Dax-Ausblick
Die Geister, die sie riefen

Aktien sind eigentlich zu teuer. Doch das interessiert die Anleger nicht wirklich, sie beschäftigt eine andere Frage. In der kommenden Woche wird eine Frau versuchen, darauf eine Antwort zu geben.
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DüsseldorfSchlechte Nachrichten sind keine Mangelware: Der Aufschwung in den USA fällt schwächer aus als erwartet. Das Wachstum in China verlangsamt sich. Der Boom in Schwellenländer wie Brasilien oder der Türkei geht zu Ende. Eigentlich ist es in diesem Umfeld verwunderlich, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) seit Jahresanfang „nur“ drei Prozent verloren hat. Zumal die Gelegenheit günstig wäre, um Gewinne zu kassieren.

In den vergangenen Jahren sind die Kurse kräftig gestiegen – und damit auch die Bewertungen von Aktien. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den S&P 500 stieg 2013 von 14 auf 17. Das entspricht  einem Anstieg um knapp 18 Prozent innerhalb eines Jahres. Im gleichen Zeitraum legten die Gewinne der Unternehmen aber nur um sieben Prozent zu. Für den Dax liegt das durchschnittliche KGV etwas niedriger, bei rund 14. Aber auch hierzulanden sind die Bewertungen schneller gestiegen als die Gewinne. Das legt den Schluss nahe, dass Aktien eigentlich überteuert sind.

Dennoch bleibt die große Korrektur bislang aus. Und die Gründe dafür heißen: billiges Geld, Niedrigzinsen, Anlagenotstand.

Die Frage, ob man Aktien für teuer oder billig hält, ist immer auch eine Frage der Alternativen. Diese sind – anders als in früheren Zeiten – rar gesät. Im Vergleich zu Anleihen sehen Aktien immer noch attraktiv aus. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen liegen deutlich unter dem historischen Durchschnitt. Das liegt an der Nullzinspolitik der Notenbanken in den USA, Japan und Europa „Sollte die Geldschwemme der Notenbanken anhalten und die Anleiherenditen niedrig bleiben, dürfte die Bewertung von Aktien weiter steigen“, vermutet Bert Flossbach, Vermögensverwalter aus Köln. Er geht davon aus, dass die Geldschwemme anhält. „Die Notenbanken befinden sich in einer Zwickmühle. Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los“, sagt er.

Die Rally an den Aktienmärkten ist von den Notenbanken gemacht worden. Die lockere Geldpolitik hat die Preise für Vermögenswerte wie Aktien getrieben – in welchem Ausmaß ist schwer zu beziffern, dass es einen Zusammenhang gibt, ist aber unbestritten. Allein im vergangenen Jahr haben US-Notenbank und Bank of Japan zusammen rund 1,7 Billionen Dollar gedruckt, um Staatsanleihen und Hypothekenpapiere aufzukaufen. Im selben Jahr ist der amerikanische Aktienindex S&P 500 um 30 Prozent gestiegen, der Nikkei in Tokio sogar um fast 60 Prozent.

Wie gesund eine solche Rally ist, seit einmal dahin gestellt. Dass die gesamte Entwicklung mehr als beunruhigend ist, wissen die meisten Investoren zwar, sie interessiert dennoch mehr eine andere Frage.

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