Börse Frankfurt
Dax legt erneut deutlich zu

Die Panik an den europäischen Aktienmärkten nach dem Brexit-Schock scheint verflogen. Die Kuh, die Angst vor wieder deutlich fallenden Kursen, ist aus Sicht von Börsianern aber noch lange nicht vom Eis.

FrankfurtDer Dax hat sich am Mittwoch weiter vom Brexit-Schock erholt. Derzeit würden die Sorgen wegen des britischen Votums gegen die EU-Mitgliedschaft etwas aufgeschoben, sagte Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UKT. Zum Handelsschluss gewann der deutsche Leitindex 1,75 Prozent auf 9612 Punkte, nachdem er bereits am Dienstag fast zwei Prozent zugelegt hatte. Unmittelbar dem nach Brexit-Votum war er um knapp zehn Prozent eingebrochen.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen schloss am Mittwoch mit plus zwei Prozent auf 19 664 Punkte nahe an seinem Tageshoch. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 1,83 Prozent auf 1583 Punkte und der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 erholte sich um weitere 2,53 Prozent auf 2828 Punkte.

Die Unsicherheit über die Brexit-Folgen schwebt laut Hewson nach wie vor über den Märkten. Es scheine aber zunächst so, als ob die Investoren Zeit hätten, sich mit der neuen Realität anzufreunden. Denn die Briten zeigten keine Anstalten, schon in Kürze den offiziellen Austrittsantrag zu stellen. Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets sieht dies kritisch: „Umso länger die Briten die Einreichung des formellen Austrittsgesuchs hinauszögern, desto größer könnte am Ende der realwirtschaftliche Schaden werden.“

Auch Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Hessen-Thüringen äußerte sich mit Blick auf die jüngste Erholung skeptisch. Nach dem dynamischen Ausverkauf infolge des Brexit sei eine Erholungsbewegung fällig gewesen. Doch „so schön dieses Kursplus im ersten Moment auch anmuten mag, mehr als eine technische Reaktion innerhalb eines überverkauften Marktumfelds war es nicht. Die Unsicherheiten bleiben groß.“

Am Mittwoch richteten sich die Blicke auf die Tagung von 27 EU-Chefs. Thema dieses Treffens ohne Großbritannien ist vor allem die Zukunft Europas. EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte bereits am Dienstag ankündigt, dass er im September ein erneutes Gipfeltreffen der Chefs plant - wieder ohne Großbritannien. Laut Diplomaten wird vom scheidenden Premierminister David Cameron erwartet, spätestens bis dann Klarheit über den britischen Austrittskurs zu schaffen.

Im Dax setzten die Versorgeraktien ihre Erholungsrally fort: Eon und RWE eroberten mit Kursgewinnen von 4,5 beziehungsweise vier Prozent vordere Plätze. Nicht gerade schaden dürfte den Branchentiteln, dass die Bundesregierung im Klimaschutzplan 2050 wohl auf konkrete Ziele für den Kohleausstieg verzichtet - entgegen einem früheren Entwurf. Dagegen verloren die Anteilsscheine der Lufthansa wegen weiter steigender Ölpreise 0,3 Prozent. Auch die Commerzbank-Titel gaben 1,67 Prozent nach und waren am Mittwoch der größte Verlierer.

Adidas und Puma trotzten schwachen Zahlen von US-Konkurrent Nike: Während die schon seit Jahresbeginn gut gelaufenen Adidas-Titel 2,4 Prozent gewannen, ging es für Puma um 2,5 Prozent hoch. Ein Händler wollte keine vorschnellen Rückschlüsse für die deutschen Unternehmen ziehen. Es sehe eher nach einer Schwäche bei Nike aus, während es bei Adidas gut laufe.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen von minus 0,21 Prozent am Vortag auf aktuell minus 0,23 Prozent. Damit liegt die Rendite wieder auf dem am Montag erreichten Rekordtief. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 143,88 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,02 Prozent auf 166,78 Punkte. Der Kurs des Euro stieg: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1090 (Dienstag: 1,1073) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9017 (0,9031) Euro.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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