Chinesischer Aktienmarkt
Krise treibt ausländische Investoren in die Flucht

Ausländische Investoren verkaufen ihre Schanghai-Aktien zuhauf. Die Politik versucht gegenzusteuern. Doch je mehr Geld die Behörden in den Aktienmarkt stecken, desto höher ist das Risiko negativer Auswirkungen.
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Singapur/Hongkong/PekingWährend die chinesische Regierung ihre Interventionen gegen einen Ausverkauf am Aktienmarkt verstärkt, verkaufen ausländische Investoren Schanghai-Aktien so massiv wie noch nie. Viele Analysten hatten den Absturz vorhergesehen.

Die Verkäufe von chinesischen Festlandsaktien über die gemeinsame Plattform der Handelsplätze in Schanghai und Hongkong erreichte am Montag ein Allzeithoch, doppelt gelistete Papiere in Hongkong verloren im Vergleich zu ihren Festlands-Pendants so stark wie seit mindestens 2006 nicht mehr. Am US-Optionsmarkt sind die Kosten für Absicherungen gegen weitere Verluste nahezu auf Rekordniveau, nachdem chinesische Aktien an amerikanischen Börsen ihren schlimmsten Ein-Tages-Verlust seit 2011 erlitten hatten.

Die chinesische Regierung versuchte unter anderem mit Aktienkäufen durch staatliche Finanzfirmen und einem Stopp von Börsenneueinführungen den Ausverkauf bei Aktien zu bremsen. Die Wirkung der staatlichen Intervention, mit der die wochenlange Talfahrt gebremst werden sollte, scheint aber bereits wieder zu verpuffen. Der Shenzhen Component Index, der die Aktien vieler Technologieunternehmen enthält, verlor 5,8 Prozent auf 1137,6 Punkte. Der Shanghai Composite Index schloss 1,29 Prozent tiefer bei 3727,13 Punkten. Beide Indizes hatten am Montag mehr als sieben Prozent gewonnen, nachdem die Regierung am Wochenende in den Markt eingegriffen hatte. Auch Wertpapierhändler und Investmentfonds wurden zu längerfristigen Aktienkäufen verpflichtet. Unter anderem hatten große Wertpapierhäuser versprochen, umgerechnet 17,5 Milliarden Euro in Aktienkäufe zu stecken, um die Börsen zu stabilisieren.

„Wir kommen an einen Punkt, wo eine schlechte Politikmaßnahme durch eine andere gedeckt wird“, sagte Tai Hui, leitender Marktstratege Asien bei JPMorgan Asset Management in Hongkong. „Immer noch machen sich viele Investoren Sorgen wegen einer weiteren Korrektur.“

Strategen von BlackRock Inc., Credit Suisse Group AG, Bank of America Corp. und Morgan Stanley hatten im Juni vor einer Blase bei chinesischen Aktien gewarnt. Als der Shanghai Composite Index am 12. Juni sein Hoch erreichte, waren sie fast doppelt so teuer wie bei ihrer Spitze im Oktober 2007 und auf Basis der Median-Gewinnschätzungen mehr als dreimal so hoch bewertet wie irgendeiner der zehn wichtigsten Märkte.

Bis Freitag verzeichnete der Index dann einen 29-Prozent- Verlust, den schlimmsten Drei-Wochen-Absturz seit 1992. Das sorgte für hektische Maßnahmen, die den Markt stabilisieren sollten. Am Samstag beschloss eine Gruppe von 21 Brokerhäusern, mindestens 120 Mrd. Yuan (17,5 Mrd. Euro) in einen Aktienmarktfonds zu investieren. Auch die Chefs von 25 Investmentfonds sagten zu, Aktien zu kaufen und mindestens ein Jahr zu halten. Central Huijin Investment Ltd., eine Tochter des chinesischen Staatsfonds, teilte mit, sie kaufe börsengehandelte Fonds.

„Je mehr Geld die Behörden in die Stützung des Aktienmarkts stecken, umso mehr steigt das Risiko negativer Auswirkungen, wenn der Markt weiter absacken sollte“, sagte Andrew Wood, Analyst bei BMI Research. „Das könnte eine Vertrauenskrise in die Fähigkeit der Behörden auslösen, den Aktienmarkt und die Realwirtschaft zu stützen.“

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Bloomberg / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich hol mir nur was beim Thai.

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