Börse Frankfurt
Milliardenhilfe für Irland überzeugt nicht – Dax fällt tief

Nachdem der Dax kurzzeitig auf ein neues Jahreshoch geklettert ist, ging es bis zum Handelsende deutlich abwärts. Der Dax verliert heute mehr als zwei Prozent. Das Milliardenpaket für Irland beruhigt die Anleger nicht. Alle schauen mit bangem Blick auf Portugal. Vor allem Finanzwerte verlieren.
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HB FRANKFURT. Hohe Verluste an der Frankfurter Börse: Die als Beruhigungspille für die Finanzmärkte gedachte Milliardenhilfe für Irland hat nicht lange gewirkt. Der Dax sackte am Montag um 2,2 Prozent auf 6 697 Punkte ab, nachdem er im frühen Handel noch auf ein neues Jahreshoch von 6 907 Punkten gestiegen war. "Die Furcht vor weiteren Staatspleiten ist größer als die Erleichterung über das Rettungspaket für Irland", sagte ein Händler. Die Nervosität der Anleger spiegelte sich auch im Volatilitätsindex VDax, der um mehr als zwölf Prozent auf den höchsten Stand seit September sprang.

Der bange Blick der Investoren richtete sich Börsianern zufolge vor allem gen Portugal. Die Aussagen des US-Ökonoms Nouriel Roubini, wonach eine Rettung Portugals durch EU-Hilfen immer wahrscheinlicher werde, hätten für große Verunsicherung gesorgt, hieß es. Der einstige US-Regierungsberater sagte der portugiesischen Tageszeitung "Diario Economico", Irland und Griechenland hätten auch zunächst darauf bestanden, keine Hilfen zu benötigen. Der Euro blieb unter Druck und rutschte um mehr als anderthalb US-Cent auf knapp unter 1,31 Dollar ab. Keiner der 30 Dax-Werte schloss im positiven Terrain. Der EuroStoxx50 rutschte um 2,2 Prozent ab. Die US-Börsen verzeichneten ebenfalls Verluste.

Vor allem Finanztitel gerieten in Europa unter die Räder. Die Papiere von Deutsche Bank fielen um rund drei Prozent, Commerzbank verbilligten sich um 2,2 Prozent. Der europäische Index der Bankenwerte verlor rund 1,1 Prozent. Am Morgen war der Finanzsektor zunächst auf Erholungskurs gegangen, nachdem sich die EU-Finanzminister am Wochenende darauf geeinigt hatten, der Regierung in Dublin mit 85 Milliarden Euro unter die Arme zu greifen. Verständigt haben sich die EU-Staaten auch auf einen permanenten Mechanismus zur Krisenabwehr. Ab 2013 ist demnach von Fall zu Fall eine private Gläubigerhaftung geplant, wenn Staaten in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Das gab den irischen Kreditinstituten Rückenwind: Die Titel der Bank of Ireland kletterten um rund 15 Prozent, Allied Irish Banks gewannen rund vier Prozent.

Größter Verlierer im Dax waren die Papiere von MAN mit einem Minus von vier Prozent auf 90,59 Euro. Händlern zufolge hatte die Bank of America/Merrill Lynch die Aktien von ihrer "Europe 1 Focus List" genommen, das Kursziel allerdings auf 105 von 93 Euro erhöht. Das weitere Aufwärtspotenzial hänge unter anderem von einer möglichen engeren Kooperation mit Scania ab, zitierten Börsianer aus der Kurzstudie. Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass die beiden Konzerne ein engeres Zusammenrücken ausloten. Die Titel von ThyssenKrupp verzeichneten einen Abschlag von 3,7 Prozent.

Im MDax machten Hochtief von sich reden: Die Finanzaufsicht BaFin will in Kürze ihre Entscheidung zum Übernahmeangebot von ACS für den deutschen Bauriesen vorlegen. Hochtief versucht seit Wochen, die Annäherung des spanischen Großaktionärs abzuwehren. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte berichtet, die BaFin könnte die Offerte abschmettern und Hochtief damit in letzter Minute vor einer feindlichen Übernahme bewahren. Die Situation sei sehr unübersichtlich und setze die Aktien unter Druck, sagte ein Händler. Die Papiere fielen um 6,2 Prozent auf 55,93 Euro.

Auch die Postbank-Titel büßten 6,6 Prozent ein. Die Tage der Aktien im MDax dürften wegen eines zu geringen Streubesitzes nach der Mehrheitsübernahme durch die Deutsche Bank gezählt sein. Analysten sehen Deutsche Wohnen als potenziellen Nachrücker, deren Aktien um 4,3 Prozent anzogen.

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  • Das Finanzsystem zweifelt mittlerweile nicht mehr nur an einzelnen (Krisen-)Ländern, es zweifelt an Europa als Ganzheit. Wie bereits mehrfach gewarnt, überschlagen sich nun die Ereignisse und wir stehen vor einem Systemcrash, der nur Verlierer kennen wird. Trotz 85-Milliarden-Paket für irland beruhigen sich die Märkte - wie abzusehen war - nicht. Der Außenwert des Euros verfällt weiter, die Risikoaufschläge für europäische Anleihen erreichen neue Höchstkurse. Auch für Deutschland wird die Lage mittlerweile hochexplosiv. Wir bürgen derzeit mit fast 400 Millarden für die diversen Rettungsgelder und Stützungsverkäufe der EZb. Dem Finanzmarkt dämmert es, dass Deutschland diese gigantischen beträge zum großen Teil abschreiben kann. Und solange Deutschlands Politiker sich der Realität versperren und weiter fleißig Deckungszusagen für EU-Krisenländer machen, werden die neuen Schulden bald die Dimension des Aufbaus Ost ausmachen - mit dem Unterschied, dass dessen Transferleistungen über einen Zeitraum von 20 Jahren geschultert werden mussten. Die Realitätsblindheit lässt die Risikoprämien nun auch für deutsche Finanzanleihen in die Höhe schießen. bald werden auch wir 5 Prozent Anleihezinsen zahlen müssen. Auf alle deutschen Schulden gerechnet hätten wir dann 60 Milliarden Euro zusätzliche jährliche Zinszahlungen zu verkraften. Das hält auch unsere Volkswirtschaft nicht aus. - Wir müssen schleunigst die Notbremse ziehen. Das bundesverfassungsgericht muss handeln und weitere Transferzahlungen verbieten. Unsere Zukunft steht auf dem Spiel! Noch mal zur Erinnerung: Ohne den Euro hätten Deutschland und auch alle anderen Krisenländer keine der jetzigen Probleme! Raus aus dieser Chaoswährung!

  • Drum merke: Gold ist (noch) verdammt billig

  • Guten Tag;.... Ach was, das ist der Aufschwung ! besten Dank

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