Börse Frankfurt
US-Politik macht Anleger nervös

Die Aussicht auf eine restriktivere US-Geldpolitik hat Anleger in Unruhe versetzt. Außerdem richteten sich bange Blicke gen Florida, wo sich US-Präsident Trump mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping treffen wollte.
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FrankfurtKursgewinne der Wall Street hievten den Dax am Abend trotz der politischen Unsicherheiten ins Plus. Er schloss 0,1 Prozent höher bei 12.230,89 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann sogar 0,6 Prozent auf 3492,51 Zähler. Im Tagesverlauf war der Dax bis Mittag noch gefallen, am frühen Nachmittag erholte sich der Leitindex jedoch wieder von den Verlusten.

Das Treffen Trumps mit Xi gilt als heikel, weil der US-Präsident China vorwirft, seine Währung künstlich niedrig zu halten, um die eigene Exportwirtschaft zu stärken. „Ein Handels- oder ein Währungskrieg zwischen den USA und China wäre ein Albtraum-Szenario für die Börsen“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

Kalt erwischt wurden Investoren von Überlegungen der US-Notenbank, Geld aus fällig werdenden Wertpapieren aus ihrem Depot nicht mehr zu reinvestieren. Dies ging aus den am Mittwochabend veröffentlichten Protokollen der jüngsten Notenbank-Sitzung hervor. „Eine solche Maßnahme käme einer Zinserhöhung gleich“, betonte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Die Fed hatte nach der Finanzkrise Wertpapiere im Volumen von mehreren Billionen Dollar aufgekauft, um eine Wirtschaftsdepression abzuwenden. Die Aktienrally der vergangenen Jahre geht zum Großteil auf diese Geldspritzen zurück. Auf die Devisenkurse hatten die Fed-Protokolle nur geringe Auswirkungen. Der Euro bröckelte auf 1,0647 Dollar ab.

Zusätzliche Kopfschmerzen bereitete die Einschätzung der US-Notenbanker, dass Aktien überbewertet seien. Viele Portfolio-Manager seien der gleichen Meinung und sähen die Äußerung der Fed als Gelegenheit für Gewinnmitnahmen, sagte Luca Paolini, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Pictet. Hinzu kämen die schwindenden Aussichten auf eine baldige „phänomenale“ US-Steuerreform. „Trumps Agenda fällt in sich zusammen.“ Beim zweiten Anlauf zum Umbau der Krankenversicherung kommen das Weiße Haus und der Kongress kaum voran. Gleiches gelte für die Steuerreform, sagte der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Paul Ryan.

Bei den Aktienwerten rückte Unilever ins Rampenlicht. Der Konsumgüter-Hersteller will seine Margen steigern und in großem Stil Geld an seine Aktionäre ausschütten, um sich gegen unerwünschte Übernahmeversuche zu schützen. Die Papiere des Anbieters von "Langnese"-Eis und "Axe"-Deo stieg daraufhin in London um ein Prozent auf 3978 Pence. "Die Offerte von Kraft Heinz war ein starker Weckruf", sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. "Unilever hat realisiert, dass sie mehr für ihre Anteilseigner tun müssen." Der Ketchup-Hersteller aus den USA hatte 143 Milliarden Dollar für Unilever geboten, seine Offerte nach Widerstand des Rivalen aber zurückgezogen.

Constellation Brands stiegen an der Wall Street sogar um bis zu 8,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 175,36 Dollar. Dank einer starken Nachfrage nach "Corona"-Bier stieg der Umsatz im abgelaufenen Quartal überraschend stark um 5,5 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar. Der Überschuss lag mit 1,48 Dollar je Aktie ebenfalls über den Erwartungen. Gleiches galt für das Gewinnziel von 7,70 bis acht Dollar je Aktie für 2018.

Im deutschen Nebenwerte-Index MDax rutschten Gerresheimer um 4,9 Prozent ab und verbuchten den größten Tagesverlust seit eineinhalb Jahren. Das Quartalsergebnis sei hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben, urteilte Analyst Sven Diermeier von Independent Research. Das Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2016/2017 liege nun am unteren Ende der bisherigen Spanne.

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