Börse Frankfurt
Dax rutscht unter 7200 Punkte

Der deutsche Aktienmarkt ging den dritten Tag auf Talfahrt. Die angespannte politische Lage im Ölstaat Libyen machte die Anleger nervös. Viele trennten sich von ihren Aktien. Nur Fresenius und Merck waren gefragt.
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FrankfurtDie politischen Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten haben am Mittwoch den deutschen Aktienmarkt ein weiteres Mal belastet. Der Dax gab den dritten Tag in Folge nach und rutschte unter die Marke von 7200 Punkten. Mit einem Abschlag von 1,69 Prozent auf 7194,60 Punkte ging der deutsche Leitindex aus dem Handel. Der MDax büßte 1,77 Prozent auf 10 122,33 Punkte ein und der TecDax gab um 2,05 Prozent auf 881,00 Punkte nach. „Das alles beherrschende Thema ist die Entwicklung in Libyen“, sagte ein Händler. Sollten die Öllieferungen aus der arabischen Welt stärker ins Stocken kommen, sei die Erholung der Weltkonjunktur bedroht. „Und für neue Konjunkturprogramme haben die Staaten dieses Mal – anders als 2008 – kein Geld“, fügte er hinzu.

Die Helaba sieht den Dax derzeit charttechnisch angeschlagen. Der deutsche Leitindex sei aus seinem Aufwärts-Trendkanal nach unten ausgebrochen und die deutlichen Kursverluste zu Wochenbeginn hätten die Verunsicherung am Markt bestätigt, sagte Marktstratege Christian Schmidt der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. „Schließt der Index heute nochmals mit Verlusten, wäre das eine Bestätigung des Ausbruchs, was weitere Rückschläge wahrscheinlicher machen würde.“ Bei rund 7140 Punkten stoße der Dax allerdings auf eine markante Unterstützung. So lange diese halte, bleibe der übergeordnete, längerfristige Aufwärtstrend intakt.

Für Schmidt kommt die derzeitige Kursschwäche nicht überraschend. Zuletzt sei es oft mit rückläufigen Umsätzen nach oben gegangen, was „nicht idealtypisch“ für eine nachhaltige Aufwärtsentwicklung sei. Der Analyst wollte die Korrekturbewegung aber auch nicht überbewerten: „Nach dem Dreijahreshoch am vergangenen Freitag ist das prozyklisch immer noch in Ordnung.“

Da die Investitionsquoten insbesondere der institutionellen Anleger bereits sehr hoch seien, sehe er allerdings schon viele Erwartungen eingepreist, was das positive Überraschungspotenzial begrenze. Der Dax notiere zudem deutlich über der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie. Politische Ereignisse wie ein Rücktritt des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi könnten dem Markt laut Schmidt zwar kurzfristig einen Schub geben. „Aber die Unsicherheit darüber, was danach kommt, bliebe im Markt“, sagte er.

Die Revolte gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi hievte den Preis für das US-Öl WTI mit 97,97 Dollar je Fass zeitweise auf den höchsten Stand seit Oktober 2008. Nordsee-Öl erreichte mit 109,80 Dollar ebenfalls ein neues 2-1/-Jahres-Hochs. Am Aktienmarkt trafen die Folgen vor allem die in Wien notierten Aktien des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV, die über fünf Prozent einbrachen. Das Unternehmen fürchtet einen zeitweiligen Totalausfall seiner Produktion in Libyen.

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