Dax-Ausblick
Gestern Angst, heute Zuversicht. Und morgen?

Die meisten Anleger haben die Krim-Krise schon wieder abgehakt. Sie rechnen wieder mit steigenden Kursen. Haben politische Börsen also wirklich kurze Beine oder die Börsianer eine sehr kurzsichtige Wahrnehmung?
  • 0

DüsseldorfRussland annektiert die Krim – und die Börsen steigen. Der Dax hat in der vergangenen Woche um drei Prozent auf rund 9360 Punkte zugelegt. Und das, obwohl zuvor noch die Angst umging, eine weitere Eskalation des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland könne die Aktienmärkte belasten.

Die Kursgewinne an den Börsen haben zwei Gründe: Zum einen schreckt der Westen vor harten Wirtschaftssanktionen zurück. Man will die diplomatischen Kanäle nach Moskau offen halten. Die bisher beschlossenen Einreiseverbote und die Sperrung von Konten betreffen nur einen sehr kleinen Kreis von Personen. Zum anderen verkündete Russlands Präsident Wladimir Putin, dass die Krim ab sofort wieder zu Russland gehören soll, dass er darüberhinaus aber keine weitere Expansion plane. Die Börsianer wollten es ihm gerne glauben.

An den steigenden Kursen lässt sich ablesen, dass die meisten Anleger inzwischen davon aus gehen, dass es nicht zum Äußersten kommen wird – also einem Krieg zwischen der Ukraine und Russland, flankiert durch gegenseitige Wirtschaftssanktionen zwischen West und Ost. „Die Entwicklung bestätigt: Politische Börsen haben kurze Beine. Die Annexion der Krim durch Russland wird – Sanktionen hin oder her – nicht rückgängig zu machen sein“, sagt Manfred Schlumberger, Chefstratege der BHF Bank in Frankfurt. „Die Märkte haben sich bereits daran gewöhnt. Putins Erklärungen haben sogar für eine kleine Erholungsrally gesorgt.“

„Der Markt hat sich als erstaunlich robust erwiesen, das macht mich zuversichtlich“, sagt Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank. Duwe traut dem Dax in den kommenden Handelstagen einen Anstieg auf rund 9600 Punkte zu.

Man könnte den Börsianern fast schon wieder eine gewisse Sorglosigkeit attestieren, gäbe es nicht noch ein paar warnende Stimmen: „Bei der Krim-Krise kommt es darauf an, ob die USA die Sanktionen auf die Wirtschaft ausdehnen oder es bei der bisherigen vorsichtigen Größenordnung belassen“, sagt etwa Jens Ehrhardt, Chef der Vermögensverwaltung DJE Kapital aus München. „Eine Verschärfung wäre besonders für Deutschland gefährlich, einerseits wegen der Exportabhängigkeit im Russland-Geschäft und der Importabhängigkeit bei Öl und Gas.“ Das könne den Dax belasten.

„Die Ukraine wird uns noch weiter beschäftigen“, urteilt auch Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. „Die Devisenreserven sind drastisch gesunken und die EU nimmt weitere Sanktionen in den Blick sollte sich die Lage verschärfen.“

Seite 1:

Gestern Angst, heute Zuversicht. Und morgen?

Seite 2:

„Schneller, als die Märkte hoffen“

Kommentare zu " Dax-Ausblick: Gestern Angst, heute Zuversicht. Und morgen?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%