Börse Frankfurt
Dax verdient sich mit Allzeithoch langes Wochenende

In Hoffnung auf einen starken US-Arbeitsmarktbericht trieben die Anleger den Dax am Freitag überraschend auf ein neues Allzeithoch. Als die Zahlen dann rauskamen, enttäuschten sie. Doch der Leitindex hielt sich oben.
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FrankfurtUnd plötzlich ist das Allzeithoch da – egal, wie die so wichtigen Konjunkturdaten letztlich ausgefallen sind. Nach drei Wochen lahmen und zähen Handels sind die Börsianer kurz vor dem langen Wochenende scharenweise aufs Parkett geströmt. Im US-Arbeitsmarktbericht fanden die Börsianer den Impuls, den sie so lange gesucht hatten. Und auch wenn die amerikanischen Zahlen am Freitagnachmittag letztlich enttäuschten, fegte ein frischer Wind durch den Handelssaal, beendete die Lethargie der vergangenen Wochen und hievte den Dax in neue Höhen. Schon am Mittag war der Deutsche Aktienindex auf eine neues Allzeithoch von 12.878 Punkten geklettert. Am Ende ging er 1,2 Prozent fester bei 12.821 Zählern ins Wochenende, schwache US-Jobzahlen hatten ihm im Späthandel den Wind etwas aus den Segeln genommen.

Auch auf den anderen europäischen Märkten herrschte große Kauflaune, die zum Ende hin etwas nachließ. Der Euro-Stoxx-50 legte 0,6 Prozent zu auf 3587 Zähler. Tokio hatte die dicken Aufschläge schon vorgemacht. Richtig durchstarten tat der Dax dann aber doch nicht, denn das entscheidende Detail fehlte: Ein starker Arbeitsmarktbericht. Der offizielle Job-Report aus dem US-Arbeitsministerium – Höhepunkt im monatlichen Konjunkturkalender – blieb im Mai deutlich hinter den Erwartungen. Im vergangenen Monat hat die US-Wirtschaft außerhalb der Landwirtschaft 138.000 neue Arbeitsstellen geschaffen, Experten hatten im Schnitt mit 185.000 neuen Jobs gerechnet. Die Werte für März und April wurden nach unten korrigiert. Dabei hatte der am Donnerstag veröffentlichte Bericht des privaten Arbeitsvermittlers ADP noch positiv überrascht und das Erwachen des Dax aus dem Dornröschenschlaf überhaupt erst in Gang gesetzt. Diese Hoffnung wurde nicht erfüllt.

Ihre herausragende Bedeutung haben die Jobzahlen vor allem wegen des Blicks auf die US-Zinsen. Denn die amerikanische Notenbank Federal Reserve macht ihre Geldpolitik maßgeblich von der Situation auf dem Arbeitsmarkt abhängig – und der floriert. Bei einer Arbeitslosenquote von unter fünf Prozent sehen die Währungshüter bereits Vollbeschäftigung. Dementsprechend hoch ist der Druck auf der Fed, das monetäre Umfeld zu straffen – ohne jedoch die Dynamik der Wirtschaft auszubremsen.

Dass die Fed auf ihrer Sitzung in zwei Wochen die Leitzinsen anheben wird, gilt als nahezu ausgemachte Sache. Aussagen wie die des Fed-Gouverneurs Jerome Powell, wonach die US-Wirtschaft den Zielen der Notenbank inzwischen so nahe sei wie seit Jahren nicht mehr, untermauern diese Einschätzung. Es wäre der zweite Zinsschritt des Jahres, gerechnet wird mit einer Erhöhung um die üblichen 25 Basispunkte auf dann 1,25 Prozent. Für den Juni-Entscheid dürfte der Job-Report keinen großen Einfluss haben. Die Zahlen fielen zwar schwächer aus, blieben aber im Rahmen.

Ein Blick auf die Terminmärkte verrät: Nicht wenige Marktteilnehmer halten sogar eine dritte Erhöhung des Schlüsselsatzes bis Jahresende für möglich. Das ist abhängig davon, wie schnell die Fed eine Normalisierung der Geldpolitik forcieren kann – und will. Starke Konjunkturdaten jedenfalls erhöhen das Vertrauen der Börsianer in den eingeschlagenen Pfad. In den nunmehr acht Jahren Aktienhausse war die Geldflut der Notenbanken d i e Triebfeder für das stetige Steigen der Aktienkurse. Die Märkte befinden sich in einer Phase des Übergangs.

In Reaktion auf die schwachen Jobzahlen gab es einen Knick in der europäischen Performance. Der Dax büßte einen Teil seines dicken Plus' ein, doch fiel der Aufschlag mit mehr als einem Prozent immer noch sehr freundlich aus. Auf Wochensicht bleibt eine Performance von 1,7 Prozent. Die Wall Street konnte am späten Nachmittag nicht noch mal anschieben. Zwar rückten die Leitindizes weiter vor, aber in vernachlässigbaren Schritten. Der Dow-Jones-Index legte gerade einmal fünf Punkte zu auf 21.148 Zähler. Bei 21.169 Punkten ist die aktuelle Bestmarke vermerkt, erreicht am 1. März. Der S&P-500 bewegte sich mit 2430 Punkten kein Stück weg. Lediglich bei der Technologiebörse Nasdaq konnte man mit einem Plus von 0,2 Prozent und einem Stand von 6256 Punkten immerhin von etwas Bewegung sprechen.

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