Börse Frankfurt
Starker Euro sorgt für einen grauen Juli

Die Berichtssaison läuft ganz gut, Konjunkturdaten bleiben stark, die Notenbanken zeigen sich freundlich. Doch der teure Euro verdirbt Europas Anlegern den Juli. Der letzte Tag des Sommermonats bestätigt den Trend.
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Am letzten Juli-Tag hat der Dax das getan, was er in diesem Sommermonat so oft tat: Fallen. Lange Zeit mit leichten Gewinnen laufend, verließen die Börsianer im späten Handel das Geschehen. Am Ende ging der Deutsche Aktienindex mit 12.118 Punkten 0,4 Prozent tiefer aus dem Handel. Der EuroStoxx 50 gab 0,4 Prozent nach auf 3453 Zähler. Europas Anleger bleiben derzeit lieber auf der Hut. Daran änderten auch die Inflationszahlen für den Euro-Raum nichts, die mit einem Wert von 1,3 Prozent erhoffte Überraschungen ins Land der Träume verwiesen.

Die Aktienkurse fallen eher, als dass sie steigen. Das zumindest ist der Trend der vergangenen Wochen. In den letzten fünf Handelstagen verlor der Frankfurter Leitindex 0,7 Prozent, auf Monatssicht kommt ein Verlust von 2,5 Prozent zusammen. Und das, obwohl das Marktumfeld nicht wirklich trist ist – genau so wenig wie das Wetter. Die aktuelle Bilanzsaison läuft gut, die Berichte der meisten Konzerne können sich sehen lassen. Zudem bleibt die Geldpolitik weiterhin freundlich. EZB-Präsident Mario Draghi gab zur Monatsmitte bekannt, man werde erst im Herbst darüber diskutieren, wie der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik gestaltet werden soll.

Und auch die US-Notenbank Fed hat es nicht eilig. Ein weiterer Anstieg der Zinsen ist vertagt, vergangenen Mittwoch kündigte Chefin Janet Yellen lediglich an, man werde recht bald damit beginnen, die Fed-Bilanz abzubauen. Damit hatte ohnehin jeder gerechnet. Bleibt die Frage, wann genau und mit welchem Tempo die in der Nachkrisenzeit angebauten billionenschweren Anleihepositionen aufgelöst werden.

An der Wall Street indes erklimmen die Leitbörsen weiter neue Rekordhöhen. Der Dow-Jones-Index rückte am Montag weitere 0,3 Prozent vor und überwand erstmals die 21.900-Punkte-Marke. Auch die aktuellen Konjunkturdaten sind alles andere schlecht, Deutschlands Chefetagen sind in beste Laune, die Einkaufsmanagerindizes bleiben auf hohem Niveau, Europas Konjunktur zieht weiter an.

Doch all das torpediert der starke Euro. Denn der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung steigt und steigt, vergangene Woche gab es den nächsten Dollar-Cent extra für jeden Euro. Am späten Nachmittag drehte er nach eine Schwächephase erneut ins Plus, um 0,3 Prozent auf 1,1791 Dollar. Die teure Währung ist der größte Bremsklotz des europäischen Aktienhandels. Sie verteuert die Exporte ins Ausland, was vor allem für die traditionell ausfuhrenstarke Bundesrepublik ein Problem ist. Allein im Juli kletterte die Währung um 2,7 Prozent, seit Jahresanfang sind es ganze 11,6 Prozent.

Ob das schon das vorläufige Ende der Aufwertung ist, dazu scheiden sich die Geister. Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research sagt ja, er sieht den aktuellen Höhepunkt mit 1,17 Dollar erreicht. Kollege Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank hingegen erwartet einen weiteren Anstieg. Er sieht die Gründe für die aktuelle Dollar-Schwäche bei den unklaren Aussichten für die US-Geldpolitik. Gleichzeitig schwänden wegen der Russland-Affäre des Präsidenten Donald Trump die Hoffnungen auf eine baldige Umsetzung seiner Konjunktur- und Steuersenkungspläne. Auf dem Parkett hatten Trumps große Ankündigungen viele Vorschusslorbeeren geerntet. Dessen Bringschuld wird zunehmend größer.

Manch einer hofft nun schon auf die helfender Hand der Notenbanker: „Die Anleger warten darauf, dass die Europäische Zentralbank versucht, die Rally der Gemeinschaftswährung mit Warnungen zu bremsen“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Damit sei aber frühestens zu rechnen, wenn sich der Euro in Richtung der 1,20er Marke bewege.

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  • 1000 Mal gehört: Der starke Euro bremst den DAX. Wirklich?

    Als Gegenzeugen hätten wir zunächst die Unternehmensbefragungen des Ifo-Instituts. Danach ist die Stimmung der Manager trotz des angeblichen Handicaps EURO geradezu euphorisch. So viel überschäumenden Optimismus gab es seit Menschengedenken noch nie.

    Zweiter Gegenzeuge sind die Charts. Seit Beginn des Jahres 2017 stieg der Euro/Dollar-Kurs unentwegt. Nach Meinung der Börsenberichterstatter hätte diese Belastung den DAX tief in die roten Zahlen drücken müssen. Tatsächlich stieg der DAX aber bis zu seinem all-time-high am 20. 6., danach setzte eine Konsolidierung ein.

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