Börse Moskau
„Heftiger Schlag für Russland“

Die neuen US-Sanktionen treffen Russland hart. Großkonzerne bekommen Probleme bei der Finanzierung. Investoren reagieren verschreckt. Die Börse Moskau und der Rubel verlieren massiv. Auch eine deutsche Firma leidet.
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FrankfurtDie Verschärfung der Sanktionen gegen Russland hat die Moskauer Börse am Donnerstag ins Straucheln gebracht. Der RTS-Leitindex, der die Aktien in Dollar abbildet, fiel in der Spitze um 3,7 Prozent und notierte auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Juni. Der Index für die in Rubel gelisteten Titel gab zeitweise fast drei Prozent nach. Die Regierung in Washington verhängte am Mittwoch wegen der Ukraine-Krise ihre bislang schärfsten Sanktionen gegen eine Reihe russischer Unternehmen. „Das ist ein heftiger Schlag für Russland und die russischen Märkte“, sagte Tim Ash, Analyst bei der Standard Bank.

Von den US-Sanktionen sind unter anderem die Gazprombank und der Energiekonzern Rosneft betroffen – Rosneftpapiere rauschten in der Spitze um mehr als sechs Prozent in den Keller. Novatek verloren 7,4 Prozent. Die US-Sanktionen sehen vor, dass betroffenen Gesellschaften der Zugang zu den US-Kapitalmärkten untersagt wird. Davon ausgenommen sind Finanzierungsgeschäfte bis maximal 90 Tage.

Die EU stellt ihre Finanzierung von Projekten des öffentlichen Sektors in Russland ein, die durch die Europäische Investitionsbank finanziert werden. Bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung will die EU ihren Einfluss geltend machen und die entsprechende Neuvergabe von Krediten stoppen.

Für Nervosität sorgte die neue Drohkulisse des Westens auch auf dem Devisen- und Anleihenmarkt. Die russische Währung rutschte um ein Prozent zum Dollar ab und notierte bei 34,91 Rubel. Auch zum Euro fiel die russische Währung zurück. Zuletzt mussten für einen Euro 47,2 Rubel gezahlt werden - so viel wie seit eineinhalb Monaten nicht mehr.

Die Kurse russischer Staatsanleihen gaben spürbar nach, im Gegenzug legten die Renditen und der Risikoaufschlag zu anderen als besonders sicher geltenden Wertpapieren zu. Der Zins für zehnjährige Schuldtitel Russlands stieg mit 8,9 Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang Mai. Die Preise für Ausfallversicherungen auf Staatsanleihen (CDS) legten ebenfalls zu.

Durch die neuen Sanktionen gerieten an den europäischen Börsen zudem Papiere der stark in Russland engagierten Banken unter Druck. So verloren die Aktien der österreichischen Raiffeisen Bank International mehr als drei Prozent, die italienische Unicredit gaben ein Prozent ab.

Die verschärften Russland-Sanktionen treffen auch den deutschen Handelskonzern Metro. Anleger zweifeln daran, dass es dem Unternehmen gelingen wird, sein russisches Großmarktgeschäft wie geplant an die Börse zu bringen. Die Aktien von Metro fielen um bis zu 2,7 Prozent auf 31,11 Euro und waren damit der größte Verlierer im Nebenwerteindex MDax.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse Moskau: „Heftiger Schlag für Russland“"

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  • Herrlich, immer wieder freue ich mich auf die intelligenten Kommentare von Putins Trollen. Ist schon traurig, wie tief manche Menschen sinken können.

  • Das ist, mit Verlaub, etwas daneben. Die ukrainische Bevölkerung war das russische korrupte System satt. Der Westen hat allerdings die russischen Sicherheitsbedürfnisse unterschätzt. Die Taktik Putins, den russischen Bevölkerungsanteil in der Ukraine dadurch schützen zu wollen, dass man zwielichte Gesellen hochbewaffnet in die Ukraine schickt, ist jedoch zum Scheitern verurteilt. Putin stellt sich immer weiter ins Abseits. Mit dem Abschuss einer ukrainischen Maschine über der Ukraine durch einen russischen Kampfjet, der von höchster Stelle genehmigt wurde, ist wohl die letzte Scham abgelegt worden. Es ist Schlimmstes zu befürchten, denn damit kommt Putin aus der Schmuddelecke nicht mehr raus. Es scheint, die intellektuelle Elite Moskaus hat nicht grundlos gegen Putins Wiederwahl demonstriert und das Vertrauen in Russland ist durch ihn auf Jahre geschädigt!

  • Wollen die USA einen 3. Weltkrieg?

    Trotz Fußballeuphorie ist die Gefahr eines 3. Weltkrieges größer denn je.
    In Zeiten immenser Staatsverschuldung und leerer Staatskassen wurden in der Vergangenheit immer große Kriege geführt, angepasst an den Grad der Gier ihrer Initiatoren.

    Die USA sind im freien Fall und dabei ihre Weltherrschaft an China und Russland abzutreten.
    Unter diesem Gesichtspunkt sind unter anderen der Syrien- und der Ukrainekonflikt zu sehen.

    Die USA agieren seit Jahrzehnten nach dem Motto: „Unser Dollar, aber euer Problem!“, indem sie nach dem durch die private FED inszenierten „fiat money“-System wertvolle Rohstoffe gegen „wertlose“ Dollar tauschen.

    Mit ihrer privaten Weltwährung Dollar musste jedes Land der Welt im internationalen Zahlungsverkehr sich Rohstoffe bezahlen lassen und die private FED konnte dafür ohne Ende bunte Papierdollar drucken.

    Gegen die Länder, die in der Vergangenheit nicht an diesem Spiel teilhaben wollten, sondern ihre Rohstoffe für andere Währungen weggaben, wurde ein Krieg inszeniert (Irak, Afghanistan, etc.)

    In der Tat besteht derzeit eine Gefahr, dass ein 3. Weltkrieg sich an den aktuellen Konflikten entzünden könnte. In der Jelzin-Ära sind die Amis in Russland schon fast am Ziel gewesen, da sie über Beteiligungen an den Schlüsselindustrien wie Öl und Gas, aber auch den Medien, schon einen großen Profit aus dem Land gezogen hatten.

    Das änderte sich als Putin an die Macht kam.
    Er bekämpfte mit nationaler Wirtschaftspolitik und Antispekulationsmaßnahmen das alte System und re-verstaatlichte bedeutende Vorkommen an Bodenschätzen und sicherte dem russischen Staat Mehrheitsbeteiligungen an der Energiewirtschaft und anderen Schlüsselindustrien.

    Aus diesem Grund ist Putin den Amis ein Dorn im Auge und wird deswegen in den Medien verteufelt. Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

    http://www.mmnews.de/index.php/politik/19125-10000-auf-mahnwache-berlin-#14055995469512&if_height=9665

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