Börse Frankfurt
Dax ignoriert den Super-Mittwoch

Der Dax hat sich weder von dem Zins-Entscheid der EZB noch der Comey-Anhörung beeindrucken lassen und leicht im Plus geschlossen. Zu den Gewinnern des Tages gehörte überraschend auch Thyssen-Krupp.
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FrankfurtAnleger haben sich am „Super-Donnerstag“ kaum aus der Deckung getraut. Weder die Zins-Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) noch die Parlamentswahlen in Großbritannien oder die Anhörung von Ex-FBI-Chef James Comey in den USA sorgten für große Ausschläge. Dax und EuroStoxx50 gingen mit 0,3 beziehungsweise 0,4 Prozent aus dem Handel und schlossen bei 12.714 und 3564 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen und der Technologiewerte-Index TecDax schlossen dagegen beide im Minus. Der Mdax lag beim Handelsschluss bei 25.159 Punkten, der TecDax bei 2296 Punkten.

Die EZB ließ den Leitzins auf einem Rekordtief von 0,0 Prozent, änderte aber den Zinsausblick weniger deutlich als erwartet. Das drückte den Euro etwas tiefer. Die Gemeinschaftswährung notierte 0,4 Prozent schwächer bei 1,1217 Dollar. Die Währungshüter strichen die zuletzt stets erwähnte Option auf noch niedrigere Zinsen aus ihrem Ausblick. Sie betonten nach der Ratssitzung in der estnischen Hauptstadt Tallinn aber auch, dass die Zinsen weit über die Zeit der Anleihekäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau liegen werden. „Per saldo weist dies auf eine sehr zögerliche Wende der Geldpolitik hin“, sagte Analyst Ralf Umlauf von der Helaba.

Derzeit erwerben die EZB und die nationalen Notenbanken Wertpapiere für 60 Milliarden Euro im Monat. Dieses Programm soll den Währungshütern zufolge noch bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden. Dabei brummt die Wirtschaft in der Euro-Zone: Im ersten Quartal wuchs sie mit 0,6 Prozent doppelt so stark wie die weltgrößte Volkswirtschaft USA. Anleger erhoffen sich nun von der Pressekonferenz mit EZB-Chef Mario Draghi weitere Hinweise auf die Geldpolitik.

Als zweiter wichtiger Termin des Tages war die Anhörung des ehemaligen FBI-Chefs James Comey vor dem Geheimdienstausschuss angesehen worden, die bis nach Handelsschluss andauerte. Dort sagte Comey, Trumps Verlangen, das Verfahren gegen den ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn im Zuge der Russland-Ermittlungen einzustellen, habe ihn verwundert. Trump habe dies zwar nicht angeordnet. Allerdings habe er dessen Worte so verstanden, dass das Verfahren eingestellt werden solle, sagte der EX-FBI-Chef. Trump wies einem Insider zufolge die Vorwürfe Comeys zurück. Auch hier zeigte der Dax kaum eine Reaktion. Zwar näherte sich der Dax zu Beginn seines Tages dem Tageshöchstwert von 12.740 Punkten, ließ dann aber wieder nach.

An den Devisenmärkten setzten Anleger nach jüngsten Umfragen auf einen Sieg von Premierministerin Theresa May, das Pfund Sterling notierte kaum verändert. Optionen zur Absicherung gegen Kursausschläge der Währung fanden aber reißenden Absatz. Sollten die Konservativen um May ihre absolute Mehrheit ausbauen, rechnen Börsianer mit einer Erleichterungsrally beim Pfund. Fangen die politischen Gegner aber mehr Stimmen ein als erwartet, könnte das Mays Position bei den anstehenden Brexit-Verhandlungen verschlechtern. Investoren werden erst in der Nacht zum Freitag auf das Ergebnis reagieren können. Denn die Wahllokale sind bis 23.00 Uhr MESZ geöffnet. Daher haben Banken und Broker den Nachtdienst aufgestockt.

Im Dax eroberten die Aktien von Eon mit einem Kursplus von 4,2 Prozent die Spitze., nachdem am Vortag das Bundesverfassungsgericht die Brennelementesteuer der Bundesregierung gekippt hatte. Auch die Aktie von RWE stieg am Donnerstag noch einmal um 2,3 Prozent. Zu den Gewinnern des Tages gehörte auch ThyssenKrupp mit einem Kursplus von 3,6 Prozent. Insidern zufolge gab es im Streit um den Bau von fünf Korvetten für die Bundeswehr eine Einigung. Thyssen Krupp, Lürssen und German Naval Yards wollen Industriekreisen zufolge bei dem ursprünglich auf 1,5 Milliarden Euro dotierten Auftrag zusammenarbeiten.. Zudem profitierte die Thyssen-Aktie von einer Hochstufung durch Analysten von Credit Suisse.

Der Ausstieg des langjährigen Großaktionärs Kinnevik bei Rocket Internet drückte die Aktien der Berliner Start-Up-Schmiede im SDax mit rund 2 Prozent ins Minus. Die Beteiligungsgesellschaft hatte sich von 10,9 Millionen Rocket-Aktien zum Stückpreis von 20 Euro getrennt.

Die Aktien von Heidelberger Druck jedoch gewannen nach der Vorstellung einer neuen Wachstumsstrategie an der SDax-Spitze gut 5 Prozent. Der Druckmaschinenbauer will weiter durch technologischen Vorsprung und den digitalen Wandel punkten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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