Börse Frankfurt
Der Dax schließt unter der 6.300 Punkte-Marke

Wieder ein Tag voller Hiobsbotschaften in der Euro-Zone: Spanien hat größte Probleme, seine Bankenkrise zu meistern, Griechenland steht weiter vor der Pleite und Italien kann sich nur mit Mühe Geld leihen.
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DüsseldorfEine Fülle negativer Nachrichten aus den hoch verschuldeten Ländern der Euro-Zone sowie schwache US-Daten haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch kräftig ins Minus gedrückt.

Der Dax beschleunigte in der letzten Handelsstunde seine Talfahrt und beendete den Handel mit einem Minus von 1,8 Prozent auf 6.280 Punkte. Der MDax gab um zwei Prozent auf 10.208 Zähler nach und der TecDax verlor 1,8 Prozent auf 751 Punkte.

„Die Euro-Krise hat die Märkte wieder voll im Griff“, sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Spanien habe massive Probleme, was sich daran zeige, dass das Land seine Einsparziele vor 2014 nicht in den Griff bekomme. „Fundamentale Faktoren werden derzeit am Markt komplett ausgeblendet“, so Halver. Die Politik müsse nun sofort zu einer Lösung kommen, mit einer Stimme sprechen und klare Rettungswege aus der Krise aufzeigen.

Belastend wirkte am Nachmittag vor allem der Rückgang der schwebenden Häuserverkäufe in den USA, der mit minus 5,5 Prozent, ganze 5,4 Prozent schlechter ausfiel als erwartet.

Überschattet wurde der Handelstag durch die Angst vor der Eskalation im spanischen Bankensektor. Die besorgten Anleger haben die Kreditausfallversicherungen auf ein Rekordhoch getrieben. Fünfjährige Swaps zur Versicherung von spanischen Staatsanleihen stiegen um 21 Basispunkte auf 579 Basispunkte, wie der Datenanbieter Markit mitteilte. Damit beliefen sich die Kosten für die Versicherung von Anleihen über zehn Millionen Euro auf 579.000 Euro. Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen stieg in der Spitze bis auf 6,606 Prozent. Der spanische Leitindex rutschte mit einem Abschlag von bis zu 2,2 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als neun Jahren.

Genauso kletterten die italienischen CDS um 16 Basispunkte auf 532 Basispunkte. Die Rendite der italienischen zehnjährigen Bonds pendelte um die Sechs-Prozent-Marke. Italien hat fünf- und zehnjährige Anleihen im Volumen von 5,73 Milliarden Euro verkauft und musste den Anlegern dafür höheren Zinsen zahlen als zuletzt. Das sehe alles nicht so klasse aus, sagte ein Händler. "Die Renditen sind gestiegen, der maximale Betrag wurde nicht abgesetzt und die Überzeichnung war dünn."

Für weitere Verunsicherung sorgte auch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der bevorstehenden Geldspritze für die spanische Großsparkasse Bankia nach eigener Darstellung vorab nicht von der Regierung in Madrid konsultiert wurde. Die EU erwägt derzeit eine direkte Bankenrekapitalisierung durch den ESM. Sie regt in dem Bericht zur Schuldenkrise an, dem Rettungsfonds ESM die Möglichkeit zu verschaffen, strauchelnde Banken direkt mit frischem Kapital zu versorgen.

Außerdem ist das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone so schlecht wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr. Das Barometer fiel im Mai um 2,3 auf 90,6 Punkte, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. Das ist der schlechteste Wert seit Oktober 2009, als die Finanzkrise für eine schwere Rezession in der Währungsunion sorgte. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 92,0 Zähler gerechnet. "Die Zuversicht ist in allen Wirtschaftszweigen zurückgegangen, besonders in der Industrie und im Einzelhandel", schrieb die EU-Kommission. Das Verbrauchervertrauen hellte sich dagegen auf.

Das separat ermittelte Geschäftsklima in der Euro-Zone ist ebenfalls so schlecht wie seit rund zweieinhalb Jahren nicht mehr. Das Barometer fiel um 0,26 Punkte auf minus 0,77 Zähler. Das ist der schlechteste Wert seit Dezember 2009.

Als schlechtes Omen werteten Börsianer auch den schwachen Euro, der mit 1,2423 Dollar auf den niedrigsten Stand seit Anfang Juli 2010 fiel.

Die Neuigkeiten aus China waren ebenso wenig geeignet, die Laune an den Märkten zu heben. Denn in China dämpften einflussreiche Ökonomen die Spekulationen auf ein Konjunkturprogramm. Derzeit gehe es um die Stabilisierung des Wachstums und nicht darum, die Konjunktur wie 2008 mit einem massiven Stützungsprogramm anzukurbeln, hieß es in einem von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Bericht.

Auf der Suche nach Sicherheit griffen einige Investoren daher erneut zu Bundesanleihen. Der Bund-Future kletterte auf ein Rekordhoch von 144,62 Punkten. Andere Anleger wandten sich der Weltleitwährung zu. Der Dollar-Index stieg auf ein 20-Monats-Hoch von 82,67 Zählern. Der Euro war mit 1,2450 Dollar zeitweise so billig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Auch die Rendite zehnjähriger US-Bonds ist auf den niedrigsten Stand seit mindestens 60 Jahren gefallen. Die Papiere wurden zeitweise nur noch mit 1,673 Prozent verzinst. Händlern zufolge haben die sich zuspitzenden Probleme im spanischen Bankensektor die Flucht in vermeintlich sichere Häfen wie US-Anleihen verstärkt.

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  • Als Trader bist Du immer gestraft. Doch sobald sich das Garn entspinnt...Wie auch immer, das gap-close sahen wir auch heute beim DAX.

  • Unlogisch: Warum tun Sie es dann? Aber Logik ist ja nicht jedermanns Sache, zumal das auditorium maximum für Sie nur ein gaudi max gewesen zu sein scheint.

  • d1: Ich denke, Sie sind gestraft genug mit sich selbst. Da muss ich nichts mehr zu sagen.

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