Börse Frankfurt
Katar-Krise macht die Anleger nervös

Arabische Staaten brechen den Kontakt zu Katar ab, Experten warnen vor einer Eskalation. Auf dem deutschen Aktienmarkt sorgt das für Unsicherheit: Anleger suchen sichere Anlagen und lassen den Dax abrutschen.
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FrankfurtDie Krise im Nahen Osten hat Börsianer in als sicher geltende Anlagen getrieben. Gefragt waren am Dienstag vor allem Gold und deutsche Bundesanleihen, die Kurse an den europäischen Aktienmärkten gaben dagegen nach. Auch der Ölpreis geriet zeitweise unter Druck. „Der Fokus der Anleger ist in dieser Woche wieder ganz auf die geopolitischen Risiken gerichtet“, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Dass mehrere Golf-Staaten so plötzlich die Beziehungen mit Katar abbrechen, kam völlig unerwartet.“

Vor diesem Hintergrund gingen Investoren auf Nummer sicher und machten Kasse, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. Der Dax verlor ein Prozent und ging mit 12.690 Punkten aus dem Handel. Der Euro Stoxx 50 gab 0,8 Prozent nach.

Einige Anleger griffen zu den als sicher geltenden Bundesanleihen und drückten die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Sieben-Wochen-Tief von 0,25 Prozent. Die „Antikrisen-Währung“ Gold war mit 1295 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt vor knapp zwei Monaten.

Am Montag hatten unter anderem Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten ihre Verbindungen zu Katar gekappt. Sie beschuldigen das Emirat, Terror-Organisationen zu unterstützen. Katar weist die Anschuldigungen zurück. „Dass mehrere Golf-Staaten so plötzlich die Beziehungen mit Katar abbrechen, kam völlig unerwartet“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Die Aktienbörse Katars fiel am Dienstag auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 8965,61 Punkten und büßte damit binnen zwei Tagen rund zehn Prozent ein. An der Osloer Börse gaben Norsk Hydro 1,3 Prozent nach. Der norwegische Aluminium-Hersteller ist an einer Aluhütte in Katar beteiligt. Die British Airways-Mutter IAG, Großaktionärin von Qatar Airways, büßte in London 0,7 Prozent ein.

Unter Druck geriet auch der Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee gab zeitweise ein Prozent auf 49 Dollar je Barrel (159 Liter) nach. Börsianern zufolge befürchten Anleger, dass die kürzlich verlängerte Förderbremse nun zur Disposition stehe. Oystein Berentsen, Geschäftsführer des Ölhändlers Strong Petroleum, bezeichnete diese Spekulationen als unbegründet. „Das Opec-Abkommen steht und es ist unwahrscheinlich, dass sich das wegen der Spannungen mit Katar ändert.“

Börsianer führten die Suche nach weniger riskanten Anlagen auch auf andere wichtige Termine in dieser Woche zurück. So steht am Donnerstag neben der Unterhauswahl in Großbritannien und der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Anhörung von Ex-FBI-Chef James Comey an.

Als sicher gilt an der Börse, dass die EZB die Aussichten für die Konjunktur optimistischer beurteilen wird. Zudem werde sie wohl keine Zinssenkungen mehr in Aussicht stellen, schrieb BayernLB-Analyst Manuel Andersch in einem Kommentar. Die von manchen erhofften Signale für eine weitere Drosselung der EZB-Wertpapierkäufe seien dagegen nicht zu erwarten. Der Euro stagnierte bei 1,1253 Dollar.

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