Börse Frankfurt
Dax schließt im Minus

Die Furcht vor den Folgen eines Brexits hat den Aktienmarkt nach der zwischenzeitlichen Erholung in der vergangenen Woche wieder eingeholt. Hinzu kamen am Dienstag Sorgen um das italienische Bankensystem.

FrankfurtDie Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des Brexits hat die europäischen Anleger am Dienstag wieder eingeholt. Sie drückte den Kurs des Pfund Sterling auf ein 31-Jahres-Tief von 1,3018 Dollar. Dax und Euro Stoxx 50 verloren jeweils knapp zwei Prozent auf 9532 und 2812 Punkte.

Verstärkt wurde die Verunsicherung der Investoren durch die Krise des italienischen Bankensektors, der auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite sitzt. „Italien könnte ein größeres Risiko für die Stabilität der Euro-Zone sein als der Brexit“, warnte Andrew Edward, Chef des Brokerhauses ETX Capital. Das Land habe nach der Lehman-Pleite 2008 seine Hausaufgaben nicht gemacht und den Finanzsektor nicht reformiert. Auch Konstantin Oldenburger, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, äußerte sich kritisch. „Der EU-Banken-Stresstest Ende des Monats könnte hier weitere Löcher und Schwächen der einzelnen Banken aufdecken.“

Größtes Sorgenkind ist weiterhin Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS). Die faulen Kredite des ältesten Geldhauses der Welt stünden mit überhöhten Werten in der Bilanz, sagte ETX-Experte Edwards. Daher sei es schwierig, sich ihrer zu entledigen und frisches Kapital aufzutreiben. BMPS-Aktien rutschten um knapp 20 Prozent ab und schlossen auf einem Rekordtief von 0,2652 Euro.

Aber auch die größte italienische Bank, die HVB-Mutter Unicredit, benötigt Analysten zufolge zusätzliches Geld. Peter Garnry, Chef-Aktienstratege der Saxo Bank, taxiert den Bedarf auf acht Milliarden Euro. Unicredit fielen zunächst auf ein Rekordtief von 1,79 Euro, schlossen dank einer Kaufempfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs allerdings um 0,7 Prozent im Plus.

Bestätigt sahen sich die Konjunkturpessimisten von Aussagen des britischen Notenbankchefs Mark Carney. Er warnte vor gravierenden Folgen des Brexit für die Wirtschaft auf der Insel. Gleichzeitig lockerte er die Kapitalvorschriften für die Geschäftsbanken, damit diese die Krise besser meistern. Nun stehen den Geldhäusern insgesamt 150 Milliarden Pfund (176 Milliarden Euro) zusätzlich zur Verfügung, die sie zum Beispiel als Kredite vergeben können.

Diese Ankündigung hievte den FTSE 0,4 Prozent ins Plus. Immobilienwerte wie Berkeley, Barratt oder Taylor Wimpey brachen dagegen um bis zu 9,8 Prozent ein. Die Geschäfte der Branche liefen im Juni so schlecht wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Am Rohstoffmarkt waren die Pessimisten ebenfalls in der Überzahl. Wegen Spekulationen auf eine geringere Nachfrage verbilligte sich die richtungsweisende Öl-Sorte Brent aus der Nordsee um 4,1 Prozent auf 48,04 Dollar je Barrel (159 Liter). Das wichtige Industriemetall Kupfer büßte 1,7 Prozent auf 4810 Dollar je Tonne ein.

Vor diesem Hintergrund erfreuten sich vermeintlich sichere Anlagen weiterhin großer Beliebtheit. Die „Antikrisen-Währung Gold hielt sich mit 1350,16 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) in Reichweite ihres Zwei-Jahres-Hochs. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf ein Rekordtief von minus 0,186 Prozent. Schweizer Bonds sind ein noch größeres Verlustgeschäft. Am Dienstag rentierten sogar die Papiere mit einer Laufzeit von 50 Jahren erstmals unter null Prozent.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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