindisch sind, um rechtzeitig erwachsen zu werden.“

Der VDax, der die Volatilität des Dax misst und damit ein Indikator für die Nervosität an den Märkten ist, stieg vor diesem Hintergrund auf den höchsten Stand seit mehr als einem Monat. Mit der kurz vor Handelsschluss verstärkten negativen Marktdynamik raste der Volatilitätsindex um satte 8,1 Prozent ins Plus auf 20,71 Punkte.

Die schwierige Kompromissfindung zwischen Republikaner und Demokraten schlägt sich auch im Markt für Kreditausfallversicherungen, den sogenannten Credit Default Swaps (CDS) nieder. Dort wuchs die Inversion. Mit diesem Begriff bezeichnen Börsianer den Umstand, dass Kreditausfallversicherungen mit kürzeren Laufzeiten mehr kosten als solche mit längeren. Üblicherweise ist es umgekehrt, weil bei längeren Laufzeiten das Risiko unvorhergesehener Ereignisse größer ist. Eine zwölf Monate laufende Versicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets von US-Anleihen verteuerte sich um 7.000 auf 60.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Damit hat sich die Prämie seit Monatsbeginn in etwa verzehnfacht. Bei CDS mit einer Laufzeit von fünf Jahren lagen die jährlichen Gebühren am Mittwoch bei lediglich 38.000 Dollar.

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  • Katsching! Danke, Fed. Nette Kerze im EUR/USD.

  • Der UPler (unterbeschäftigte Prekariatsangehörige) hat seine Bestimmung gefunden - man sollte ihn nicht bestärken in seinem multiplen Sein und Denken, Phantasie-Geschreibsel...
    20:00 kommen die Meeting Minutes. Die Hoffnung auf ein Tauben-Statement i.V.m. Yellens Nominierung sind m.E. der Grund für das intraday-reversal und den Rebound von S1 im Dow. Fällt Prämisse 1, fällt der Dow wieder auf S1. Wird sie bestätigt, sind weitere Kursgewinne in Richtung R1 wahrscheinlich. Wachsam und schnell sein...

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