Börse Frankfurt
Die Konjunkturoptimisten triumphieren

Starke deutsche Exportzahlen zeigen, dass die Weltwirtschaft auf breiteren Füßen steht. Das treibt den Dax wieder über die 12.400-Punkte-Marke. Mit der anlaufenden Berichtssaison kommt die wahre Prüfung aber erst noch.
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FrankfurtDer Glaube an die Konjunktur hat Europas Aktien einen freundlichen Wochenstart beschert. In Frankfurt ähnelte der bisherige Montagshandel ziemlich genau dem der vergangenen Woche. Auch heute eröffnete der Leitindex mit einem Sprung über die 12.400-Punkte-Marke und beendete den Handel nach einer kleinen Schwächephase bei 14.446 Punkten - ein Plus von 0,9 Prozent. Auch der Euro Stoxx 50 zeigt denselben Verlauf und ging mit einem Plus von 0,5 Prozent aus dem Handel.

Anleger hoffen, dass die bald anlaufende Berichtssaison für weitere Bewegung sorgen kann. Von der gab es in den vergangenen Wochen nämlich wenig: Der Juni brachte Verlust, die erste Juni-Woche ein kleines Plus von knapp 50 Punkten. Vom zwischenzeitlichen Allzeithoch von 12.952 Punkten ist man in Frankfurt weit entfernt – vor allem gefühlt. Und als vor zwei Wochen einige wenige Worte Mario Draghis auf einer EZB-Konferenz ausreichten, nicht wenige Akteure die geldpolitische Gezeitenwende vor Augen haben zu lassen, gerieten die Aktienkurse nicht nur ins Stottern, sondern ins Straucheln.

Da wird neuer Input gerne angenommen, auch wenn für diese Woche lediglich einige amerikanische Titel und Leichtgewichte aus der zweiten Frankfurter Garde ihrer Bücher öffnen. Kommt die Bilanzsaison auf Touren, wird sich zeigen, ob die Unternehmen mit den Kursen Schritt halten konnten. Fragt man Merck-Finck-Chefstratege Robert Greil, rechnet der gerade bei europäischen Firmen mit guten Berichten. „Allerdings spiegeln dies auch die Markterwartungen weitgehend bereits wider“, sagt Greil. „Daher werden insbesondere die Ausblicke auf den weiteren Jahresverlauf auf großes Interesse stoßen.“

Das Hoffen auf starke Halbjahreszahlen fand seine Argumente in den starken Exportzahlen der deutschen Wirtschaft. Die Ausfuhren der Bundesrepublik waren im Mai unerwartet stark gestiegen. Wie das statistische Bundesamt in Wiesbaden bekannt gab,kletterte das Volumen um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat, Ökonomen hatten lediglich mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet. Mit einem Auslandsverkauf von Waren im Wert von 110,6 Milliarden Euro betrug das Plus zum Vorjahreszeitraum ganze 14,1 Prozent. Mit dem fünften Monat infolge, indem die Exporte zulegten, befindet sich die deutsche Wirtschaft in einem Trend, der zuletzt vor elf Jahren solange hielt.

Was zur Freude auf dem Parkett stimmt: Die Nachfrage nach deutschen Produkten steigt nicht nur in einer Region, global gesehen zieht die Konjunktur an, um es mit Draghis vielbeachteten Worten zu sagen: Sie steht auf breiten Füßen. Kevin Heidenreich, Außenwirtschaftsexperte der DIHK kommentiert: „In China und Nordamerika wachsen die Volkswirtschaften stabil. Auch die Euro-Zone zeigt sich in guter Verfassung.“ Auch die Importe stiegen mit 1,2 Prozent stärker an als prognostiziert.

Carsten Brzeski von der ING: „Eine starke Binnennachfrage gibt es schon länger. Aber auch die langjährigen Wachstumsmotoren - Industrieproduktion und Exporte - beginnen an Dynamik zu gewinnen.“ Im Hinterkopf aber blieben Brzeski zufolge der Brexit und die Wechselkursempfindlichkeit der deutschen Ausfuhren. Durch die Geldpolitik der nächsten Monate könnte der Euro-Kurs zu Belastung werden.

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