Börsen in Panik
Dax beendet Chaos-Tag knapp 500 Punkte tiefer

China erschüttert die Börsen. Der Absturz der Aktienmärkte im Reich der Mitte haben dem Dax einen der größten Tagesverluste seiner Geschichte eingebrockt. Am Ende verliert er knapp 500 Punkte – und die Angst bleibt.
  • 39

FrankfurtOb der heutige Handelstag als „Schwarzer Montag“ in die Börsengeschichte eingehen wird oder nicht, sei dahingestellt. Eines aber kann man ihm aber nicht absprechen – seine Dramatik. Mit einem Minus von bis zu 7,8 Prozent erlitt der Dax heute einen der größten Tagesverluste in seiner Geschichte. Zwischen seinem Tagestief von 9338 Punkten, der zugleich auch ein neues Jahrestief darstellt, und seinem Tageshoch lagen knapp 600 Punkte.

Am Ende half die leichte Erholung der US-Märkte dem Dax die Verluste zu reduzieren. Dennoch ging der Leitindex mit einem Minus von 4,7 Prozent auf 9648 Punkten aus dem Handel. Der Dow Jones notierte nach Frankfurter Börsenschluss 2,1 Prozent beziehungsweise 343 Punkte tiefer bei 16.116 Zählern. Zur Eröffnung verlor der US-Leitindex noch knapp 1000 Punkte.

An den Rohstoffmärkten kam es ebenfalls zu drastischen Kursbewegungen. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent stürzte 5,1 Prozent ins Minus auf 43,13 Dollar. Der Euro hingegen legte deutlich zu. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg um 1,8 Prozent auf 1,1594 Dollar. Zwischenzeitlich stieg der Euro sogar auf bis zu 1,1711 Dollar.

Begonnen hatte das Beben in der Nacht in China, wo der Shanghai-Composite 8,5 Prozent absackte. Die Entscheidung der Pekinger Regierung, Pensionsfonds erstmals Investitionen am Aktienmarkt zu gestatten, enttäuschte die Anleger. Börsianer hatten offenbar damit gerechnet, dass die chinesische Notenbank die Märkte mit neuen Geldspritzen stützen würde.

„Zweifellos befinden wir uns in einer kräftigen Korrektur“, erklärt Dr. Stephan Ullrich, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. „Ausgelöst von Wachstumssorgen in der Volksrepublik China preist der Markt eine globale Rezession ein. Ich halte die Ängste um eine globale Rezession aber für übertrieben. Die USA wachsen solide mit gut zwei Prozent, Europa mit etwa 1,5 Prozent. Und auch China sollte trotz aller Probleme um Demographie, steigenden Löhnen und Schulden aufgrund massiver Infrastruktur- und Bauinvestitionen nicht in eine dauerhafte Krise abrutschen.“

Analysten von JP Morgan sind ebenfalls zuversichtlich. „Wir sind nach wie vor von den guten fundamentalen Daten insbesondere in Europa überzeugt. So war die soeben abgeschlossene Berichtssaison für das zweite Quartal insgesamt sehr positiv: 73 Prozent der Unternehmen haben wie erwartet oder sogar bessere Zahlen berichtet“. Anleger sollen sich auf eine höhere Volatilität einstellen, so die Experten. „Bislang war das Umfeld in den letzten Jahren von einer historisch sehr niedrigen Volatilität geprägt. Wenn das Volatilitätsniveau jetzt wieder ansteigt, ist das nur ein natürlicher Prozess.“

Kommentare zu " Börsen in Panik: Dax beendet Chaos-Tag knapp 500 Punkte tiefer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sorry.
    Richtig. Was ich noch NIE gesehen habe, ist eine derartige Explosion bei der Volatilität.
    Schön zu sehen z.B. hier beim S&P 500 Volatilitätsindex.
    http://www.finanzen.net/index/VIX
    Geradezu ein atemberaubender Spike. Momentan der einzige US-Index im "grünen Bereich". ;-)

  • Richtig. Was ich noch NIE

  • Verteilt mal weiter Beruhigungspillen. Die Leute wissen so langsam, was hier läuft. Die Weltwirtschaft wächst kaum, dafür wachsen die Schulden ins Unermeßliche. Die Kurskorrektur dieser absurden Höchststände, die ausschließlich durch das ultrabillige Geld der Notenbanken getrieben werden, ist längst überfällig und es wird weiter abwärts gehen, wahrscheinlich unter 8000. Zum Vergleich: Im März 2000 lag der Dax bei 8100, 3 Jahre später bei 2200, und damals gab es noch keine Schuldenkrise, sondern nur eine IT-Krise und die Weltwirtschaft war viel robuster als heute.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%