Börse New York
US-Anleger im Bann des politischen Kapitals

Kurz vor Börsenschluss wird die Abstimmung über das geplante republikanische Gesundheitsgesetz verschoben. Die Wall Street reagiert ernüchtert. Für Bewegung sorgen Unternehmensnachrichten – und Schnäppchenjäger.
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New YorkAn der Wall Street ist am Donnerstag zum Handelsschluss wieder Ernüchterung eingekehrt. Marktteilnehmer warteten zunächst mit großer Spannung auf eine Kongress-Abstimmung über Änderungen der Gesundheitsreform. Im späten Handel hieß es dann plötzlich, dass das Votum verschoben worden sei.

Die für eine Verabschiedung notwendige Stimmenzahl kam nicht zustande. Die Republikaner von Präsident Donald Trump wollten noch am Donnerstagabend über das weitere Vorgehen beraten. Trump hatte im Wahlkampf die Rücknahme der nach seinem Vorgänger benannten Gesundheitsreform Obamacare versprochen.

Händler hielten sich zurück, weil nicht klar war, ob Trump bei seinem ersten großen Gesetzesvorhaben letztlich die notwendige Zustimmung aus den eigenen Reihen bekommen wird. Die Anleger sehen die Abstimmung auch als Test dafür, ob Trump seinen versprochenen Umbau des Staates - vor allem die angekündigte Steuerreform - überhaupt wird umsetzen können.

Selbst wenn Trump sein Vorhaben durch das Repräsentantenhaus bekomme, werde es im Senat wohl scheitern, sagte John Traynor, Investment-Stratege bei der People's United Bank. „Ich glaube nicht, dass Trump begriffen hat, dass politisches Kapital sehr wertvoll ist. Mit seinen Tweets und Stellungsnahmen verspielt er das.“ Falls die Abstimmung für Trump schlecht laufe, fürchteten Investoren Auswirkungen auch auf seine Pläne zur Steuerreform und der Rückführung von Unternehmensgewinnen aus dem Ausland.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte trat zuletzt bei 20.656 Punkten auf der Stelle. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,1 Prozent auf 2345 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,1 Prozent auf 5817 Punkte. In Frankfurt eroberte der Dax die Marke von 12.000 Punkten zurück und schloss 1,1 Prozent fester auf 12.039 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann 0,9 Prozent auf 3452 Zähler.

Der Chef der regionalen Notenbank von San Francisco, John Williams, sieht die US-Notenbank weiter auf Straffungskurs. Er könne sich für dieses Jahr drei oder sogar mehr Zinsanhebungen vorstellen, zitierte ihn das „Wall Street Journal“ in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. An den Finanzmärkten werden nach der jüngsten Zinsstraffung Anfang März zwei weitere Anhebungen erwartet.

Neue Daten zum US-Immobilienmarkt hatten kaum Einfluss auf die Kurse. So sind die Verkäufe neuer Häuser im Februar zum Vormonat um 6,1 Prozent gestiegen und damit stärker als erwartet.

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