Börsen Asien
Wo ist der Boden nach dem Brexit-Schock?

Der Austritt Großbritanniens aus der EU erschüttert die asiatischen Märkte. In Japan wird sogar der Handel mit Nikkei-Futures kurzfristig ausgesetzt. Japans Finanzminister und Notenbankchef versuchen, die Märkte zu beruhigen.

TokioIn Asien wurde ein Markt vom Brexit-Schock besonders stark gezaust: Die Tokioter Börse erlebte ihren schwärzesten Tag seit 16 Jahren und zwei Monaten. Um 7,9 Prozent schmierte der Nikkei-225-Aktienpreisdurchschnitt ab, auf nur noch 14.952,02 Yen. Südkoreas Kospi verlor hingegen nur 2,7 Prozent und Hongkongs HangSeng-Index 4,5 Prozent und der Shanghai SE Composite Index gar nur knapp über einem Prozent.

Hisao Matsuura, der Chefstratege der japanischen Investmentbank Nomura, führt im Handelsblatt-Gespräch eine Reihe von Gründen für Japans Anfälligkeit an. Zuerst hatten die Märkte bis Donnerstag gedacht, dass die Briten für einen Verbleib in der Europäischen Union (EU) stimmen würden, erklärt Matsuura. Daher musste die Realität eingepreist werden, mit bekanntem Ergebnis.

Der Yen schoss in die Höhe. Nachdem der Sieg des Brexit-Lagers kurz nach der japanischen Mittagspause absehbar wurde, fiel der Kurs des US-Dollars kurzfristig auf unter 100 Yen. Damit stürzten auch die Aktienkursen ab, denn die Gewinne der Exportkonzerne werden auch vom Yen-Kurs mitbestimmt.

Dass es allerdings weiter als in anderen Märkten abwärtsgegangen ist, läge auch an der Größe des japanischen Marktes, meint der Stratege Matsuura. „Japans Markt ist liquider als andere asiatischen Märkte.“ Dies gibt Shortsellern mehr Raum, sich auszutoben, und die Rutschfahrt zu vertiefen.

Die gute Nachricht: „Falls wie eine Liquiditätskrise verhindern können, sieht der Abschwung zu tief aus“, meint der Stratege. „Ich denke, dass wir kurz vor dem Talboden sind.“ Er verortet den Boden bei einem Nikkei von 14.500 Yen. Denn Matsuura rechnet damit, dass die Notenbank in aller Welt genug Liquidität in die Märkte pumpen werden, so dass ein Einfrieren des Finanzmarkts wie während der Weltfinanzkrise verhindert werden kann.

Danach würden langsam wieder die ökonomischen Grundlagen das Verhalten der Anleger bestimmen, mutmaßt der Japaner. Und da steht Japan gar nicht einmal so schlecht dar. Die Bank von Japan dürfte ihre Geldpolitik weiter lockern, glauben viele Analysten. Außerdem sehen sie ein Konjunkturprogramm der Regierung näher rücken.

Matsuura rechnet daher damit, dass sich die Gewinnaussichten der Japan AG in der zweien Jahreshälfte wieder verbessern. Seine Schätzung: Selbst wenn der Yen weiterhin bei 100 Yen zum US-Dollar stünde, könnte sich der Nikkei auf 16000 Yen erholen.

Tsutomu Yamada, Analyst des größten japanischen Online-Brokers Kabu.com, hält zu Sylvester sogar einen Nikkei von 18000 Yen für möglich. Immer vorausgesetzt, dass weder die Finanzmärkte noch die EU zerbrechen. Denn in einem sind sich die Japaner einig: Eine Weltkrise einmal ausgenommen, ist der Brexit wirtschaftlich zuerst für Großbritannien und dann die EU ein Problem.

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