Dax-Ausblick
Wann ist die Rally vorbei?

Wie weit werden die Kurse noch steigen? Wie lange gibt es noch billiges Geld von der Fed? Diese Fragen beschäftigen Investoren in der kommenden Woche. Was Geldanleger in der nächsten Woche erwartet.
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FrankfurtLangfristig gehen Experten von steigenden Kursen aus, doch in der neuen Börsenwoche sind Rückschläge nicht ausgeschlossen. Jedenfalls müssen Anleger auf dem Weg zu neuen Höchstständen zwei Klippen umschiffen: Die Spekulationen auf eine Straffung der lockeren Geldpolitik in den USA und ein stotternder Konjunkturmotor in Deutschland könnten der Dax-Rally den Wind aus den Segeln nehmen. Aufschluss gibt es am Mittwoch, wenn die US-Notenbank Fed tagt und am Freitag, an dem der Ifo-Geschäftsklima-Index veröffentlicht wird.

Zudem fragen sich viele Marktteilnehmer, wie weit die Rekordjagd noch gehen kann, die den Dax zuletzt auf das Rekordhoch von 8407,74 Punkten und den Dow Jones auf 15.219 Zähler getrieben hatte. Auf Wochensicht verzeichnete der Dax ein Plus von etwas mehr als einem Prozent. Solange das billige Geld der Notenbanken weiter fließt spricht langfristig vieles für Aktien. Staatsanleihen werfen kaum etwas ab, sparen lohnt sich nicht. Anleger kommen deshalb um das Wertpapier kaum herum. Auch Notenbanken kaufen in letzter Zeit verstärkt Aktien.

„In der Summe spricht wenig für einen Gipfelabstieg, aber mit Steinschlag sollte gerechnet werden“, fasst es Marktstratege Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors zusammen. Es fehle die letzte Überzeugungskraft für den Aufschwung, was durch die niedrigen Umsätze an den Börsen bestätigt werde. „Kursgewinne können letztlich nur auf harten Daten fundamental gut abgesichert sein, nicht auf Zentralbankgeld alleine.“ Rücksetzer schließt Naumer deshalb nicht aus.

Robert Halver von der Baader Bank argumentiert anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses der US-Aktien. Laut dem MSCI United States Index beträgt das KGV der US-Aktien 14,1. Beim letzten Allzeithoch im Jahr 2007 lag das KGV bei 15,4. Bewertungstechnisch sind amerikanische Aktien damit nicht überbewertet. „US-Aktien sind von dem Bewertungsniveau von vor der Lehman-Pleite weit entfernt.“, betont Halver und geht in seinem Marktkommentar von keiner Blasenbildung am Aktienmarkt aus.

Doch nicht alle sind so optimistisch. So betonte Vermögensverwalter Herwig Weise, dass er auf Gold setze und mit starken Turbulenzen an den Aktienmärkten rechnet. „Der Aktienmarkt hat sich von der Realität abgekoppelt. Die Anleger blenden die Risiken aus, der Optimismus ist extrem. Da spielen wir nicht mit.“, begründete er den Schritt nicht auf Aktien zu setzen.

Wie es weitergeht mit der Geldflut der Zentralbanken könnte sich schon am Mittwoch zeigen. Dann legen die Bank of England und die japanische Notenbank ihren weiteren Kurs fest. Vor allem aber veröffentlicht die US-Notenbank am Abend ihre Protokolle über die vorige Sitzung des Offenmarktausschusses.

Zuletzt hatten mehrere Fed-Mitglieder dafür plädiert, die Anleihenkäufe von aktuell 85 Milliarden Dollar pro Monat noch in diesem Jahr zurückzufahren oder gar ganz einzustellen. Die Äußerungen sorgten prompt für fallende Kurse an den Aktienmärkten und steigende Notierungen beim Dollar.

Bevor die Fed-Protokolle veröffentlicht werden, nimmt Notenbankchef Ben Bernanke am Mittwochnachmittag (16:00 Uhr MESZ) vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses Stellung zur Geldpolitik seines Hauses. Zur Debatte könnte dabei auch stehen, ob Bernanke bereit ist, eine dritte Amtszeit ab Januar 2014 zu übernehmen.

Kommentare zu " Dax-Ausblick: Wann ist die Rally vorbei?"

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  • Nach dem Finanz-Vietnam bleibt nichts anderes mehr übrig, wie Aktien. Irgendwo muss das Geld neben den Lohnerhöhungen gebunden werden, der Geldregen sich sammeln.
    Die Amerikaner fluteten für die Bezahlung ihres Vietnamkrieges den Markt mit Dollars und verloren dadurch ihre Sparquote. Die Anleger in de USA stellten sich um und setzten auf Aktien, um ihre Wertverluste zu kompensieren. Das hatte als Nebeneffekt, daß die Kreditvolumina besonders im Privatkonsum extrem wurden. Die Aktienkurse stiegen ebenso. Ein DOW von 1000 steht heute bei dem 13 fachen. Mehr kaufen kann sich dafür jedoch kaum jemand was.
    Für den Dax heißt die heutige Welle einen Wert von circa
    11000 Punkten in den nächsten drei Jahren.
    Nach dem Finanz-Vietnam stehen wir im Westen vor dem gleichen Problem. Das Geld wird geflutet, der Zins ist am Ende. Die Sparquote wird sich in Aktien umformen.
    Im Moment kann man es noch bildlich erfassen. Die Aktien sind zwar im Moment gemessen an der Ertragskraft überbewerrtet. Doch der inflatorische Charakter wird dies auf Dauer wieder geradebiegen. Das wird auch korregiert werden, wenn der Zins wieder steigt. Und das muß er, denn damit wird die Sause vorher bezahlt. So war es immer und so wird es auch bleiben, solange eine Flut von Geld das bestimmende Wirtschaftsthema ist.

  • Das Problem für viele ist einfach die tägliche Kursfeststellung und die Volatiliät. Die Menschen möchten ein Produkt kaufen, wo in 10 Jahren mind. das herauskommt, was einbezahlt wird. Deutschland ist ein Land der ängstlichen und der Versicherungen. Der Deutsche hat immer Angst. Angst vor Kursverlusten, Angst vor Inflation, Angst vor Enteignung, Angst vor Altersarmut, Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vor Pferdefleisch in der Lasagne....

  • @stockpicker

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    Ich finde es gerade nicht so einfach, die passenden Titel fair bewertet zu finden. Deshalb halte ich noch ne Weile die Füsse still.

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