Dax-Ausblick
Griechenland, entscheide dich endlich

Eigentlich hätten sie heute mit der Unsicherheit Schluss machen können. Doch nun lassen die Griechen Europa weiter hängen. Für Anleger bedeutet das: Nerven bewahren. Die Nervosität wird erst einmal bleiben.
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DüsseldorfDie Lösung schien so nah: Athen hätte nur zustimmen müssen heute Nachmittag, beim Treffen der Euro-Finanzministern. Die Zusammenkunft ab 14 Uhr hätte eigentlich die letzte – die entschiedende – werden sollen, um die Einigung im griechischen Schuldenstreit endlich herbeizuführen. Dem Gläubiger lag bereits ein neues Angebot der Euro-Gruppe vor. Und es war verlockend.

EZB, IWF und die europäische Kommission waren bereit, das Hilfsprogramm für Griechenland um weitere fünf Monate zu verlängern und Athen bis zum November mit 15,5 Milliarden Euro finanziell unter die Arme zu greifen. Zwölf Milliarden Euro sollten von den Europäern kommen, 3,5 Milliarden vom IWF. Doch dann grätschte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras dazwischen.

Nach einer nächtlichen Dringlichkeitssitzung des Kabinetts verkündete Tsipras, man wolle sich nicht erpressen lassen. Stattdessen gebe es nun am 5. Juli ein Referendum. Das griechische Volk, nicht die Regierungsverantwortlichen, sollen also nun über das weitere Schicksal des Krisenstaats abstimmen – über die Frage, ob Athen dem Reformpaket zustimmt und in der Euro-Zone verbleibt. Oder eben nicht.

Bislang hatte Athen zwar ein Entgegenkommen signalisiert, was Reformen bei den Renten und der Mehrwertsteuer betrifft. Doch man sträubte sich dagegen, die Reformen auch so rasch und umfassend umzusetzen, wie gefordert. Am liebsten hätte Athen wohl Vorschussgelder kassiert, Reformen aber erst im Herbst angepackt. Nun heißt es also: Eine weitere Woche Hoffen und Bangen, bei den europäischen Partnern, aber auch bei Anlegern.

Klar ist: Der bisherige Zeitplan, nachdem am Montag die nationalen Parlamente über den Griechen-Deal abgestimmt hätten und Athen am Dienstag pünktlich rund 1,55 Milliarden Dollar an den IWF zurückgezahlt hätte, gilt nicht mehr. Stattdessen hofft Athen auf das Verständnis der Gläubiger, die Zahlungsfristen um eine weitere Woche zu verschieben.

Experten erwarten jetzt, dass das „Wechselbad der Gefühle“ an den Märkten weitergeht, Dax und Co. erhebliche „Wallungen“ in der kommenden Woche verkraften müssen. Zuletzt hatte beim Dax die Zuversicht überwogen. Der Leitindex ging mit einem Plus von 4,1 Prozent aus der Woche. Doch bereits am Montag sind weitere, deutliche Abschläge denkbar. Wenn die Einigung platzt, müsse der Dax erst einmal mit einer „Talfahrt“ rechnen, prophezeit etwa Deka-Bank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Manche Börsianer sind mittlerweile sichtlich „genervt“ vom anhaltenden Hin und Her der Verhandlungen. Das „Schmierentheater um Hellas“ sei kaum noch auszuhalten, poltert etwa Robert Halver, Kapitalmarktexperte von der Baader Bank. Allein die Flugkosten der Finanzminister, Regierungschefs, EU-Verantwortlichen und ihrer jeweiligen Entourage zu diversen Gipfel könnten ganzen Heerscharen von Griechen auskömmliche Renten bescheren. „So einigt euch doch endlich“ – das würde wohl Halver stellvertretend für viele gern rufen.

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